Die Redaktion empfiehlt: »Powers 1« von Brian Michael Bendis & Michael Avon Oeming

30.05.2012 09:01 von vpm

Retro Girl und andere Helden

Bei Panini kamen nun endlich die ersten sechs Hefte der amerikanischen Serie in einem schönen Paperback heraus, ergänzt durch weiteres redaktionelles Material. Der Gesamttitel des Paperbacks lautet »Wer ermordete Retro Girl?«. Das ganze sieht sehr ansprechend aus, die Story ist zudem klasse erzählt und spricht mich an.


Obwohl die ganze Geschichte in einem Superhelden-Umfeld spielt, beginnt sie doch – sowohl von der Sprache als auch von den Zeichnungen her – wie ein klassischer Krimi. Der Polizist Christian Walker und seine Partnerin Deena Pilgrim sollen gemeinsam einen mysteriösen Fall lösen: Es gab einen Mord, und das Opfer ist die unglaublich beliebte und – vor allem – eigentlich unverwundbare Superheldin Retro Girl.


Die beiden Polizisten, die selten einer Meinung sind, forschen an allen möglichen Stellen nach. Sie befragen andere Superhelden und sogenannte Metawesen ebenso wie normale Menschen, und sie kommen irgendwann dahinter, dass an dem Fall eigentlich gar nichts zusammenpasst. Und Deena Pilgrim merkt nach einiger Zeit, dass ihr Partner einige Geheimnisse hat, die er sorgsam vor dem Rest der Menschheit verbirgt ...


Die Story ist flott erzählt, was in erster Linie an den zwei Hauptpersonen liegt: Man kennt aus Krimis die Konstellation von zwei Polizisten, die sich gegenseitig anstacheln, die sich eigentlich nicht mögen, aber unterm Strich doch zusammenhalten. Brian Michael Bendis liefert den Einstieg in ein Comic-Universum, der zeigt, dass hier noch viel nachkommen kann: Hinter der Story steckt gewissermaßen eine zweite Geschichte – und der Leser kann sich jetzt darauf freuen, diese in späteren Bänden zu entdecken.


Nicht nur die Story überzeugt, sondern auch die GrafikPowers 1 ist klasse. Michael Avon Oeming, den ich bewusst noch gar nicht kannte, ergänzt die dynamische Geschichte durch eine gelungene Illustration.


Rein optisch hebt sich die Serie von den üblichen Superhelden-Geschichten ab; man merkt dem Zeichner aber an, dass er die 80er-Jahre-Klassiker wie »Dark Knight« oder »Watchmen« sehr gründlich gelesen hat. Die kleinen Zeichnungen, mit denen er Polizeiverhöre oder schnelle Dialoge darstellt, erinnern an diese Comic-Meisterwerke; dann aber benutzt er wieder größere Bilder, um Panorama-Darstellungen zu liefern. Seine Zeichnungen sind leicht schräg: Es ist nicht der Versuch, eine Superhelden-Welt realistisch darzustellen, sondern eher der Versuch, das Ganze sowohl ernst als auch augenzwinkernd zu vermitteln.


»Wer ermordete Retro Girl?« ist ausgezeichnete Comic-Unterhaltung, wie sie in den vergangenen Jahren immer öfter aus den USA kommt. Das Superhelden-Szenario wird als selbstverständlich angesehen, und die Kreativen der Comic-Branche gehen selbstbewusst mit diesem Thema um. Ich habe mich bestens unterhalten – der Einstieg ins »Heroes«-Universum ist absolut gelungen.


Wer sich für Bonusmaterial erwärmen kann, kommt übrigens auf seine Kosten: eine Cover-Galerie, ein Sketch-Book, weitere »Powers«-Seiten und so weiter. Damit sich jeder im Voraus über den Comic informieren kann, hat der Verlag eine kostenlose Leseprobe ins Netz gestellt, die man über die Produkt-Information auf der Panini-Seite erreicht.


Das Paperback ist mit einem schönen Faltcover ausgestattet, umfasst 164 Seiten und kostet 19,95 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-86201-301-2 kann es in jeder Buchhandlung bestellt werden, ebenso bei Versendern wie amazon.de.

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