Die Redaktion empfiehlt: »Verlorene Paradiese« von Ursula K. Le Guin

09.12.2016 08:15 von vpm

Ein Generationenraumschiff im Zentrum

Manchmal scheint es so, als gäbe es in der Science Fiction keine grundlegend neuen Themen, als seien die meisten Ideen schon »auserzählt«. Doch dann wird man von einer Autorin wie Ursula K. Le Guin überrascht, die dem Thema eines Generationenraumschiffes noch einmal komplett neue Seiten abgewinnen kann.

Ihr Roman »Verlorene Paradiese« erschien im englischsprachigen Original bereits 2002 und kam 2014 im Atlantis-Verlag in deutscher Sprache heraus. Auch wenn das schon zwei Jahre her ist, möchte ich unbedingt auf den gelungenen Kurzroman hinweisen: Auf weniger als 150 Seiten breitet die Autorin eine komplette Welt vor dem Leser aus – und dabei entsteht lesenswerte Science Fiction mit Niveau.

tl_files/comic/images/news/empfehlungen/paradiese.jpgDie Handlung des Romans beginnt bereits an Bord des Schiffes, die Besatzung ist seit langem unterwegs. Während die Generationen, die noch die Erde kennengelernt haben, bereits gestorben sind, wissen die Menschen, die aktuell an Bord des Schiffes leben, dass sie die fremde Welt nie betreten werden. Sie sind eine Generation des Übergangs, und sie müssen das Wissen der Erde an die künftigen Neusiedler weitergeben. Doch das geht nicht ohne Konflikte, weil es unterschiedliche Auffassungen gibt.

Die Konflikte werden immer heftiger, die Generationen stehen gegeneinander, es bilden sich unterschiedliche Denkrichtungen aus. Dann aber ändert sich auf einmal eine grundlegende Konstante der Reise; man erreicht das Ziel offenbar schneller, als es anfangs gedacht war. Spätestens zu diesem Zeitpunkt müssen die Menschen an Bord des Schiffes eine grundsätzliche Entscheidung über ihre Zukunft treffen.

Der Roman ist sparsam, nicht nur, was die Seitenzahl angeht, sondern auch in punkto Charaktere und Action. Die Autorin verzichtet auf seitenlange Abschweifungen, lässt die Handlung auch mal springen oder liefert in einem kurzen Kapitel eine nüchterne Übersicht zu den gesellschaftlichen Hintergründen des Schiffes. Trotzdem kommt das Geschehen schnell voran, die Geschichte wird unterhaltsam und abwechslungsreich erzählt. In gewisser Weise ist sie allerdings altmodisch – sie bleibt stets knapp und überschaubar.

Streckenweise ist der Roman sehr philosophisch, es werden politische Gesellschaftssysteme präsentiert – das schafft die Autorin aber ziemlich gut, und allein dafür verdient sie das größtmögliche Lob. »Verlorene Paradiese« ist ein Science-Fiction-Roman der klassischen Art, den man auch gut »zwischendurch« lesen kann. Seine Lektüre lohnt sich!

Der Roman erschien als Paperback im A5-Format, er umfasst 148 Seiten und kostet 10,90 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-86402-161-9 kann er in jeder Buchhandlung bestellt werden, ebenso bei Versendern wie Amazon.

Selbstverständlich gibt es auch eine E-Book-Ausgabe, unter anderem für den Kindle, die 6,99 Euro kostet.

Nur beim Verlag und seinem Shop direkt gibt es die Hardcover-Ausgabe des schönen Romans. Sie kostet 13,90 Euro.

Klaus N. Frick

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