Die Redaktion empfiehlt: Verfallen – eine phantastische Koproduktion

01.06.2016 08:30 von vpm

Da ich mich mit Gothic Rock nicht auskenne, war mir die Band ASP bisher ebensowenig bekannt wie der Musiker Alexander Frank Spreng, der sich hinter dieser Abkürzung verbirgt. Für die Fans ist das sicher eine Bildungslücke, die ich jetzt erst schließe – aber ich bin lernfähig ... Die Band gibt es seit 1999, so richtig los ging es ab 2000; im Verlauf der Jahre wurden viele Tonträger veröffentlicht und fleißig getourt.

VerfallenAuf ASP aufmerksam wurde ich erst, als ich die Doppel-CD »Verfallen« hörte, die in Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller Kai Meyer produziert wurde. Die Doppel-CD bildet den ersten Teil einer Serie, trägt den eigentlichen Titel »Astoria« und vermengt aktuelle Musik mit dunkler Phantastik.

Das ist nichts Neues für die Band. Schon 2008 nahm man sich des »Krabat«–Mythos an und produzierte eine Doppel-CD auf Basis der klassischen Sage. Diesmal geht’s um das Astoria-Hotel in Leipzig, das immer mal wieder als Grundlage für Geschichten diente. Bei ASP entsteht daraus ein wahres Gesamtkunstwerk: nicht nur in punkto Musik und Texte, sondern auch bei der Verpackung. »Verfallen« besteht aus zwei CDs und einem Hardcover-Band, die es zusammen in einem schickem Paket gibt – rein optisch spricht mich das auf jeden Fall sehr an.

Die Kurzgeschichte wird toll präsentiert, dazu kommen Fotos, die einen schaurigen Eindruck liefern, sowie die Texte der einzelnen Lieder: eine eigensinnig wirkende Handschrift auf einem Hintergrund, der bewusst so aussieht, als sei er hundert Jahre alt. Wer eine Freude an schöner Buchgestaltung hat, kommt bei diesem Gesamtwerk auf seine Kosten.

Wirklich interessant ist darüber hinaus die literarische Kombination. Die Geschichte »Das Fleisch der Vielen« von Kai Meyer wird in den einzelnen Stücken aufgegriffen und teilweise weiter erzählt. Wenn also der Autor in seiner Geschichte in das Leipzig des Jahres 1915 entführt, singt ASP in »Astoria, verfallen« über dasselbe Thema, beleuchtet es aber aus einer anderen Perspektive.

Die Musik ist nicht ganz so mein Geschmack ... es ist ein bombastischer Hardrock, gut gespielt zwar, aber für meine Verhältnisse zu überproduziert. Das muss man mögen; die Musiker arrangierten verschiedene Strömungen aktueller Rock-Musik, und sie wissen mit ihren Instrumenten umzugehen. Obwohl die Grundstimmung der Musik düster ist – was zur Geschichte passt –, sind die Melodien schwungvoll.

Auch der Sänger ist gut; das erkennt sogar ein Musikbanause wie ich. Seine Art zu singen, klingt für meinen Geschmack manchmal recht pathetisch – das muss bei dieser Art von Sound natürlich sein. Sie passt wunderbar zur bombastischen Musik, die Worte werden klar betont, der Ausdruck der Stimme ist wuchtig. Die düstere Geschichte präsentiert er somit sehr eindrucksvoll.

Die zweite CD enthält darüber hinaus eine Live-Lesung von Kai Meyer selbst. Der Autor liest unter anderem aus seiner phantastischen »Arkadien«-Saga vor, die mir sehr gut gefiel, die aber gegenüber der Düster-Stimme bei der »Verfallen«-Musik fast harmlos wirkt.

Alles in allem ist die vorliegende Produktion ein echtes Gesamtkunstwerk, anders kann ich es nicht bezeichnen. Starke Bilder, eindrucksvolle Musik, düstere Geschichte – es werden verschiedene Sinne angesprochen, und so entsteht ein »Dark-Fantasy-Mix«, der seinesgleichen sucht.

Die Doppel-CD mit dem Hardcover-Buch gibt es überall im Buch- und Tonträgerhandel, dort kann sie auch jeweils bestellt werden. Als Preis werden 29,99 Euro empfohlen.


Klaus N. Frick

 

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