Die Woche der Krimi-Tipps (Teil 1)

09.11.2015 08:15 von vpm

Robert B. Parker: Der Killer kehrt zurück

Jesse Stone trifft einen Mörder

Robert B. Parker: Der Killer kehrt zurückDer leider schon verstorbene Schriftsteller Robert B. Parker wurde vor allem durch seine Krimis um den Privatdetektiv Spenser berühmt, über den er Dutzende von Romanen verfasste. Nicht ganz so bekannt, aber ebenso gut ist seine Serie um Jesse Stone, einen Polizisten, der in der kleinen Stadt Paradise für Recht und Ordnung sorgen soll. Aktuell erschienen ist der Roman »Der Killer kehrt zurück«, den ich mit Begeisterung gelesen habe.

Die Handlung spielt in Paradise, einer kleinen Stadt an der Küste, und sie beginnt extrem trocken: Ein Mann, von dem alle wissen, dass es sich um einen Killer handelt, trifft auf Jesse Stone. Die beiden unterhalten sich, sie tauschen allerlei gelassene Bemerkungen aus, und dann trennen sie sich. Weil Stone nichts gegen den Killer – er heißt Crow – in der Hand hat, kann er ihn nicht verhaften. Aber er ahnt, dass es bald Ärger in seiner Stadt geben wird.

Der kommt allerdings erst einmal aus einer ganz anderen Richtung. Ausgerechnet die braven Bürger der Stadt rebellieren: Weil eine Schule für »Latino-Kids« gebaut werden soll, fürchten sich die Anwohner eines der besseren Viertel der Stadt davor, dass ihre Straßen zum Tummelplatz von Gangs und Gangstern werden könnten. Sie demonstrieren, sie schüren Ärger, und Jesse Stone versucht, die aufgewühlten Gemüter in den Griff zu bekommen.

Dann ist auf einmal doch eine Bande von schießwütigen Latinos in der Stadt unterwegs, während der mysteriöse Killer tötet, ohne dass man ihm etwas beweisen kann. Bei all diesen Problemen um sich herum hat Jesse Stone zu allem Überfluss noch mit seinem Alkohol- und seinem Frauenproblem zu tun. Es ist also ordentlich was los in Paradise ...

In erster Linie will Robert B. Parker einen Kriminalroman erzählen: die Geschichte eines Polizisten, der sich mit Mördern und nervigen Bürgern herumschlagen muss. Ganz nebenbei erzählt der Autor aber auch eine Geschichte über rassistische Vorurteile und die Konflikte innerhalb der amerikanischen Gesellschaft. Die »Middle Class« ist weiß und wohlhabend; sie möchte keine Latinos in ihrer Nachbarschaft haben.

Die Jugendlichen haben häufig keine Perspektive, sie werden gewalttätig und interessieren sich für Sex, Gewalt und Drogen. Dass die Polizisten bei alledem wenig Lust darauf haben, ständig der Prellbock zwischen gesellschaftlichen Problemen zu sein, leuchtet wohl ein. Die Beamten haben ihre eigenen Probleme, allen voran der Polizeichef Jesse Stone selbst.

Der Autor neigt nicht dazu, gesellschaftliche Probleme zu verharmlosen. Mörder sind Mörder, und Täter sind Täter, und in Robert B. Parkers Romanen werden die Bösewichte oft »erledigt«, ohne dass der Autor und seine Hauptfiguren viel Mitleid für sie haben. Er ist konsequent, und er schildert hart vorgehende Polizisten.

In »Der Killer kehrt zurück« gibt es sicher keine Ansammlung von Gutmenschen, die mit Samthandschuhen gegen Bösewichte vorgehen. Es sind Menschen voller Probleme und Fehler, die versuchen, einen guten Job zu erledigen und die Ordnung in ihrer kleinen Stadt zu sichern. Das schildert der Autor spannend und mit einem klaren Blick für die Verhältnisse.

Dabei überzeugen stets die Dialoge. Robert B. Parker schätzte ich schon immer für seine trockenen Dialoge; sie sind oft kurz und extrem charakterisierend – das ist bei diesem Roman stets der Fall. Dazu kommen Beschreibungen, die nie ausufern, sowie sparsam eingesetzte Action-Szenen. Der Roman lässt sich somit gut lesen; ich ließ mich von ihm richtig packen.

Das Beste daran: Zwar gehört »Der Killer kehrt zurück« zu einer Serie, und das merkt man, aber das stört nicht. Man muss nicht wissen, welche Beziehungen die Hauptpersonen untereinander haben, um der Handlung folgen zu können. Jesse Stone und seine Gefährten werden so präsentiert, dass es garantiert keine »Einsteigerprobleme« gibt.

Das ist hervorragende Krimi-Unterhaltung, die man jederzeit gut lesen kann. Klasse!

»Der Killer kehrt zurück« ist als Taschenbuch im Pendragon-Verlag erschienen und umfasst 312 Seiten. Er kostet 11,99 Euro und kann mithilfe der ISBN 978-3-86532-448-1 überall im Buchhandel bestellt werden, selbstverständlich auch über Versender wie Amazon. Es gibt auch ein E-Book, unter anderem für den Kindle – es kostet 9,99 Euro.

Wer sich ein wenig einlesen möchte, findet auf der Internet-Seite des Verlags eine Leseprobe.

 

Klaus N. Frick

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