Die Woche der Krimi-Tipps (Teil 1)

24.06.2013 11:03 von vpm

Wieder einmal präsentieren wir auf unserer Internet-Seite eine »Woche der Krimi-Tipps« aus der PERRY RHODAN-Redaktion. Keiner der Romane ist allerdings wirklich aktuell – sie sind allesamt im Vorjahr erschienen, was aber der Qualität nicht schadet.

Jeden Tag stellen wir euch einen Roman vor, der originell und spannend ist. Dabei geht es quer durch den Krimi-Gemüsegarten: vom Agenten-Thriller zum Krimi-Comic bis hin zum historischen Kriminalroman.

Lasst euch überraschen!

 

Die Redaktion empfiehlt: »Wildnis« von Robert B. Parker

Knallharter Rächer-Krimi

Bekannt geworden ist der amerikanische Schriftsteller Robert B. Parker vor allem durch seine Serie von Kriminalromanen, in denen der Privatdetektiv Spenser im Mittelpunkt steht. Ich habe mehrere dieser Romane, die beim Pendragon-Verlag erscheinen, bereits gelesen und an dieser Stelle vorgestellt – diesmal geht's um einen serienunabhängigen Roman.

»Wildnis« erschien im Original 1979, »Wildnis« von Robert B. Parkerkam 1984 erstmals in deutscher Sprache in den Handel und liegt jetzt in einer Neuauflage bei Pendragon vor. Der Roman unterscheidet sich gleich mehrfach von einem Spenser-Krimi: Es gibt keinerlei Ermittlungen, wie sie ein Detektiv anstellen würde, und die Handlung spielt zu einem großen Teil in einem ausgedehnten Waldgebiet. Um es vorwegzunehmen: Spannend ist der Roman allemal.

Um was geht's? Um einen Schriftsteller, seine Frau und einen Kumpel, die durch allerlei Umstände gezwungen werden, mit der Waffe in der Hand gegen gewissenlose Gangster anzutreten. Der Schriftsteller heißt Aaron Newman, er verfasst Krimis und ist stolz darauf, trotz seiner Schreibtischarbeit noch recht sportlich zu sein. Beim Joggen bekommt er mit, wie ein Gangster eine Frau erschießt.

Er geht zur Polizei, meldet den Vorfall, und am selben Abend wird bei ihm zu Hause seine Frau Janet überfallen und gefesselt, er selbst mit dem Leben bedroht. Newman zieht aus verständlicher Angst seine Aussage zurück, aber es ist klar, dass die Gangster ihn weiterhin als Bedrohung betrachten. Sein Freund Hood, dem er alles erzählt, dringt darauf, sofort die Initiative zu ergreifen. Und das heißt: die Gangster töten, bevor sie ihn selbst umbringen. Der brave Bürger Aaron Newman plant einen Krieg – und in der Wildnis kommt es zum tödlichen Showdown.

So kurz lässt sich die Handlung des Romans skizzieren; viel mehr passiert nicht. Die Geschichte wird schnörkellos und geradlinig erzählt, knappe Dialoge und schnelle Action-Elemente wechseln sich, die Planung von Morden oder die Gespräche über Polizeiarbeit werden glaubhaft geschildert. Robert B. Parker beherrschte stets sein Fach, das merkt man »Wildnis« auf jeder Seite an.

Zwischendurch gibt es durchaus ernsthafte Diskussionen: Wie sinnvoll ist Selbstjustiz, wie krank ist es eigentlich, sein Recht in die eigene Hand zu nehmen? Es handelt sich um einen amerikanischen Roman, und in den USA ist privater Waffenbesitz bekanntlich eine andere Sache als im deutschsprachigen Raum; das merkt man dem Roman immer wieder an. Die spannende Geschichte wird allerdings nicht als eingleisiges Rache-Abenteuer à la »Dirty Harry« geschildert. Der Autor berücksichtigt das Innenleben seiner Figuren, die sich angesichts der ausgeübten Gewalt immer mehr verändern.

Der Roman ist knallig und spannend, aber er wird nie effekthascherisch: Alle Figuren handeln stets glaubwürdig, man nimmt ihnen ihre Taten ab. Wer mag, kann in die Geschichte noch eine Meta-Ebene hinein interpretieren, in der das amerikanische Rechtssystem zur Diskussion wird – aber in erster Linie handelt es sich um einen packenden Krimi.

Eine leichte Kritik möchte ich doch äußern: Die Übersetzung holpert gelegentlich, wirkt zu sehr, als sei der Roman in den 80er-Jahren schludrig übertragen und für die Neuauflage nicht optimal durchgesehen worden. Eine Neuübersetzung wäre hier angebracht gewesen und hätte den Roman deutlich aufgewertet. Wer sich an solchen Details nicht stört – und das ist wohl die Mehrzahl der Leser –, erhält eine hundertprozentig gelungene Unterhaltung.

»Wildnis« ist nicht der beste Roman, den Robert B. Parker in seiner langen Autorenkarriere verfasst hat; seine Spenser-Krimis sind sicher besser. Wer aber keine Lust auf Serien hat und trotzdem wissen möchte, wie dieser Autor schreibt, sollte diesen Roman antesten.

Er ist als Taschenbuch im Pendragon-Verlag erschienen, umfasst 288 Seiten und kostet 10,95 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-86532-338-5 kann der Roman in jeder Buchhandlung bestellt werden, ebenso bei Versendern wie amazon.de. Selbstverständlich gibt es den Roman auch als E-Book, unter anderem für den Kindle – in dieser Version kostet er 8,99 Euro.

Klaus N. Frick

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