Die Woche der Splitter-Tipps (Teil 4)

14.11.2013 08:22 von vpm

»Johann und Pfiffikus – Magie und fremde Länder« von Peyo und andere

Aktuelle Geschichten eines klassischen Funny-Comics

Dass ich die herrliche Comic-Serie »Johann und Pfiffikus« seit vielen Jahren und Jahrzehnten liebe, habe ich nicht nur einmal verkündet. In den 50er-Jahren hatte ihr Schöpfer, der belgische Zeichner Pierre Culliford (1928 bis 1992) sie unter seinem Pseudonym Peyo ins Leben gerufen. Leider wurden die Abenteuer des tapferen Jung-Ritters Johann und seines schrägen Freundes Pfiffikus nie so populär wie die der Schlümpfe: Die kleinen blauen Wesen tauchten zuerst in »Johann und Pfiffikus« auf, überflügelten dann aber rasch die ursprüngliche Serie.

Nachdem Peyo gestorben war, setzte sein Sohn das Werk fort. Neben der Weiter- und Fortentwicklung der Schlümpfe schloss das auch eine Fortsetzung von »Johann und Pfiffikus« ein. Diese liegt jetzt als fünfter Band der Gesamtausgabe vor; sie enthält vier Geschichten, die in den 90er- und frühen Nuller-Jahren erstmals erschienen sind.

Die  Comics sind sehr abenteuerlich: Johann und Pfiffikus - Sammelband 05Die beiden Helden schlagen sich mit plündernden Horden aus Fernost herum, reisen zu den Kreuzrittern ins Heilige Land oder werden in die Konfrontation mit Zauberern hineingezogen. Gelegentlich tauchen die Schlümpfe auf, mal als Ratgeber, mal als Helfer in der Not – die neuen Zeichner und Autoren nutzen die Vorlagen Peyos und interpretieren sie nach ihren eigenen Vorstellungen.

Dabei bleiben sie künstlerisch seiner Linie treu, werden aber inhaltlich durchaus »härter«: Es gibt Tote, wenngleich kein Blut fließt und Gewalt nur angedeutet wird; dass der Kampf im Morgenland nicht ohne Mord und Totschlag abläuft, dürfte den Lesern klarwerden. Ob das allerdings im Jahr 2012 noch Kinder sind, darf sowieso getrost bezweifelt werden ...

Der fünfte Band der Gesamtausgabe rundet die komplett empfehlenswerte Reihe sehr schön ab. Noch einmal treten die zwei Helden allen Bösewichten entgegen, mutig und waghalsig zugleich, und noch einmal gibt es Geschichten voller Witz und Action zu bewundern.

Der geniale Wurf ist das nicht mehr: Peyo hatte in früheren Jahrzehnten das Glück auf seiner Seite, die Figuren entwickelt und ausgebaut zu haben. Wer sich jetzt, Jahrzehnte danach, an der Serie versucht, wird einfach kritischer betrachtet werden. Verstecken müssen sich sein Sohn Thierry Culliford und dessen Mitstreiter bei den Texten und Bildern allerdings nicht ...

Wer die Serie kennt, muss diesen abschließenden Band haben: Er ist wie immer schön gestaltet, enthält ausführliche redaktionelle Seiten und ist richtig toll verarbeitet. Allen Freunden der frankobelgischen Comics kann ich den Band auf jeden Fall ebenfalls empfehlen.

Er umfasst 224 Seiten und kostet deshalb 34,95 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-86869-999-9 kann er überall im Buch- und Comicfachhandel bestellt werden; ebenso über Versender wie amazon.de. Auf den Produktseiten des Toonfish-Verlages – einem Imprint des Splitter-Verlages – gibt es eine schöne Leseprobe.

Klaus N. Frick

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