Die Woche der Krimi-Tipps (Teil 1)

08.12.2014 08:30 von vpm

Andrea Camilleri: Der Tanz der Möwe

Mafiosi und Gefühle

Mit seinem Commissario Montalbano hat der sizilianische Schriftsteller Andrea Camilleri einen Ermittler geschaffen, dessen Fälle im deutschsprachigen Raum stets von einem großen Publikum gelesen werden. Die einzelnen Krimis, die nur lose zusammenhängen, stellen zwar stets einen Mord und seine Aufklärung ins Zentrum der Geschichte, zeigen aber auch stets wichtige Aspekte der aktuellen italienischen Politik.

D»Der Tanz der Möwe« von Andrea Camillerier aktuelle Roman, der den schönen Titel »Der Tanz der Möwe« trägt, bildet dabei keine Ausnahme. Er beginnt mit einem verschwundenen Polizisten und einer Entführung, zeigt nach einer gewissen Zeit die klassische Polizeiarbeit in einer ländlichen Region und endet zuletzt mit einer handfesten Polit-Affäre. Es wird ein wenig geschossen, die Polizei findet mehrere Leichen, und der Commissario muss viel Zeit dafür aufbringen, seine Vorgesetzten auszutricksen und auf falsche Spuren zu bringen.

Damit lässt sich tatsächlich der gesamte Roman zusammenzufassen. Das klingt auf den ersten Blick recht harmlos, ist es aber nicht: Anfangs schildert Camilleri seine Figuren ein wenig flapsig und lustig, später rutscht sein Ermittler in eine handfeste Beziehungs- und Lebenskrise hinein, dann taucht eine junge, gut aussehende Frau aus – und als Leser meint man, die Handlung münde jetzt sogar in eine Liebesgeschichte. Dann aber wird es verwickelt, und letztlich liest man einen spannenden Polit-Krimi. So einfach, so spannend.

Ich finde es immer wieder bewundernswert, wie Camilleri es schafft, Politik und Krimi glaubhaft zu verbinden. Seine Figuren sind lebensnah, ihre Dialoge sind schnell; sie sprühen vor Witz und Sarkasmus. Beschreibungen beschränkt der Autor auf das nötigste: In kargen Szenen wird die Landschaft Siziliens lebendig, seine Figuren werden durch Essen und Getränke eher charakterisiert als durch Kleidung und Verhalten.

Das ist ziemlich großartig ... wenn man es mag. Camilleri ist in mancherlei Hinsicht anders als viele Krimi-Autoren. Der Fall und die Ermittlungsarbeit treten gelegentlich ins Hintertreffen, weil die Beziehungen der Figuren und die politischen Hintergründe immer wichtiger werden – das aber finde ich spannend. Und in »Der Tanz der Möwe« hat der Altmeister des italienischen Krimis wieder einmal gezeigt, wie toll er erzählen kann.

Übrigens ist das Buch auch dann gut verständlich, wenn man sich im Universum des Commissario Montalbano nicht gut auskennt. Ich habe von den bisher erschienenen 15 Montalbano-Bänden gerade einmal ein Drittel gelesen – selbst dieses Drittel nicht in der »richtigen Reihenfolge« – und habe nicht das geringste Problem beim Eintauchen in die Handlung. Auch darin erweist sich Camilleri als ein Meister seines Fachs.

Erschienen ist der Roman als Hardcover mit Schutzumschlag in der Verlagsgruppe Lübbe. Er ist 269 Seiten stark und kostet 19,99 Euro. Da es sich bei »Camilleri« geradezu um einen  Markennamen handelt, dürfte der Band in den meisten Buchhandlungen zu finden sein – ansonsten kann man ihn mithilfe der ISBN 978-3-7857-2499-6 bestellen. Ebenso ist er bei Versendern wie Amazon zu haben.

Selbstverständlich gibt es den Roman auch als E-Book, unter anderem für den Kindle. In dieser Version kostet er 15,99 Euro. Darüber hinaus bietet Lübbe Audio eine Hörbuch-Version an, gelesen von Bodo Wolf. Als Preis werden 16,99 Euro empfohlen, die Preise schwanken bei den unterschiedlichen Händlern.

Klaus N. Frick

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