Die Woche der Krimi-Tipps (Teil 2)

25.06.2013 08:13 von vpm

»Die Rembrandt-Affäre« von Daniel Silva

Jüdischer Agent auf der Jagd nach Nazi-Kunstraub

Daniel Silva ist ein amerikanischer Schriftsteller, dessen Thriller-Reihe um den Geheimagenten Gabriel Allon nicht nur in den USA, sondern auch im deutschsprachigen Raum sehr erfolgreich läuft. »Die Rembrandt-Affäre« ist der zehnte Band der Serie – und es ist der erste, den ich gelesen habe. Um es vorwegzunehmen: Obwohl mir einige familiäre Zusammenhänge und sonstige Hintergründe des Helden nicht hundertprozentig klar wurden, störte das nicht die Lektüre. Der Roman ist ohne Vorkenntnisse verständlich, enthält aber sicher für die Freunde der Thriller-Serie zahlreiche spannende Querverweise.

Der Held ist eigentlich ein ehemaliger Agent.»Die Rembrandt-Affäre« von Daniel Silvia Jahrelang war Gabriel Allon für den Mossad tätig, für den israelischen Geheimdienst also, aber er hat sich mit seiner Frau zur Ruhe gesetzt. Im südenglischen Cornwall verbringt er seine Zeit mit ausgedehnten Spaziergängen sowie mit der Rekonstruktion von Kunstwerken; sein Dasein ist beschaulich und gemütlich zugleich, genau das, was er sich nach zahlreichen anstrengenden Aufträgen gewünscht hat.

Seine Situation ändert sich schlagartig, als ein Restaurator ermordet wird. Offensichtlich hängt der Mord mit einem klassischen Bild des holländischen Malers Rembrandt zusammen. Allon wird zuerst durch die persönliche Beziehung zum Mordopfer in den Fall hineingezogen, dann stellt sich heraus, dass die Ursprünge des Falls in der Nazi-Diktatur liegen. Spätestens dann wird sein Instinkt als Israeli geweckt. Allon kommt hinter Verstrickungen, die vor 1945 begonnen haben und sich bis in die aktuelle Zeit erstrecken: mächtige Männer, die ihren Reichtum mit der Ausplünderung der Juden verdient haben und deren Erben heute von diesem Blutgeld nicht lassen möchten.

Das Atomprogramm des Iran spielt auf einmal eine Rolle, die aktuelle Bedrohung Israels durch Atomraketen wird wach ... Allon zimmert eine internationale Allianz von Geheimdienstlern zusammen, die gemeinsam gegen die Bedrohung vorgehen – und am Ende will er nichts anderes, als wieder gemütlich am Strand von Cornwall spazieren gehen zu können ...
»Die Rembrandt-Affäre« ist ein geradlinig erzählter Thriller, bei dem sich geheimdienstliche Ermittlungen, die Vorbereitungen von Missionen, knappe Dialoge und Action immer wieder ablösen. Wer kritisch an das Buch herangeht, wird feststellen, dass der Autor dem Genre des Agententhrillers keine ungewöhnlichen Elemente abgewinnt. Daniel Silva ist routiniert, schafft es aber in jedem Fall, die Spannung aufrecht zu erhalten.

Als Leser war ich auf jeden Fall die ganze Zeit bei der Sache und folgte mit wachsendem Interesse der anfangs gemütlichen, dann sich immer mehr steigernden Geschichte. Gabriel Allon ist ein echter Held: Er kann unglaublich viel, er weiß viel, er hat aber der Macht im israelischen Geheimdienst entsagt, was ihn zusätzlich sympathisch macht. Gleichzeitig ist er aber kein Einzelgänger wie James Bond, sondern muss sich seine Verbündeten in befreundeten Diensten suchen; das wird glaubhaft erzählt. Ebenso glaubhaft schildert der Autor die Arbeit von Restauratoren.

Ein aktueller Schwerpunkt ist die Verbindung der Shoa während der Nazi-Diktatur zu der aktuellen Bedrohung Israels durch mögliche Atomraketen. Die politischen Ansichten des Autors muss man nicht vollständig teilen; sie fließen aber sehr klar und nachvollziehbar in die Story ein. Das ist alles sehr packend und sehr interessant, vor allem für Leser, die den Bezug zur Realität schätzen.

Die 480 Seiten lasen sich auf jeden Fall sehr schnell; der Roman ist nicht nur beinharten Thriller-Fans zu empfehlen. Erschienen ist er als Hardcover mit Schutzumschlag im Pendo-Verlag; er kostet 19,99 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-86612-299-4 kann der Roman in jeder Buchhandlung bestellt werden, ebenso bei Versendern wie amazon.de.
Eine Taschenbuch-Ausgabe ist übrigens bereits erschienen ... Wer sich im voraus ein Bild von »Die Rembrandt-Affäre« machen möchte, schaue sich die Leseprobe auf der Verlags-Homepage an.

Klaus N. Frick

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