Die Redaktion empfiehlt: »Sweet Tooth 1« von Jeff Lemire

06.09.2012 08:00 von vpm

Eine Endzeit-Story der besonderen Art

Eine schreckliche Seuche hat die Welt entvölkert; nur ein Bruchteil der Menschen hat überlebt. Die wenigen Kinder, die in den vergangenen zehn Jahren geboren worden sind, wirken wie eine Mischform aus Menschen und Tieren. Eine solche Mischform ist ein Junge namens Gus, der in einer Hütte mitten im Wald lebt, beschützt und behütet von seinem Vater. Gus sieht aus wie ein typischer Junge in diesem Alter, mit einem Unterschied: Er trägt ein Hirschgeweih ...

So ungewöhnlich beginnt die Comic-Serie »Sweet Tooth«, die in den USA zu einem ziemlichen Erfolg geworden ist und deren erster Band jetzt auch in deutscher Sprache vorliegt: Die ersten fünf Hefte sind in einem Paperback mit dem Titel »Aus dem tiefen Wald« zusammengefasst worden. Verantwortlich für die Texte und die Bilder ist Jeff Lemire, der bereits mit dem Independent-Comic »Essex County« die Kritiker begeistern konnte. Mit »Sweet Tooth« ist ihm nun eine Serie gelungen, die auch die Leser außerhalb des harten Kerns der Comic-Sammler mitreißen dürfte.

Das gelingt vor allem durch die Story: Hintergrund für»Sweet Tooth« von Jeff Lemire alles ist eine Endzeitgeschichte, wie sie in der Science Fiction häufig kommt. Ob nach dem Atomkrieg oder nach einer schrecklichen Seuche – die Geschichte der wenigen Überlebenden hat man schon oft gelesen. Ist sie aber gut gemacht, findet man sie auch zum wiederholten Mal spannend. Zudem hat der Autor mit Gus eine wunderbare Identifikationsfigur geschaffen: ein neugieriger Junge, der nichts von der Welt weiß und sich zaghaft durch diese bewegt.

Action kommt früh genug ins Spiel: Kopfgeldjäger tauchen auf, die veränderte Kinder suchen und für diese angeblich eine Prämie kassieren. Doch dann trifft Gus auf einen knallharten Mann, der ihm hilft und ihm ein Ziel gibt: Es gäbe ein Reservat, eine Art sichere Heimat für all die Kinder und Jugendliche, die als Mischformen aus Mensch und Tier leben müssen. Gemeinsam gehen der Junge und der Mann auf eine gefährliche Reise durch ein schrecklich zerstörtes Nordamerika ...

»Sweet Tooth« ist kein Action-Comic, auch wenn es zwischendurch viel Action gibt. Vorherrschend sind eher stille Zeichnungen, fast unterkühlte Farben und ein geradezu karger Seitenaufbau. Die Träume eines Jungen und seine Ängste sind die Innenwelt – die Außenwelt ist dagegen ein riskanter Platz, vor dem er sich eigentlich fürchtet. Jeff Lemire schafft es mit seinen Zeichnungen, beide Welten glaubhaft darzustellen und eine ebenso glaubhafte Geschichte zu erzählen.

Ich folgte »Sweet Tooth« mit wachsendem Interesse und steigender Begeisterung. Der Comic zog mich in seinen Bann, und die Überraschung am Ende des Paperbacks empfand ich als verblüffend. Ich bin jetzt sehr gespannt auf den zweiten Band der deutschsprachigen Ausgabe!

Erschienen ist diese Ausgabe von »Sweet Tooth« beim Panini-Verlag in Form eines Paperbacks. Der Umfang beträgt 128 Seiten, der Comic kostet 14,95 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-86201-335-7 kann der Band überall im Comicfach- oder im Buchhandel bestellt werden, selbstverständlich auch bei Versendern wie amazon.de. Bestellungen sind ebenso über den Shop des Panini-Verlages möglich; dort gibt es zudem eine kostenlose Leseprobe.


Klaus N. Frick

Zurück