Die Redaktion empfiehlt: »Russen auf dem Mond!« von Fred Duval / Jean-Pierre Pécau / Philippe Buchet

01.03.2017 08:00 von vpm

Wenn die Mondlandung anders verlaufen wäre ...

»Was wäre wenn«-Geschichten zählen zu den spannendsten Elementen der Science Fiction: Was wäre gewesen, wenn die Nazis den Krieg gewonnen hätten? Was wäre gewesen, wenn das römische Imperium nicht untergegangen wäre? Zu vielen Fragen gibt es entsprechende Romane, Filme und Comics.

Die Reihe »Tag X« verlegt solche Fragen in das Gewand moderner Comics; in Frankreich ist sie mittlerweile zu einem Erfolgsprodukt geworden. Hierzulande wird die Reihe von Panini veröffentlicht; der Verlag ist ansonsten vor allem durch seine Superhelden-Comics bekannt geworden. Ich las zuletzt den dritten Band der Reihe – jeder steht für sich –, der in Frankreich als erster publiziert worden ist, und fand ihn sehr gelungen.

In diesem Band scheitern die Amerikaner beim Versuch, den Mond zu erreichen, und die Sowjetunion errichtet recht früh eine Mondstation. Dadurch wird die Geschichte völlig verändert, der Kalte Krieg entwickelt sich in eine völlig andere Richtung ... Die Großmächte arbeiten im All immerhin zusammen, aber auf der Erde wird alles ein wenig anders. Als die Spannungen trotzdem steigen, sind es die Astronauten, die versuchen, einen Ausweg aus der politischen Krise zu finden.

(In solchen Situationen erinnert der Comic übrigens häufig an die PERRY RHODAN-Serie. In der sind es ja ebenfalls die Astronauten, die es schaffen, die Konflikte der Großmächte einzudämmen und den Dritten Weltkrieg zu verhindern.)
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Fred Duval und Jean-Pierre Pécau erzählen ihre Geschichte unterhaltsam und streckenweise witzig. Die Spannungen auf der Erde sowie die Dialoge auf der Mondstation wirken glaubhaft; die politischen Spannungen und ihre Auswirkungen sind nachvollziehbar. Damit bleibt die Geschichte stets so abwechslungsreich, dass man ihr sehr gern folgt.

Die Zeichnungen von Philippe Buchet finde ich manchmal ein wenig steif. Sie sind realitätsnah, vermitteln aber gelegentlich den Eindruck, als wolle der Zeichner seine Figuren in einem schrägen Underground-Stil darstellen. Manche Gesichter wirken ungelenk, manche Figuren sehen aus, als habe er nur eine Skizze abgeliefert. Die Hintergründe der Mondstation und die Blicke ins All überzeugen mich da eher.

Mit »Russen auf dem Mond« liegt auf jeden Fall eine originelle Parallelweltengeschichte vor, die für Science-Fiction-Fans absolut lesenswert ist. Wer einen Comic mit politischen Anspielungen und gelungenen Wendungen mag, ist hier an der richtigen Stelle. Ich habe den Band sehr gern gelesen, auch wegen der Vergleiche, die ich zu anderen Science-Fiction-Geschichten anstellen konnte. Empfehlenswert!

Erschienen ist der Comic bei Panini – in Form eines schönen Hardcover-Bandes. Die 56 Seiten kosten 14,99 Euro; man kann das Buch mithilfe der ISBN 978-3-95798698-6 überall im Buch- und Comicfachhandel bestellen. Ebenso ist es bei Amazon und anderen Händlern verfügbar. Wer mag, kann sich zudem eine digitale Version kaufen – dies empfiehlt sich aber nur bei bestimmten Lesegeräten.

Witzig ist, dass der Verlag aus dem Comic nicht nur – wie mittlerweile üblich – eine Leseprobe gestaltet hat, sondern auch einen Youtube-Film. Der Film erläutert die Hintergründe zur Reihe und zeigt Ausschnitte aus dem Comic. Das ist schön gemacht und macht neugierig. Das sollte man sich als Science-Fiction-Fan anschauen.

Klaus N. Frick

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