Die Woche der Krimi-Tipps (Teil 3)

15.08.2012 08:15 von vpm

»Gauklersommer« von Joe R. Lansdale

Genialer, aber fieser Krimi

Cason Statler ist ein Veteran des ersten Irak-Kriegs, ein zutiefst traumatisierter Ex-Soldat, der zuviel Alkohol konsumiert und sich frustriert von allen Träumen verabschiedet hat. Zu diesen Träumen gehört, dass er eigentlich eine Karriere als Journalist anstrebte. Er galt als einer der künftigen »Großen« seiner Zunft, man sah ihn schon mit den renommierten Pulitzer-Preis ausgezeichnet – doch er stolperte über eine Affäre mit der Frau seines Chefredakteurs.

Aus der Glitzer-Metropole Houston kommt StatlerTaschenbuch: »Gauklersommer« von Joe R. Lansdale nach Camp Rapture, eine durchschnittliche Kleinstadt in Texas. Und dort will er eigentlich nur noch unwichtige Artikel für eine ebenso unwichtige Lokalzeitung verfassen, seine Vergangenheit vergessen und endlich mit dem Saufen aufhören. Doch ein Talent wie er kann nicht einfach aufhören: Er stößt auf den ungeklärten Fall einer verschwundenen jungen Frau, die für tot gehalten wird. Sein Ehrgeiz als Reporter ist geweckt, und er beginnt damit, sich um den Fall zu kümmern ...

So beginnt »Gauklersommer«, ein Roman des amerikanischen Schriftstellers Joe R. Lansdale, den ich in früheren Jahren vor allem als Horror-Autor wahrgenommen habe. Den Horror hat der Mann immer noch im Blut – er packt ihn seitenweise in seinen Kriminalroman. Das macht aus einem anfangs durchschnittlich erscheinenden Fall eine düstere Geschichte, die einem bei der Lektüre immer unheimlicher wird.

Der Journalist Statler ist kein besonders guter Ermittler, aber er findet mehr heraus als die unfähige Polizei. Seine Nachforschungen bringen ihn immer tiefer hinein in einen Sumpf, den er nicht kennenlernen wollte. Was er letztlich herausfindet, ist ziemlich widerwärtig und verschlug mir bei der Lektüre buchstäblich den Atem.

Was Lansdale schon immer gerne gemacht hat, zelebriert er in diesem Roman auch: Er zeigt die Schattenseiten einer Kleinstadt, die Hintergründe der Spießbürgerlichkeit, das wirkliche Leben der ach so braven Bürger. Hinter klaren Moralvorstellungen hausen Seitensprünge, Brutalität und ungelöste Verbrechen.

Notorische Hassprediger, die den Konflikt zwischen Menschen unterschiedlicher Hautfarbe vorantreiben, lehnt der Autor ebenso ab wie Menschen, die einen mit ihren Moralvorstellungen ständig bekehren müssen. Und selbstverständlich findet sich diese Weltsicht immer wieder in seinem Roman.

»Gauklersommer« ist spannend erzählt: Knappe DialogeeBook: »Gauklersommer« von Joe R. Lansdale und ebenso knappe Beschreibungen treiben die Handlung voran, der Autor verzichtet auf überflüssige Worte und zu viele Details. Die Figuren reden zudem Klartext, was Schimpfwörter und dergleichen einschließt. Lansdales Blick auf seine Landsleute ist nicht nett: Er zeigt die Abgründe, und das macht er sehr klar.

»Gauklersommer« ist kein witziger Roman, nicht unbedingt eine leichte Lektüre. Aber es ist ein richtig beeindruckender Kracher, der einen – wenn man mal angefangen hat – nicht mehr aus seinen Klauen lässt. Die 300 Seiten lesen sich mit rasendem Tempo. Wer sich vorab vom Thema überzeugen möchte, schaue sich die Leseprobe auf der Verlags-Homepage an.

Erschienen ist der Roman beim Golkanda-Verlag: als Paperback mit Klappenbroschur. Das Buch kostet 16,90 Euro und kann mithilfe der ISBN 978-3-942396-09-7 in jeder Buchhandlung oder bei Versender wie amazon.de bestellt werden. Es gibt selbstverständlich auch eine E-Book-Version, die 9,99 Euro kostet; man bekommt sie beispielsweise für den Kindle und damit ebenfalls über amazon.de.


Klaus N. Frick

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