Die Redaktion empfiehlt: »Unter schwarzer Flagge« von Eric Corbeyran / Brice Bingono

24.01.2013 08:19 von vpm

Eine phantastische Piratengeschichte

Eigentlich hatte ich erwartet, dass das Genre des Piratenabenteuers nach dem Erfolg der »Fluch der Karibik«-Reihe wieder neu aufflammen würde. Sieht man von wenigen Nachahmern ab, hält sich das Interesse an den Piraten des 17. und 18. Jahrhunderts allerdings weitestgehend in Grenzen. Was für die Filme gilt, trifft auch auf Romane und Comics zu. Das Genre scheint ausgereizt, vielleicht sogar tot.

Umso überraschender ist für mich dann die Comic-Trilogie »Unter schwarzer Flagge«, die im Splitter-Verlag erscheint. Die ersten zwei Bücher liegen bereits vor, und ich habe sie gelesen.

Eric Corbeyran hat die Geschichte entworfen – er gehört zu den Autoren, deren Manuskripte von mehreren Zeichnern umgesetzt werden: Zwischen Science Fiction, Fantasy und modernem Thriller wechselt er die Genres, spannend sind seine Geschichten allemal. Er erzählt gerne mehrgleisig, lässt seine Figuren nicht unbedingt sauber und korrekt handeln und hat offenbar ein Händchen für Helden, die sich nicht an die Regeln von Anstand und Gesetz halten.

Das zeigt sich auch an »Unter schwarzer Flagge«: Unter schwarzer Flagge Bd. 01: »Gischt und Glut«Sein Held trägt den wunderbaren Namen Dan Dark, sein Schiff wird »Black Joke« genannt, und Mahalia, eine junge Mulattin, ist in gewisser Weise die zweite Hauptfigur. Neben ihnen spielt eine Reihe harter Piraten eine wichtige Hauptrolle – man will gemeinsam einen Schatz heben, behindert sich dabei aber gegenseitig nach Kräften. Bei der Jagd nach dem Schatz haben die mehr oder weniger freiwilligen Gefährten eine Reihe von Hindernissen zu überwinden, magische Elemente sind inbegriffen.

In der kurzen Zusammenfassung lassen sich die vielen Details nicht erwähnen. Der Autor schickt seine Figuren durch eine abwechslungsreiche Geschichte voller Intrigen und Action, einer Prise Sex und vielen Gemeinheiten; die Figuren bleiben dabei nicht eingleisig, sondern verändern sich, erweisen sich mal als gute Gefährten, mal als erbitterte Gegner, werden aber stets überzeugend geschildert. Die Piraten in dieser Geschichte sind keine netten Jungs von nebenan, sondern sind jederzeit bereit, jemanden umzubringen. Das macht sie realistisch.

Der Zeichner Brice Bingono war mir vorher garUnter schwarzer Flagge Bd. 02: »Über die Weltmeere« nicht bekannt. Seine Zeichnungen sind konventionell, aber gut: realitätsnahe Bilder im klassischen Abenteuer-Comicstil, stets dynamisch gemacht und nie langweilig. Schiffe und Städte, Menschengesichter und Monster-Darstellungen – das alles bringt Bingono mit zahlreichen Details aufs Papier.

Ich habe die zwei Bände von »Unter schwarzer Flagge« mit großem Vergnügen gelesen und bin sehr gespannt darauf, wie der Autor und der Zeichner ihre Geschichte zu Ende bringen. Kommen noch mehr phantastische Elemente hinzu, oder endet sie konventionell? Wer Abenteuer mag, in die sich ein Schuss Fantasy mischt, wird seine Freude an der Trilogie haben. Auf der Verlags-Homepage gibt es die Möglichkeit, die Leseproben mit einem Umfang von jeweils zehn Seiten kostenlos anzuschauen.

Band eins trägt den Titel »Gischt und Glut« und kann mithilfe der ISBN 978-3-86869-400-0 überall im Buchhandel bestellt werden; die 48 Seiten kosten 13,80 Euro. Denselben Preis und dieselbe Seitenzahl hat der zweite Band, der unter dem Titel »Über die Weltmeere« erschienen ist und die ISBN 978-3-86869-401-7 trägt.


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Klaus N. Frick

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