Die Woche der Krimi-Tipps (Teil 1)

13.08.2012 08:03 von vpm

Wieder einmal präsentieren wir auf unserer Internet-Seite eine »Woche der Krimi-Tipps« aus der PERRY RHODAN-Redaktion. Keiner der Romane ist brandaktuell – sie alle sind 2011 erschienen, was aber der Qualität nicht schadet.

Jeden Tag stellen wir einen Roman vor, der originell und spannend ist. Dabei geht es quer durch den Krimi-Gemüsegarten: ein knalliger »Noir«-Krimi, die Wiederauferstehung eines Klassikers, ein autobiografischer Krimi, ein Krimi-Hörbuch und sogar eine Anthologie mit Krimi-Erzählungen.

Lasst euch überraschen!

 

Die Redaktion empfiehlt: »Verräter wie wir« von John Le Carré


Von Geldwäschern und Geheimdienstlern

Wenn es einen Klassiker des Geheimdienst-Thrillers gibt, dann ist es John le Carré: Seit Jahrzehnten führt er in seinen Romanen in die Welt geheimnisvoller Agenten und fieser Killer, brutaler Schläger und gerissener Politiker ein. Dabei ist er stets so glaubhaft, dass man meinen könnte, er verfasste Reportagen und keine Romane. Mit »Verräter wie wir« schrieb er einen Kriminalroman, dessen politischer Anteil eher gering ist, bei dem es vor allem um Geldwäsche und russische Gangster geht.

Ich habe diesmal nicht den Roman gelesen, sondernHörbuch: »Verräter wie wir« von John le Carré das gekürzte Hörbuch angehört. Es gibt Menschen, die aus gutem Grund solche gekürzten Versionen nicht mögen – streicht man ganze Seiten und Sätze aus einem Roman, bleibt logischerweise eine verstümmelte Fassung übrig. Trotzdem wollte ich mich auf das Hör-Abenteuer einlassen und wurde positiv überrascht: Hätte ich es nicht gewusst, wäre mir nicht aufgefallen, dass hier gestrichen wurde.

Die Geschichte beginnt ganz gemütlich, mit einem Tennisspiel. Im Urlaub lernt Peregrine Makepiece, genannt Perry, einen Russen namens Dima kennen. Perry, der sein Geld als Dozent in Oxford verdient, bekommt recht schnell mit, dass Dima mit dem organisierten Verbrechen zu tun hat, findet den Russen aber dennoch sympathisch. Die beiden freunden sich an, Perry und seine Frau lernen auch die Familie des Russen kennen.

Dima ist der wichtigste Geldwäscher eines großenTaschenbuch: »Verräter wie wir« von John le Carré russischen Kartells; er sorgt dafür, dass die irrsinnigen Gewinne der »Sieben Brüder« auf Konten in Westeuropa und den USA kommen. Darüber hinaus sichert er die Verbindungen zur seriösen Politik und »korrekten« Banken in Großbritannien und Italien. Nachdem sein bester Freund von der eigenen Mafia-Gruppierung ermordet worden ist, möchte Dima seine Familie retten und ins bürgerliche Leben flüchten. Dafür benötigt er Hilfe – und er hofft, dank Perry einen Kontakt zum britischen Geheimdienst herstellen zu können.

Perry und seine Frau lassen sich auf das Geschäft der Geheimdienste ein, sie werden verhört und geben Hinweise. In der Schweiz treffen sie sich unter konspirativen Umständen mit Dima, und während sie noch glauben, dabei handle es sich vielleicht um ein besonders spannendes Spiel, spitzt sich die Lage zu. Denn es sind zu viele Menschen involviert, als dass Dimas Fluchtversuch gut ausgehen könnte.

John Le Carré erzählt nicht linear – zumindest ist das in der Hörbuch-Version so: Er wechselt die Szenerie, er blendet vor und zurück. Man muss als Leser und Hörer gut aufpassen, um nicht den Überblick zu verlieren. Dadurch erzeugt er aber Spannung, obwohl es in der Handlung keinerlei Action und so gut wie keine dynamische Szene gibt. Ein großer Teil der Handlung besteht aus Verhören und Gesprächen, in denen die eigentliche Geschichte rekapituliert wird.

Ich gestehe: Anfangs wurde ich von der HandlungeBook: »Verräter wie wir« von John le Carré nicht gepackt. Es dauerte seine Zeit, bis mich die ruhige Stimme von Johannes Steck immer tiefer in das Geschehen hineinzog. Ich entwickelte Sympathien und Antipathen zu den Figuren des Hörbuches, zu Geheimdienstlern und russischen Gangstern und zu dem harmlosen Paar, das in die Intrigen verwickelt wird. Am Ende war ich so gefesselt, dass ich von dem vergleichsweise schnellen Schluss fast schon enttäuscht war – aber darüber möchte ich an dieser Stelle nichts verraten.

»Verräter wie wir« funktioniert auch in der gekürzten Version. Erschienen ist die Audio-Version in Form einer schönen CD-Box bei Hörbuch Hamburg. Es handelt sich um fünf CDs, die es zum empfohlenen Preis von 14,99 Euro gibt. Mithilfe der ISBN 978-3-86909-100-6 kann die Box in jeder Buchhandlung bestellt werden, ebenso bei Versendern wie amazon.de.

Selbstverständlich gibt es das Hörbuch auch zum Download auf den einschlägigen Portalen, beispielsweise bei amazon.de. Lieferbar sind ebenso das ungekürzte Taschenbuch sowie das E-Book. Und wer sich von der Qualität der Audio-Version überzeugen möchte, gehe auf die Produktseite des Hörbuch-Verlages und lausche der Hörprobe ...


Klaus N. Frick

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