Die Redaktion empfiehlt: »Wäre ich du, würde ich mich lieben« von Horst Evers

31.07.2014 08:00 von vpm

Komisches und sehr Komisches

Seit ich Horst Evers einmal live auf einer Kabarettbühne erlebt habe, bin ich ein Fan des gemütlich aussehenden Mannes aus Berlin. Seine Bücher haben hierzulande zu Recht einen Kultstatus erreicht und erfreuen sich wachsender Beliebtheit.

Bereits im Herbst 2013 erschien seine Geschichtensammlung »Wäre ich du, würde ich mich lieben«, die auch auf die Bestsellerliste kam. Da ich immer wieder nur eine Geschichte daraus las, dauerte es einige Zeit, bis ich alles »geschafft« hatte – in homöopathischen Dosen finde ich den Autor und seine Texte nämlich noch besser als »en bloc«.

In»Wäre ich du, würde ich mich lieben« von Horst Everssgesamt 56 Texte finden sich in diesem Buch. Man kann nicht sagen, dass es immer Kurzgeschichten sind, denn manchmal beschränkt sich der Autor auf kurze Beobachtungen, die er dann sarkastisch und ironisch seiner Weltsicht unterzieht. Evers ist jemand, der offensichtlich mit offenen Augen durch die Welt geht. Er schaut sich die Menschen an, achtet auf ihr manchmal seltsames Verhalten – und daraus entstehen seine Geschichten.

Sich selbst stellt der Autor weder als »cool« noch als sonderlich toll dar. Mit herrlicher Selbstironie präsentiert er sich als gelegentlich großmäuligen Menschen, der nicht rechtzeitig »Nein« sagen kann und deshalb dazu verdonnert wird, mit einigen Kindern zum Zelten zu fahren. Seine große Klappe bringt es in einem solchen Fall dann auch mit sich, dass er beim Zeltaufbau seine Talente beweisen muss.

Evers spießt das Menschliche und Allzumenschliche auf; er zeigt, wie absurd das Leben ist und wie man sich dennoch gut durchs Dasein schlagen kann. Seine Dialoge sind oft knallig und voller absurder Pointen, seine Geschichten laufen im Gegenzug auch mal ohne jeglichen Gag ins Leere – damit muss man als Leser ebenso klarkommen wie mit manch ungewöhnlicher Formulierung, die auf der Bühne klasse klingt, gelesen aber grammatikalisch falsch wirkt.

Ich habe mich bei der Lektüre hervorragend amüsiert, wie übrigens bei allen Evers-Geschichtensammlungen. Auf der Bühne ist der Mann besser, aber seine Geschichten stecken voller origineller Wendungen – das ist gute Unterhaltung mit viel Gesellschaftskritik, in der man sich im übrigen oftmals wieder erkennen kann.

Ich kann »Wäre ich du, würde ich mich lieben« nur empfehlen. Es ist ein Buch zum Verschenken – ernsthaft! –, aber natürlich auch eines, das man sich selbst auf den Gabentisch legen kann.

Es ist als Hardcover mit Schutzumschlag im Rowohlt-Verlag erschienen, umfasst 223 Seiten und kostet 16,95 Euro. Die ISBN 978-3-87134-762-7 ist bei einer Bestellung über eine Buchhandlung hilfreich; ebenso gibt es das Werk bei Internet-Versendern wie Amazon.

Selbstverständlich gibt es das Buch auch als E-Book, unter anderem für den Kindle. In dieser Version kostet es 14,99 Euro. Darüber hinaus gibt es eine Hörbuch-Version, die bei Argon erschienen ist und fünf CDs umfasst. Über deren Qualität kann ich leider nichts sagen, weil ich sie nicht gehört habe – bei Amazon gibt es aber beispielsweise eine Hörprobe.

Und wer sich für den Autor und seine Werke interessiert, schaue am besten auf der Internet-Seite des Verlags nach. Bei rowohlt.de kann man sich zudem eine kostenlose Leseprobe herunterladen.

Klaus N. Frick

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