Die Redaktion empfiehlt: Länderkunde mit Horst

26.09.2014 07:00 von vpm

Wie kam es eigentlich zu dem Buch »Vom Mentalen her quasi Weltmeister« des Berliner Schriftstellers Horst Evers?

Nachdem ich es gelesen habe, stelle ich mir das in etwa so vor: Irgendwann im Herbst 2013 gibt es eine Programmkonferenz in den Verlagsräumen von Rowohlt Berlin; Verlagsleitung, Programmleitung, Vertrieb, Werbung und Lektorat sitzen zusammen und beraten über das anstehende Jahr 2014.

»Im »Vom Mentalen her quasi Weltmeister« von Horst EversSommer gibt es ja diese Fußballweltmeisterschaft in Brasilien«, erzählt der Vertriebsleiter. »Alle Verlage produzieren dafür Bücher, nur wir haben keines.«

Alles guckt irritiert. Die Schöngeister im Lektorat bereiten sich gerade geistig-moralisch auf den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt vor, der auch im Sommer 2014 über die Bühne gehen wird, und überlegen, welchen Titel sie für die Longlist platzieren wollen – also für die Hitparade der deutschsprachigen Anspruchsvoll-Schriftsteller. Fußball interessiert sie nicht.

»Da kann man mit wenig Mühe einen Bestseller landen«, erläutert der Vertriebsleiter. »Bücher über Fußball verkaufen sich wie blöd. Fußballfans kaufen alles, wo ein Ball drauf ist.«

»Und wer soll das schreiben?«, fragt die Leiterin der Abteilung Werbung.

Alles schaut ratlos. Dann fällt es dem Programmleiter ein. »Es gibt doch diesen Horst Evers, dessen Bücher verkaufen sich bei uns wie geschnitten Brot. Und derzeit arbeitet er sowieso an einem Buch für uns, dieses ›Wäre ich du, würde ich mich lieben‹; da kann er doch nebenbei einige Texte zu einem anderen Buch zusammenbasteln.«

Alles jubelt. Und so erhält Horst Evers den Auftrag, im Jahr 2014 gleich zwei Bücher bei Rowohlt Berlin zu veröffentlichen.

So irgendwie liest sich nämlich sein Fußballbuch. Ich bin bekennender Horst-Evers-Fan, habe den Mann schon live gesehen und mag seine skurrilen Kurzgeschichten. Aber »Vom Mentalen her quasi Weltmeister« wirkt wie ein Abfallprodukt, eines jener Bücher, die für die Fußballweltmeisterschaft auf den Markt geworfen worden sind.

Dabei hat es durchaus seine positiven Seiten. In gewohnt pointierter Weise stellt Evers die Länder vor, deren Mannschaften sich zur Fußball-Weltmeisterschaft qualifizieren konnten. Als Leser erfährt man allerlei Skurrilitäten über Brasilien oder England, über Portugal und Italien – meist sind es Dinge, die man irgendwie schon kennt oder die man sich durch eine Wikipedia-Lektüre selbst zusammenbasteln kann, die aber durch die witzige Evers-Schreibweise höchst amüsant serviert werden.

Neben den qualifizierten Ländern, die auf vier oder fünf Seiten porträtiert werden, serviert das Buch auf durchschnittlich zwei Seiten auch Staaten wie Finnland oder Österreich, die nicht bei der WM dabei sind. Das wirkt manchmal, als habe der Platz für ein komplettes Buch nicht gereicht und man habe auffüllen müssen.

Manche Evers-Bemerkungen zu den Ländern sind sehr witzig, oft gerinnt der satirische Blick aber zu einer Abhandlung von Klischees und Späßen über die Klischees, die dann nicht sonderlich amüsanter wirken. Irgendwann entsteht der Eindruck von Gleichförmigkeit – auch wenn man wie ich das Buch über einen Zeitraum von mehreren Monaten liest, immer mal wieder ein Kapitelchen also, packt es einen wegen der oftmals halbgaren Witze kaum.

Seien wir ehrlich: Wer Fan von Horst Evers ist, wird an diesem Buch seinen Spaß haben wenn er es in Etappen liest. Übrigens sogar nach der Fußball-Weltmeisterschaft ... Für alle anderen ist es nur bedingt geeignet, weil die Gag-Dichte einfach nicht hoch genug ist. Meine Empfehlung an dieser Stelle ist also nur als »höchst eingeschränkt« zu betrachten.

Erschienen ist das Buch als Hardcover bei Rowohlt Berlin; es umfasst 272 Seiten und kostet 18,95 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-87134-776-4 kann man es in jeder Buchhandlung bestellen, ebenso über Internet-Händler wie Amazon.

Das Hörbuch erschien als ungekürzte Autorenlesung bei Argon; es umfasst vier CDs, die es in einer Box gibt, hat eine Gesamtlaufzeit von fast fünf Stunden und kann mithilfe der ISBN 978-3-8395-1314-0 überall im Handel bestellt werden. Der Preis variiert, empfohlen sind 12,99 Euro.

Die E-Book-Ausgabe gibt es für 16,99 Euro bei den bekannten E-Book-Händlern. Wer mehr über das Buch und den Autor wissen möchte, schaue auf die Produktseite des Verlags: Neben einer kostenfreien Leseprobe wird hier auch ein amüsantes Video angeboten.

Klaus N. Frick

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