Die Redaktion empfiehlt: »Moxyland« von Lauren Beukes

04.03.2016 08:15 von vpm

Spannende Wiedergeburt des Cyberpunk

Die Hochzeit des sogenannten Cyberpunk war in den 80er-Jahren, also vor gut dreißig Jahren. Der Blick in die damals nahe Zukunft, die kommenden »Netzwerke« zahlreicher Computer, das alles gepaart mit einem harten Jargon – ich fand diesen Stil damals toll, und viele andere Leser schätzten diese neue Art der Science Fiction. Ein Roman wie »Newromancer« von William Gibson gehört auch heute noch zu den Science-Fiction-Werken, die man gelesen haben muss.

»Moxyland« von Lauren BeukesDie Autorin Lauren Beukes schickt sich an, den Cyberpunk in der heutigen Zeit einem »Revival« zu unterziehen. Ich las ihren Roman »Moxyland«, der dieser Tage erschienen ist. Die Autorin stammt aus Südafrika, und sie hat ihren Roman in ihrem Heimatland angesiedelt. Dabei macht sie genau das, was den Cyberpunk in den 80er-Jahren ausgezeichnet hat: Sie blickt nur wenige Jahre in die nahe Zukunft, es geht um die Fortschritte der aktuellen Technik, und ihre »Helden« sind Menschen, die ihre Probleme mit dem herrschenden System haben.

Ihr Roman, den der Verlag übrigens als »Zukunftsthriller« vermarktet, stellt eine Welt vor, in der ein Smartphone die Grenze zwischen Arm und Reich bedeutet. Nur wer ein Smartphone besitzt, kann bezahlen, nur mit einem solchen Gerät öffnen sich für einen die Türen. Und wenn die Polizei möchte, kann sie einen widerspenstigen Menschen dadurch wirkungsvoll bestrafen, indem sie ihm das Smartphone mit einem elektromagnetischen Impuls brachial abschaltet.

Die Autorin beschreibt diese Trennlinie in einem Kapstadt der nahen Zukunft; damit spielt sie auf die Zeit der Apartheid an. Die Zeit der Rassentrennung ist zwar seit über zwanzig Jahren vorbei, ihre Folgen lassen sich aber heute noch spüren. Aus diesem Grund wohl hat sie als Hauptfiguren eine Reihe von ungewöhnlichen Charakteren gewählt.

Eine der Figuren ist beispielsweise ein junger Mann, der das System stürzen möchte und von einer wagemutigen Aktion zur nächsten unterwegs ist. Die andere Hauptfigur ist eine junge Frau, die eigentlich mit altmodischen Apparaten fotografiert, aus finanziellen Gründen aber auch als lebende Werbefläche dient: Ihre Haut ist so verändert, dass sie als Reklamefläche dienen kann.

Die Welt, die Lauren Beukes schildert, wird so realistisch und schnell eingeführt, dass ich anfangs einige Probleme damit hatte. Ihre Figuren benutzen allerlei Slang-Ausdrücke, es wird viel Technik-Jargon verwendet, und da muss man sich als Leser erst einarbeiten. Die Geschichte selbst läuft flott ab, sie wird schneller und packender, und von Kapitel zu Kapitel wird einem Leser klarer, was eigentlich passiert.

Ich war durchgehend gespannt darauf, wie sich das Cyberpunk-Szenario auflöst, welches Schicksal die einzelnen Hauptfiguren ereilt und wer sich aus dem Netz aus Intrigen und Verrat wie herauswinden kann. Die Autorin präsentiert eine komplexe Zukunftswelt, die manchmal erschreckend realitätsnah ist.

»Moxyland« ist ein Science-Fiction-Roman für Leute, die gerne einen Blick in eine mögliche nahe Zukunft werfen möchten. Der Thriller hat eine harte und direkte Sprache, er ist rasant erzählt, und er zieht einen in seinen Bann. Mein Tipp: unbedingt antesten! Es gibt auf der Internet-Seite des Verlages eine Leseprobe, die einen ersten Eindruck vermittelt.

Erschienen ist der Roman als Taschenbuch bei rororo; er umfasst 358 Seiten und kostet 9,99 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-499-25969-2 kann er in allen Buchhandlungen bestellt werden, ebenso bei Versendern à la Amazon. Das E-Book kostet übrigens genausoviel wie das Taschenbuch.


Klaus N. Frick

 

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