Die Redaktion empfiehlt: »Ralph Azham« von Lewis Trondheim

22.11.2012 08:00 von vpm

Skurrile Fantasy-Welten in einem Comic

In einem seltsamen Königreich, das auf einer unbekannten Fantasy-Welt liegt, lebt Ralph, ein Held wider Willen. Auf den ersten Blick sieht er aus wie ein Erpel mit blauem Schnabel und langen Haaren, also ziemlich ungewöhnlich, und auf den zweiten Blick verhält er sich wie ein Trottel, der so ziemlich alles falsch macht, was seine Umgebung von ihm erwartet. Nicht einmal mit einer besonderen Gabe – eine Art Hellseherei – kann er punkten ...

Was sich jetzt vielleicht seltsam anhört, Ralph Azham Bd. 01: »Belügt man jene, die man liebt?«ist der Hintergrund für eine neue Comic-Serie des populären französischen Zeichners Lewis Trondheim. Bekannt wurde Trondheim mit seiner Serie »Donjon«, die in mehreren Ländern erfolgreich läuft, sogar im deutschen Sprachraum. Mit »Ralph Azham«, dem neuen Werk, schlägt er in dieselbe Kerbe: Er greift Elemente der Fantasy auf, beispielsweise die Suche eines Helden nach seiner Bestimmung oder Magier mit ihren Geheimnissen, um dann mit einer schrägen Handlung das Ganze in ein anderes Licht zu stellen.

Ralphs Geschichte ist nämlich alles andere als heldenhaft. Der junge Mann, der in einem Dorf aufwächst, hat wegen seiner großen Klappe und seinen seltsamen Gaben ständig Probleme. Und so landet er nicht nur einmal zur Strafe im Schweinekoben, um im Dreck über seine Verfehlungen nachzudenken. Als jedoch gemeingefährliche Angreifer das Dorf bedrohen, ist er der einzige, der ein Mittel gegen die Bösewichte haben könnte ...

Lewis Trondheim ist kein gewöhnlicher Comic-Autor und schon gar kein gewöhnlicher Zeichner: Seine Figuren stellt er allesamt als aufrechtgehende Tiere dar, seine Welt ist somit bevölkert von Katzen und Vögeln oder gar Wesen, denen man die Herkunft nicht mehr ansieht. Die Abenteuer, die er seine Figuren erleben lässt, zeichnen sich durch haarsträubende Abläufe und überspitzte Dialoge aus; in ihnen ist wirklich nichts mehr »normal«, wie man es vielleicht von einem ernsthaften Fantasy-Comic einerseits oder einem Funny-Comic andererseits kennt.

In seinem Stil hat er es allerdings zu einer Ralph Azham Bd. 02: »Und am Anfang wartet der Tod«Meisterschaft gebracht; trotz aller Seltsamkeiten passen Text und Bild bestens zusammen. Es gibt Menschen, die halten Trondheim für ein Genie, und sie liegen nicht völlig falsch: Er hat die Comic-Szene in den vergangenen Jahren durch ungewöhnliche Werke bereichert, und »Ralph Azham« passt wunderbar zu seiner bisherigen Entwicklung.

Bisher sind zwei Bände in dieser Reihe erschienen. Band eins trägt den schönen Titel »Belügt man jene, die man liebt?« und spielt vor allem in dem Dorf, das von den Angreifern bedroht wird. Band zwei mit dem Titel »Und am Anfang wartet der Tod« schildert Ralphs Suche nach seiner Bestimmung – dank seiner Gabe gehört er zu den auserwählten Menschen im Königreich, auf die eine besondere Ausbildung wartet.

Beide Bände leiten eine frische neue Fantasy-Serie ein, die weitab vom gewohnten Bild liegt. Ich fand's nach anfänglichen Irritationen sehr spaßig und unterhaltsam. Wer sich für ungewöhnliche Fantasy erwärmen kann, ist hier absolut richtig!

Ein vierter Band ist übrigens in Frankreich bereits erschienen, der deutsche Verlag hat die Veröffentlichung des dritten Bandes fürs Frühjahr 2013 angekündigt. Wer also – wie ich – wissen will, wie Ralphs Abenteuer weitergehen, bekommt bald Lesefutter.

Beide Bände sind jeweils 48 Seiten stark; sie sind im Album-Format und kosten jeweils 12,00 Euro. Band 1 ist mithilfe der ISBN 978-3-941099-98-2 überall im Comicfach- und Buchhandel zu bestellen; Band 2 hat die ISBN 978-3-943143-20-1. Selbstverständlich gibt es die Comics auch bei den einschlägigen Versendern wie amazon.de.


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Ralph Azham Band 1: »Belügt man jene, die man liebt?«

Ralph Azham Band 2: »Und am Anfang wartet der Tod«


Klaus N. Frick

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