Die Woche der Ami-Comic-Tipps (Teil 5)

21.12.2012 08:00 von vpm

»Catwoman« von Judd Winick / Guillem March

Katzenfrau mit Sex-Appeal

Zu den wenigen Frauenfiguren, die in der amerikanischen Comic-Szene über Jahrzehnte hinweg eine wichtige Rolle spielten, gehört seit jeher Catwoman: Sie sieht beeindruckend gut aus, sie ist elegant und geschickt, sie stiehlt gerne Schmuck, Edelsteine und andere Wertsachen, und sie erlebt ihre Abenteuer in Gotham City, jener Stadt, in der auch Batman ermittelt.

So viel zum Hintergrund für eine Comic-Figur, die in den vergangenen zehn Jahren stark verändert wurde. Sie bekam mehr Hintergrund, sie wurde pfiffig und eigenständig, und sie wurde optisch modernisiert. Mit der Catwoman aus den 60er- oder 70er-Jahren hat sie jetzt nichts mehr zu tun.

Bekanntlich wurden die Serien des amerikanischen Comic-Verlages DC alle neu gestartet; in deutscher Übersetzung kamen im Sommer 2012 peu à peu die aufgefrischten Versionen in den Handel. Darunter war und ist natürlich auch die Serie »Catwoman«; der erste Band ist seit einigen Monaten im Handel und macht einen richtig guten Eindruck.

Selina Kyle, die nachts als Catwoman in fremde Häuser einbricht, bekommt ständig Ärger. Ihre Wohnung wird verwüstet, eine Gegnerin mit geheimnisvollen Kräften taucht auf, eine alte Freundin wird umgebracht, und so geht es immer weiter. Selinas Probleme werden dadurch nicht leichter, dass sich ihr sowieso ungeklärtes Verhältnis zum düsteren Batman in ein Verhältnis mit wildem Sex verwandelt ...

Soweit der Einblick in die neue »Catwoman«-Serie.»Catwoman« von Judd Winick / Guillem March Verantwortlich für die Texte ist Judd Winick, der mit der Figur schon einige Erfahrungen gesammelt hat: Er schrieb unter anderem die Serie »Gotham City Sirens«, in der Catwoman ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. Die sechs amerikanischen Comic-Hefte, die im ersten deutschsprachigen Band der neuen Reihe enthalten sind, bieten jeweils eine in sich abgeschlossene Geschichte – aber natürlich bauen die Hefte aufeinander auf. Winick erzählt spannend und dynamisch, mit viel Action und gelegentlichen Schock-Effekten.

Hervorragend sind die Zeichnungen von Guillem March, der ebenfalls schon bei »Gotham City Sirens« mitwirkte. Vor allem die Szenen, in denen Catwoman in der Nacht unterwegs sind, stecken voller Dynamik; das sieht alles richtig klasse aus! Der Zeichner kann ebenso gut einzelne Gesichter darstellen, arbeitet Charakteristika einzelner Figuren heraus und schafft es so, auch einen Comic-Dialog rasant zu gestalten.

Der Start in die neue Serie ist gelungen – das kann man nach dem ersten Band feststellen. Wer sich im »Catwoman«- und »Batman«-Universum nicht auskennt, wird keine Probleme haben: Was man an Informationen benötigt, wird durch die schnell erzählte Geschichte rasch vermittelt. Die Serie hält die Balance zwischen Spannung und einer Prise Erotik, zwischen Prügeleien und Leidenschaft.

Erschienen ist der erste Band unter dem Titel »Spieltrieb« im Format eines schön gestalteten Paperbacks mit Klappbroschur. Die 132 Seiten kosten 16,95 Euro; man bekommt das Paperback im gut sortierten Comic-Fachhandel, kann es aber in jeder Buchhandlung bestellen, ebenso bei Versendern wie amazon.de. Die ISBN 978-3-86201-457-6 kann dabei behilflich sein.

Übrigens gibt's auf der Shop-Seite des Panini-Verlages, in dem der »Catwoman«-Band erschienen ist, eine schöne Leseprobe.

 

 

Klaus N. Frick

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