Die Woche der Krimi-Tipps (Teil 3)

11.11.2015 08:15 von vpm

Wolfgang Burger: Die dunkle Villa

Klassischer Krimi mit sympathischem Ermittler

Wolfgang Burger: Die dunkle VillaUm es vorwegzunehmen: Wer einen richtig klassischen Krimi haben möchte, der geradezu unaufgeregt erzählt wird, der ist hier richtig. Wer es gerne blutig und mit viel Action bevorzugt, muss zu einem anderen Autor greifen. Wolfgang Burger ist ein Schriftsteller, der den mittlerweile zehnten Band seiner Reihe um den Kriminalisten Alexander Gerlach routiniert und trotzdem mit viel Herz und Spannung zu erzählen weiß.

Was ich an der Serie schätze, ist nicht nur ihr Lokalkolorit. Die Romane spielen in Heidelberg und Umgebung, einige Straßen und Örtlichkeiten sind mir einigermaßen bekannt. Was ich aber besonders mag, ist die Tatsache, dass man sofort »drin« ist. Auch wenn man die vorherigen neun Bände der Serie nicht kennt – ich habe selbst nur drei oder vier Bände gelesen –, benötigt man keine Hintergrund-Informationen, um der Handlung sofort folgen zu können.

Das macht der Autor in diesem Fall mit einem Kunstgriff. Sein Held wacht nämlich zu Beginn aus einer Ohnmacht auf. Er ist vom Fahrrad gefallen und mit dem Kopf aufgeschlagen, Passanten haben ihm geholfen. Aber ihm fehlen jetzt wesentliche Erinnerungen, die sich ihm nur bruchstückweise erschließen. Es ist klar, dass sie mit einem Fall zusammenhängen – und dieser ist seltsam genug ...

Der Fall liegt nämlich dreißig Jahre zurück. Und der Mann, der den Kriminalbeamten in seinem Büro aufgesucht hat, ist der Ansicht, vor dreißig Jahren in Heidelberg seine Frau umgebracht zu haben. Was damals als ein Sturz in betrunkenem Zustand mit tödlichen Folgen betrachtet worden ist, soll also Jahrzehnte später als Mordermittlung wieder aufgenommen werden. Dumm nur, dass der ermittelnde Kommissar offenbar Erinnerungslücken hat und aufgrund seines Sturzes vom Fahrrad sowieso das Bett hüten muss.

Wolfgang Burgers Fall ist kniffelig, vor allem auch deshalb, weil er seinen Helden zeitweise ganz schön durch den Fall stolpern lässt. Doch seine Kollegen ermitteln unbarmherzig, es werden verschiedene Zeugen befragt und alte Akten gewälzt. Stück für Stück wird eine Geschichte lebendig, die im sogenannten Show-Business spielt und in dem alternde Schauspieler und ein bekannter Fernseh-Showmaster eine große Rolle spielen.

Das alles ist sehr unterhaltsam erzählt. Burger weiß, wie man eine Geschichte durch die unterschiedlichen Szenen führt. Seine Figuren verhalten sich stets glaubhaft, ihre Dialoge sind stimmig, nachvollziehbar und häufig auch witzig. Vor allem der Kommissar und sein Privatleben geben immer wieder Anlass zum Schmunzeln; das steht im Gegensatz zur teilweise traurigen Existenz mancher Zeugen.

Alles in allem ist »Die dunkle Villa« ein Krimi der klassischen Schule, in dem am Ende ein Mord aufgeklärt wird und auf der Strecke bis dahin eine Menge anderer Probleme gelöst werden müssen. Das alles wird in einem richtig schönen Stil erzählt, bei dem ich als Leser jederzeit gut unterhalten wurde. Ich freue mich schon auf den nächsten Burger-Krimi und kann diesen Roman nur empfehlen!

Gelesen habe ich die Taschenbuch-Version des Romans, der im Piper-Verlag erschienen ist; die etwas hochpreisigere Paperback-Version ist noch im Handel erhältlich. Das Taschenbuch umfasst 352 Seiten und kostet 9,99 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-492-30569-3 kann es überall im Buchhandel oder auch bei Amazon bestellt werden. Das E-Book, das es unter anderem für den Kindle gibt, kostet übrigens 8,99 Euro.

Weitere Informationen zum Autor, seinem Werk und seinen anderen Romanen gibt es auf der eigenen Autoren-Website. Und auf der Seite des Piper-Verlages steht eine kostenlose Leseprobe zur Verfügung.

 

Klaus N. Frick

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