Die Redaktion empfiehlt: »Pinocchio« von David Chauvel / Tim McBurnie

20.01.2016 08:00 von vpm

Schöne Comic-Adaption des Kinderbuch-Klassikers

Auch wenn das Buch kaum jemand gelesen hat, sind den meisten Menschen in Mitteleuropa doch die Geschichten um Pinocchio vertraut. Im Allgemeinen weiß man, dass es sich um einen Jungen handelt, der aus Holz geschnitzt wurde, der ständig alles falsch macht, dem beim Lügen eine lange Nase wächst und der am Ende zu einem Jungen aus Fleisch und Blut wird.

»Pinnocchio«Im Toonfish-Verlag ist eine reizvolle Variation des klassischen Themas in Form eines schönen Comic-Bandes erschienen. Verantwortlich für die Umsetzung des Original-Romans aus dem späten 19. Jahrhundert ist der Autor und Zeichner David Chauvel, die Zeichnungen sowie die Farben stammen von Tim McBurnie.

Kurz zusammengefasst: Ein armer Holzschnitzer namens Gepetto erschafft eine Holzpuppe, die er Pinocchio nennt. Die Holzpuppe erhält die Gestalt eines Jungen, und sie wird lebendig – weil das Holz verzaubert war. Schnell entwickelt sie einen eigenständigen Charakter und macht ziemlich viel falsch.

Pinocchio schwänzt die Schule, er gerät in schlechte Gesellschaft, und dann beginnt er eine ziemlich kuriose Odyssee. Er trifft auf Betrüger, begeht selbst die eine oder andere dumme Tat und steigert sich immer mehr hinein in ein Gespinst aus Lügen und dümmlichen Abenteuern. Dabei will er doch nur eines: ein echter Menschenjunge sein, kein Gebilde aus Holz und Zauberei ...

Selbstverständlich folgt die Geschichte dem ursprünglichen Roman des italienischen Autors Carlo Collodi. Ebenso selbstverständlich hat Tim McBurnie den Klassiker an die heutige Zeit angepasst: An vielen Stellen hat er die Handlung gestrafft, an anderen Stellen hat er neue Schwerpunkte gebildet. Seine Geschichte greift den »Pinocchio«-Mythos auf und variiert ihn – das macht der Autor geschickt und weitestgehend kindgerecht. Allerdings vermute ich, dass Kinder, die jünger sind als zehn Jahre, viele Details der Geschichte ohne Anleitung durch Erwachsene kaum verstehen werden.

Die Geschichte selbst steckt voller phantastischer Elemente. Heute würde man sie wohl als »Urban Fantasy« bezeichnen: Tiere gehen aufrecht, verhalten sich wie Menschen und sprechen miteinander; neben ihnen agieren Menschen, und das alles wirkt recht normal. Eine Fee taucht auf, eine Holzpuppe entwickelt Gefühle –Elemente also, wie man sie in der Fantasy-Literatur häufig findet.

David Chauvel setzt die Geschichte in schöne Bilder um; manchmal sind sie mir zu blass, aber sie haben einen sehr eigenen Stil. Chauvel erweckt eine phantastische Welt zum Leben, seine Zeichnungen setzen auf »Funny-Elemente«, dürften aber kaum für Kinder ideal sein, sondern eher Erwachsene ansprechen. Künstlerisch bleibt der Zeichner eigenständig, das finde ich gut – sein Stil wird allerdings nicht allen Lesern munden.

(Ich empfehle in solchen Fällen sowieso immer, die Leseprobe anzuschauen. Glücklicherweise stellt Toonfish auf seiner Internet-Seite gleich mehrere Seiten zur kostenlosen Verfügung.)

Das Buch ist als schöne Hardcover-Ausgabe erschienen; sie umfasst 80 Seiten und kostet 15,95 Euro. Die ISBN 978-3-95839-903-7 ist bei einer Bestellung im Buch- und Comic-Fachhandel hilfreich; ansonsten kann man den Band bei einschlägigen Versendern wie etwa Amazon bekommen.

Klaus N. Frick

 

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