Die Redaktion empfiehlt: »Wollodrin - Der Schläfer« von Chauvel / Lereculey

02.01.2017 08:00 von vpm

Fantasy-Comic mit epischem Charakter

Vor über einem Jahr besprach ich die ersten zwei Doppelbände des packenden Fantasy-Zyklus »Wollodrin«; mittlerweile habe ich den dritten Comic gelesen. »Der Schläfer«, so der Einzeltitel des Bandes, eröffnet eine neue Handlungsebene, ist also jederzeit für sich lesbar und benötigt keinerlei Vorkenntnisse. Bei »Wollodrin« handelt es sich nämlich um sehr klassische Fantasy, die mich erzählerisch wie zeichnerisch überzeugt hat und die ich allen Fantasy-Fans ans Herz legen möchte.

Die Handlung der Serie spielt auf einer Fantasy-Welt, wie man sie sich vorstellt, nachdem man den »Herrn der Ringe« gesehen oder gelesen hat. Es gibt menschliche Königreiche und Orks, unter der Erde hausen die Zwerge, und angeblich gab es früher sogar Elfen. Tridik ist der Held der Geschichte, ein jugendlicher Zwerg, der verkrüppelt ist und sich deshalb gelegentlich wie ein Ausgestoßener fühlt. Doch er ist erfinderisch und mutig zugleich, und als er beschließt, einem Mädchen zu imponieren, beginnt ein Abenteuer, das seine Welt verändern wird.

tl_files/comic/images/news/empfehlungen/wollodrin.jpgTridik durchquert das unterirdische Königreich der Zwerge, erreicht verborgene Kammern und stößt schließlich auf einen schlafenden Elfen – eigentlich der Feind seines Volkes. Aber in seiner Freundlichkeit und Naivität schließt Tridik sofort Frieden mit dem Elfen und setzt mit ihm seine Reise dort. Dabei lernen die beiden neue Gefahren ihrer Welt kennen.

Soweit die Zusammenfassung der Handlung. Wie in den ersten beiden Bänden auch, so zeichnet der dritte Teil von »Wollodrin« die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft. Diesmal spielen nicht Orks und Menschen die Hauptrolle, sondern Elfen und Zwerge. Spätestens bei der Darstellung der Elfen – sie sehen nicht unbedingt menschenähnlich aus – zeigt sich, dass diese Serie zwar die bekannten Fantasy-Elemente übernimmt, sie aber originell variiert.

Das liegt sicher an der Geschichte, die von Autor David Chauvel schön entwickelt wird. Sein Zwergenheld ist sympathisch, auch wenn er ununterbrochen redet und voller Träumereien steckt. Wie Tridik durch die Welt reist, wird von Chauvel sehr spannend erzählt – als Leser folgt man der Entwicklung des Helden mit viel Vergnügen und Interesse.

Zu loben sind allerdings auch die Bilder, die Jerome Lereculey zu schaffen vermag. Die Zwergenwelt unter den Bergen gestaltet er düster und trotzdem lebensfroh; die Welt außerhalb der Bergwerke wirkt im Gegensatz dazu fremdartig und gefährlich. Seine Farbgebung passt stets zur Stimmung der jeweiligen Szenen. Der Comic-Künstler kann Menschen und Tiere, Zwerge und Elfen, Action und ruhige Szenen gleichermaßen gut darstellen – das ist so realitätsnah, wie man eine phantastische Szenerie eben schildern kann.

Auch der dritte Teil von »Wollodrin« hat mich überzeugt. Ich lege die Serie sowieso all jenen ans Herz, die sich für Comics und/oder Fantasy interessieren – man kann beruhigt mit dem dritten Teil einsteigen. Wer es mir nicht glaubt, schaue sich die kostenfreie Leseprobe auf der Internet-Seite des Splitter-Verlags an.

Der dritte »Wollodrin«-Band trägt den Titel »Der Schläfer«, ist 112 Seiten stark und kostet 22,80 Euro. Wie es sich für Splitter-Comics gehört, ist er sehr gut hergestellt und gedruckt, ein prächtiger Hardcover-Band, der gut in der Hand liegt. Mithilfe der ISBN 978-3-86869-717-9 gibt's ihn in allen Buch- und Comic-Fachhandlungen und bei Amazon.

Klaus N. Frick

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