Die Woche der Splitter-Tipps (Teil 2)

07.08.2012 08:13 von vpm

»Route des Maisons Rouges« von Castiello, Monni und Cucca

Dezente Erotik, phantastische Grafik

Eine namenlose Stadt, regiert von einem kleinwüchsigen intriganten Bürgermeister ... Eine Provinz unter der Kontrolle eines machtgierigen Gouverneurs ... Ein Frankreich, das mit dem »wirklichen« Frankreich in unserem Universum nur den Namen gemeinsam zu haben scheint ... Eine Straße, die wie eine Theaterkulisse wirkt ...

Das ist der Hintergrund, vor dem die Comic-Serie »Route des Maisons Rouges« spielt. Sie wurde von den italienischen Autoren Dario Castiello und Giuliano Monni geschaffen und von dem Zeichner Vincenzo Cucca in phantastische Bilder umgesetzt. In einem prachtvollen Hardcover mit Schutzumschlag – im kleineren »Book«-Format – hat der Splitter-Verlag nun die Serie in einem Band veröffentlicht.

Um was es eigentlich geht, lässt sich so einfach gar nicht erklären. Der Comic spielt an einem Platz, der von fünf Bordellen begrenzt wird, den »Maisons Rouges«; in diesem können unterschiedlicheste Bedürfnisse gestillt werden. So gibt es Cybergirls und Squaws, Dark Ladies und Geishas – für jeden Geschmack etwas.

In dieser Atmosphäre aus Lust und BegierlichkeitenRoute des Maisons Rouges entwickeln sich Intrigen zwischen den einzelnen »Maisons«, die der Bürgermeister sowie der Gouverneur immer wieder aufs neue schüren. Es geschieht ein Mord, und irgendwann stellt sich sogar heraus, dass die ehemalige Bürgermeisterin in das gesamte Geschehen verwickelt ist.

Verwickelt ist auch die gesamte Handlung, der man so kaum folgen kann. Vielleicht liegt es daran, dass die Protagonisten durch die Bank sensationell gut aussehende Frauen sind, die große Brüste, Wespentaillen, lange Beine und wenig Kleidung haben; sie sehen mit den genannten Attributen unterm Strich alle sehr ähnlich aus und lassen sich kaum unterscheiden. Das macht es schwer, der Handlung zu folgen, die aus lasziven Szenen, knackigen Dialogen und einer kleinen Prise Action besteht.

Dass es im Rahmen der Geschichte nicht darum gehen kann, über Sinn und Unsinn von Prostituion nachzudenken, versteht sich von selbst. Um eine moralische Bewertung drücken sich Autoren und Zeichner geschickt herum; sie zeigen eine Prostitution, die geradezu märchenhaft und leicht und damit wenig realistisch erscheint.

Das Ganze ist allerdings in gewisser Weise auch ein phantastischer Comic, was angesichts der leicht bekleideten Damen mit ihren sehr weiblichen Rundungen kaum ins Auge fällt. Mehrfach wird angedeutet, dass es die »Maisons« schon seit Urzeiten gibt, und immer wieder wird ebenso klar, dass es sich bei der ganzen Szenerie um eine große Täuschung handelt – ohne dass die Leser jemals erfahren, wieso und weshalb es diese Täuschung gibt.

Wie diese Handlung, so bleibt auch der gesamte Comic ein echtes Rätsel. Er ist nicht pornografisch, dafür gibt es zu wenig – oder nur angedeuteten – Sex. Er ist kein echter Krimi, auch wenn ein Ermittler durch die Bordelle schnüffelt. Und die phantastischen Elemente sind ziemlich abstrus.

Trotzdem hat dieser Comic seine Reize: Er ist auf wunderliche Art und Weise erzählt, aber schlicht brillant, was die Zeichnungen angeht. Wer es schafft, die streckenweise seltsame Handlung und die kritische Haltung zur Prostitution auszublenden, wird mit wunderbaren Seiten belohnt. Und wer auf toll gezeichnete Frauen steht, erhält sowieso ein faszinierendes Comic-Buch.

Das Buch ist 192 Seiten stark und kann für 24,80 Euro in der jeder Buchhandel bestellt werden; selbstverständlich auch im Comic-Fachhandel sowie bei Versendern wie amazon.de. Die ISBN 978-3-86869-257-0 ist bei einer Bestellung oftmals hilfreich.

Der Splitter-Verlag hat für den Comic-Band – wie es sich gehört – eine schöne Leseprobe bereitgestellt. Wer sie anschaut, bekommt einen gelungenen Einblick.

Klaus N. Frick

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