Die Redaktion empfiehlt: »Land des Todes« von Alison Croggon

30.10.2013 08:23 von vpm

Düstere und eigenständige Fantasy

Die Autorin Alison Croggon ist durch die Pelinor-Saga bekannt geworden, die ich allerdings nicht gelesen habe. Weil mich aber interessierte, wie die Autorin schreibt, griff ich zu ihrem Roman »Land des Todes«. Die gelungene Titelbildgestaltung sprach mich an, zudem fand ich den Ansatz gut, einen eigenständigen und von Zyklen losgelösten Roman der Schriftstellerin zu lesen. Ich bereute es nicht.

Gleich zu Beginn gefiel mir, dass Alison Croggon völlig auf Orks und Elfen, Zwerge oder Trolle verzichtet. So schön ich solche Fantasy-Wesen finde, so sehr haben sie mich in den vergangenen Jahren durch ihre übermäßige Präsenz gestört. In »Land des Todes« agieren Menschen, und ihre Kultur ist weniger mittelalterlich als neuzeitlich, sieht man von der Magie und anderen Details ab. Aber grundsätzlich fühlt sich die Welt, die von der Autorin entworfen wird, wesentlich »moderner« an als im größten Teil der Fantasy-Literatur. Das muss man mögen, das ist sicher nicht jedermanns Geschmack.

Mit dem Massengeschmack könnte es sich die »Land des Todes« von Alison CroggonAutorin auch durch den Umstand verderben, dass sie einen ungewöhnlichen »Knick« in die Perspektive bringt. Zuerst erzählt sie ihre Geschichte aus der Sicht eines Reisenden, der sich im Norden eines Fantasy-Landes einnistet, um dort Ruhe zu finden – dann aber wechselt die Perspektive, um auf das Schicksal einer jungen Frau umzublenden, auf die der Reisende aufmerksam geworden ist.

In der Folge entfaltet sich vor dem Leser eine packende Lebensgeschichte, die mit viel Drama, einem Schuss Magie und wenig Action aufwartet, die ich aber sehr spannend fand. Es gibt Blutrache und andere derbe Sitten, Konflikte über Generationen hinweg und eine Liebesgeschichte, die voller Tragik steckt.

Ein junges Mädchen, geboren als Tochter eines Adeligen, wird verdächtigt, eine Hexe zu sein. In einem Land, das trostlos und düster wirkt, ist das eine schwere Anschuldigung. Vor allem die mächtigen Zauberer sind daran interessiert, weibliche Konkurrenz zu beseitigen. Doch Lina, so der Name des Mädchens, wird wegen ihres Titels nicht umgebracht und muss lernen, mit ihrer Stellung, ihrer angeblichen Begabung und den schrecklichen Sitten des Landes klarzukommen.

Alison Croggon erzählt ihre Geschichte mit klaren Worten und in sauber strukturierten Szenen. Hier wird nicht seitenweise beschrieben und geschildert, die Autorin treibt ihre Handlung voran. Auf Action-Elemente verzichtet sie, stattdessen legt sie starken Wert auf ausgefeilte Charaktere. Diese wiederum verhalten sich glaubhaft: einerseits an die starren Sitten einer rauen Kultur gebunden, andererseits immer mit dem Blick nach außen in die »wirkliche Welt«.

Wer sich unter Fantasy die üblichen Geschichten vorstellt, wird hier überrascht: Ob dies positiv oder negativ ist, dürfte vom persönlichen Geschmack abhängen. Die Autorin hält eine Stimmung aufrecht, die sich von der ersten Seite an durch den Roman zieht. Das ist streckenweise originell und die meiste Zeit sehr unterhaltsam.

Erschienen ist der Roman im Dezember 2012 im Bastei-Lübbe-Verlag, der »Land des Todes« somit kurz nach der Original-Veröffentlichung in deutscher Sprache publizierte. Das Paperback ist 288 Seiten stark und kostet 12,99 Euro. Die ISBN 978-3-404-20708-4 ist bei der Bestellung im Buchhandel oder bei einem Versender wie amazon.de behilflich. Eine E-Book-Fassung ist bei verschiedenen Partnern lieferbar; sie kostet 9,99 Euro.
 

Klaus N. Frick

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