Die Redaktion empfiehlt: »Koma« von Pierre Wazem / Frederik Peeters

09.01.2014 08:21 von vpm

Düstere Zukunftsvisionen

In einer düsteren Zukunftswelt, in einer riesigen Stadt: Gigantische Türme recken sich in die Höhe, der Dreck der Industrie verdunkelt die Luft, die Menschen wirken winzig im Angesicht der Maschinen. In dieser Welt lebt das Mädchen Addidas Emm mit seinem Vater. Dieser ist Schornsteinfeger, steht als solcher unter einem mörderischen Konkurrenzdruck. Seine Tochter, die immer wieder in ihren Träumen seltsame Ungeheuer trifft, stellt auf einmal fest, dass es unter der Stadt quasi eine zweite Welt gibt – ein Alptraumland voller Monster ...

Was so ungewöhnlich klingt, liest sich auch»Koma« Band 1 ungewöhnlich. Die Comic-Serie »Koma«, von der ich die ersten drei Bände gelesen habe und mir noch die Fortsetzungen holen muss, umfasst sechs Bände und unterscheidet sich stark von anderen Science-Fiction-Comics. Nicht der Versuch, die phantastische Welt möglichst realitätsnah darzustellen, steht hier im Vordergrund, sondern eher, ein bizarr-phantastisches Bild zu erreichen.

Das gelingt dem Kreativ-Duo, das für »Koma« verantwortlich ist, ganz hervorragend: Sowohl der Autor Pierre Wazem als auch der Zeichner Frederik Peeters stammen aus Genf in der Schweiz; die beiden sind etwa gleich alt. Seit den 90er-Jahren sind sie aktiv, ihre Comics sind in den unterschiedlichsten Verlagen erschienen.

Mit »Koma« haben die beiden einen Comic»Koma« Band 2 vorgelegt, der im weitesten Sinne zur Science Fiction gezählt werden kann, der aber auch viel von einer Traumreise hat. Die Welt, in der die Handlung spielt, wirkt mit ihren riesigen Häusern, mit den Arbeitermassen, mit den monströsen Wesen unter der Erde sehr fremdartig. Die politische Struktur der riesigen Stadt ist undurchsichtig, aber auch ihre Bewohner durchschauen nicht alle Einzelheiten. Das hat nichts mit einer »ernsthaften« Science Fiction zu tun, was sicher auch nicht die Absicht der beiden Comicmacher war.

Viel Text wird nicht verwendet, die Geschichte funktioniert vor allem über die Bilder. Diese wiederum sind oftmals grob gestaltet, einerseits mit einem Hang zur Karikatur, andererseits aber auch sehr düster. Manchmal wirkt der Strich absichtlich unsauber, was aber dazu beiträgt, beispielsweise die Gegensätze zwischen den »Monstern« und dem kleinen Mädchen klarer zu zeigen.

Dadurch entsteht ein temporeicher Comic, »Koma« Band 3der erzählerisch dicht ist und einen als Leser unweigerlich in seinen Bann zieht. Er ist nicht realitätsnah, aber er entspricht ebensowenig den Regeln eines »Funny«-Comics. »Koma« ist vielmehr eine Geschichte, die auf mehreren Ebenen läuft und die ich vor allem jenen Lesern empfehlen möchte, die gern ungewöhnliche Science Fiction lesen möchten.

Erschienen sind die Alben im Reprodukt-Verlag; sie sind jeweils 48 Seiten stark und kosten 12,00 Euro. Band eins trägt den Titel »Die Stimme der Schlote« und kann mithilfe der ISBN 978-3-941099-96-8 bestellt werden; Band zwei ist mit dem Titel »Das große Loch« und der ISBN 978-3-941099-97-5 in den Verlagsverzeichnissen zu finden. »Im wilden Westen«, der dritte Band, wiederum hat die ISBN 978-3-943143-21-8.

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Klaus N. Frick

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