Die Redaktion empfiehlt: »Valhalla« von Thomas Thiemeyer

28.05.2014 08:10 von vpm

Packender Wissenschaftsthriller

Autoren wie der Amerikaner Michael Crichton haben schon vor zwei, drei Jahrzehnten das Genre des Wissenschaftsthrillers in die Bestsellerlisten gebracht. Das Genre kann als eine Vermischung aus aktuellem Thriller mit einem wissenschaftlichen Thema umschrieben werden, häufig kommt eine Science-Fiction-Idee hinzu. Wer mag, kann solche Romane also locker in die Science-Fiction-Ecke stecken, und wer literarische Ausflüge in die »nahe Zukunft« unternehmen möchte, schaut sich Wissenschaftsthriller sicher gern an.

»Valhalla« von Thomas ThiemeyerAuch im deutschen Sprachraum haben sich Schriftsteller auf dieses Genre verlegt, zu den bekanntesten zählt Thomas Thiemeyer. Der in Stuttgart lebende Autor und Illustrator wurde in den 90er-Jahren vor allem durch seine Titelbilder bekannt und veröffentlichte in den vergangenen Jahren mehrere erfolgreiche Thriller.

Ganz aktuell im Handel ist »Valhalla«, der in allernächster Zukunft spielt, ein Jahr oder zwei Jahre von unserer Zeit entfernt. Es ist der dritte Roman, in dem die Archäologin Dr. Hannah Peters die Hauptrolle spielt – das stört bei der Lektüre allerdings nicht im geringsten. Ich kannte selbst keinen der anderen Hannah-Peters-Romane und fand die dezent angebrachten Hinweis auf die vorherigen Abenteuer der Archäologin eher interessant, zeigten sie doch, dass hinter der Figur noch weitere Geschichten stecken.

In »Valhalla« geht's nach Spitzbergen, der Inselgruppe im Nordmeer, die zum norwegischen Staat gehört. Bekanntlich wurde Spitzbergen während des Zweiten Weltkriegs kurzfristig von der deutschen Wehrmacht besetzt – der Roman schmückt diese historische Tatsache weiter aus. Die deutschen Soldaten fanden damals nämlich nicht nur eine riesige prähistorische Stadt, die unter dem riesigen Eispanzer der Inselgruppe verborgen liegt, sie bewachten zudem wissenschaftliche Experimente.

Wissenschaftler arbeiteten an einer speziellen Biowaffe, die unter dem Kodewort »Valhalla« stand und den Zweiten Weltkrieg noch verheerender machen sollte. Als es zur Bio-Katastrophe auf den Inseln kam, räumten die Deutschen fluchtartig Spitzbergen – und in den Wirren der letzten Kriegsmonate gingen die Unterlagen verloren.

Zur aktuellen Handlungszeit soll die Archäologin Dr. Hannah Peters im Auftrag eines geschichtsinteressierten Multimillionärs die prähistorische Stadt erforschen, hinter der man das sagenhafte Hyperborea vermutet. Doch die Expedition scheitert, als »Valhalla« ausbricht und alle Forscher tötet. Nur Hannah überlebt. Unter stärksten Geheimhaltungsvorschriften startet eine zweite Expedition nach Spitzbergen, und sie ist erneut mit von der Partie – doch mittlerweile haben fanatische Russen ebenfalls entdeckt, welches Geheimnis auf der Insel wartet. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit ...

Soweit die Inhaltsangabe des Thrillers, der mit einem knalligen Prolog beginnt, dann vergleichsweise viel Zeit benötigt, um erneut in Gang zu kommen, um am Ende mit viel Action zu enden. Wissenschaftler und Militärs stellt der Autor ausgiebig vor, seine Charaktere wirken weitestgehend stimmig, und ihre Handlungen passen jeweils zum geschilderten Charakter. Dass alle Figuren nicht mit den wirklichen Auswirkungen des Bio-Experiments rechnen, ist einleuchtend und überzeugend geschildert.

Am Ende enttäuscht der Roman tatsächlich an dem Punkt, wo er – für meinen Geschmack – so richtig interessant werden könnte: Der Leser erfährt nicht das geringste über die geheimnisvolle Hochkultur unter dem Eis Spitzbergens, und die fürchterliche Bedrohung durch Valhalla wird vergleichsweise schnell und einfach ausgeschaltet. Da hätte ich mehr erwartet.

Aber gut: Bis zum Ende hatte ich mehrere hundert Seiten, die sehr unterhaltsam waren und die mir ein ordentliches Lesevergnügen bescherten. Als »Page-Turner« funktioniert der Roman hervorragend, und da stören dann kleine Unstimmigkeiten nicht mehr. Empfehlenswert für die Freunde des klassischen Thrillers wie der Science Fiction!

Erschienen ist der Roman als Hardcover mit Schutzumschlag im Knaur-Verlag; er umfasst 512 Seiten und kostet 19,99 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-426-65265-7 kann er überall im Buchhandel bestellt werden, ebenso bei Versendern wie Amazon. »Valhalla« gibt es auch als E-Book, unter anderem für den Kindle, und kostet in dieser Version 17,99 Euro. Und wer sich einlesen möchte, findet auf der Internet-Seite des Verlages eine kostenlose Leseprobe.

Klaus N. Frick

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