Die Woche der Krimi-Tipps (Teil 1)

18.04.2016 08:30 von vpm

Rob Reef: Stableford

Mord auf einem britischen Golfplatz

Unter einem »Golf-Krimi« konnte ich mir bis vor wenigen Wochen nichts vorstellen. Dann aber las ich den sowohl spannenden als auch altmodisch wirkenden Krimi »Stableford«, und seither bin ich um einige Kenntnisse reicher. Dieser »Golf-Krimi« spielt nämlich auf einem Golfplatz sowie dem dazu gehörenden Gästehaus; es gibt eine Reihe von Toten, und alles ist reichlich kompliziert.

Rob Reef: StablefordDer Autor schaffte es trotz des Themas, das mich anfangs kaum ansprach, über die gesamte Länge des Romans hervorragend zu fesseln. Dabei ist »Stableford« so klassisch, dass es alle Freunde von alten »Mrs Marple«- oder »Hercule Poirot«-Romanen oder -Filmen freuen müsste. Letztlich geht es um einen Ermittler, der einen mysteriösen Fall aufklären muss und am Ende alle Beteiligten – von denen praktisch alle verdächtig sind – zusammentrommelt, um in ihrem Kreis den Fall zu lösen.

Der Roman spielt im Jahr 1936, was man übrigens so gut wie nie bemerkt. Ein Literaturprofessor namens John Stableford wird zu seinem Erstaunen nach Cornwall eingeladen; er soll an einem Golfturnier teilnehmen. Sowohl die Anfahrt als auch die Unterkunft werden von einem Bankhaus übernommen. Schon während der Anreise lernt er einige Mitspieler kennen und findet sie teilweise seltsam.

Im Golfhotel in Cornwall trifft er keinen Gastgeber und Veranstalter an, sondern nur ahnungslose Golfspieler und ebenso ahnungsloses Personal. Gleich am ersten Morgen ereignet sich ein Mord – dann bricht ein Unwetter los, und der Golfplatz mitsamt dem Hotel und seinen Bewohnern ist buchstäblich von der Außenwelt abgeschnitten ...

Stableford, der gerne Krimis liest, wird von allen Anwesenden – die zugleich Mordverdächtige sind – zum Ermittler ernannt. Er ist der einzige, der keine Möglichkeit gehabt hätte, das Mordopfer zu erschlagen. Und so führt er viele Gespräche, sammelt Indizien und stellt allerlei Merkwürdigkeiten fest. Noch während Stableford ermittelt, geschieht ein weiterer Mord, und die Lage spitzt sich zu.

Wer Romane kennt, die ich eingangs erwähnt habe, wird bei dieser kurzen Inhaltsangabe aufhorchen. Das alles wirkt sehr altmodisch im positiven Sinn, und der Autor orientiert sich ganz eindeutig bei den Klassikern der britischen Kriminalromane.

Ganz nebenbei bekommt man einige Informationen zum Golfen vermittelt. Mich interessiert diese Sportart nicht im Geringsten, trotzdem fand ich das unterhaltsam. Der Autor schafft es, Verständnis für den Sport zu vermitteln – weil er die Informationen stets mit der eigentlichen Handlung verbindet. Dabei bleibt er angenehm distanziert, manchmal fast schon ironisch.

Das ist sowieso eine Haltung, die den Roman kennzeichnet. »Stableford« ist keine Satire, und es gibt keinerlei schenkelklopfenden Humor. Aber dass ein Krimileser zum Ermittler ernannt wird und dass alle Mordverdächtigen wissen, dass sie im Prinzip in einer Detektivgeschichte stecken, macht die Sache sehr amüsant.

Der Autor hat mit seiner Hauptfigur sowieso einen Helden geschaffen, über den sich die Geschichte richtig gut vermitteln lässt: Stableford ist alles andere als cool und überlegen, er ist unsicher und wird vor allem durch seine Gefühle immer wieder abgelenkt.

Aber dass am Ende der Mord aufgeklärt wird, versteht sich bei einem so klassischen Krimi ja von selbst ...

Erschienen ist »Stableford« als Taschenbuch im Goldfinch-Verlag, wo er zur Reihe »Britcrime« zählt. Er umfasst 256 Seiten, kann mithilfe der ISBN 978-3-940258-49-6 überall im Buchhandel bestellt werden und kostet 11,95 Euro. Ebenso ist das Taschenbuch bei Versandhändlern wie Amazon bestellbar. 

Der Roman ist selbstverständlich auch als E-Book zu haben, unter anderem für den Kindle. In dieser Version kostet er 6,99 Euro.

Klaus N. Frick

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