Die Redaktion empfiehlt: »Music From Big Pink« von John Niven

16.01.2015 08:15 von vpm

Ein starker Blick in die späten 60er

Greg Keltner ist kein sonderlich aufregender Typ, aber er hat sehr interessante Verbindungen: Er ist in der Lage, in New York die aktuellen Drogen zu besorgen und sie in die nahe gelegenen Landgemeinden zu transportieren, unter anderem nach Woodstock. Dort trifft sich ab 1967 eine abgefahrene Szene von Musikern, Groupies und anderen schrägen Vögeln, die miteinander Musik machen, Drogen konsumieren oder nur über die Welt nachdenken. Und Greg kommt in dieser Zeit in Kontakt zu den ungewöhnlichsten Musikern seiner Tage.

Das»Music From Big Pink« von John Niven ist der Ausgangspunkt für den Roman »Music From Big Pink«, mit dem der Schriftsteller John Niven in der Mitte der Nuller-Jahre seinen Durchbruch hatte. Seither hat er eine Reihe von Bestsellern veröffentlicht, darunter das sarkastische »Gott bewahre«. Auch wenn Niven selbst die späten 60er-Jahre nur als Kind erlebt hat, bietet sein Roman einen hervorragenden Einblick in eine spannende Zeit und in das Schaffen einer Reihe von extrem kreativen Musikern.

Gemeint sind Bob Dylan und sein Umfeld, aus dem sich später »The Band« rekrutierte; andere Musiker wie der kürzlich erst verstorbene Lou Reed tauchen übrigens ebenfalls auf. In dieser Szene verkehrt Greg Keltner, nicht als Musiker, sondern schlicht als derjenige, der anfangs Haschisch, Marihuana und irgendwelche Tabletten, besorgt später dann aber die »härteren Drogen«.

Der Roman schildert im Wesentlichen ein Jahr aus dem Leben des kleinen Drogenhändlers, die Geschichte einer Liebe und die Entstehung einer phänomenalen Schallplatte. Sie hieß »Music From Big Pink«, war für die Rockmusik der späten 60er-Jahre prägend und wurde nicht nur für »The Band« zu einem wegweisenden Bestandteil ihrer Laufbahn. Wie die Musiker zusammenleben, wie sie miteinander spielen und proben, wie Drogen ausprobiert und über den Vietnamkrieg gesprochen wird – das alles schildert John Niven in seinem Roman in einer derart mitreißenden Art, dass man glaubt, er sei wirklich dabei gewesen.

Ein lakonischer Stil sowie viele glaubhafte Dialoge prägen den Roman, der mich immer mehr in seinen Bann gezogen hat. Erschienen ist er hierzulande zwar schon 2012, gelesen habe ich ihn aber erst im Dezember 2014; empfehlen kann ich ihn heute noch. Es ist ein faszinierendes Buch, ein packender Roman und eigentlich ein Zeitdokument – mit dem einen Unterschied eben, dass der Autor die Zeit selbst nicht erlebt, sondern einfach ihren »Geist« hervorragend eingefangen hat.

»Music From Big Pink« ist sicher nicht das beste Buch über die Rock-Musik der 60er-Jahre, das ist unzweifelhaft »Armageddon Rock« von George R.R. Martin. Der Roman sagt dennoch mehr über diese Zeit und ihre Musiker aus als viele Sachbücher. Wer sich für Rock-Musik interessiert oder wer sich gerne mit Niveau unterhalten lässt, sollte dieses Buch antesten; auf der Verlags-Homepage steht eine Leseprobe zur Verfügung.

Erschienen ist der Roman als Taschenbuch mit Klappenbroschur in der Reihe »Heyne Hardcore« des Heyne-Verlages, er ist 224 Seiten stark und kostet 9,99 Euro. Die ISBN 978-3-453-67622-0 ist bei einer Bestellung im Buchhandel hilfreich, den Roman gibt es ebenso bei Internet-Händlern wie Amazon. Und selbstverständlich gibt es auch eine E-Book-Version, unter anderem für den Kindle.



Klaus N. Frick

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