Die Redaktion empfiehlt: »Koma« von Pierre Wazem / Frederik Peeters

13.01.2016 08:20 von vpm

Bedrückender Blick in eine phantastische Welt

Zu Beginn des Jahres 2014 schrieb ich eine sehr positive Besprechung zu den ersten drei Bänden der Comic-Serie »Koma«. Sie beeindruckte mich durch ihre ungewöhnliche Geschichte und den Zeichenstil, und ich empfahl sie vor allem jenen Science-Fiction-Fans, die das »Besondere« mögen. Mittlerweile habe ich alle sechs Bände der Serie gelesen und kann mein Urteil von damals nur unterstreichen.

»Koma« ist die Geschichte eines Mädchens namens Emm, das in einer düsteren Zukunftswelt aufwächst. Zwischen gigantischen Türmen und monströsen Maschinen lebt Emm mit ihrem Vater, in ihren Träumen ist sie ständig mit irgendwelchen Monstern konfrontiert. Und als Emm auf die geheimnisvolle Welt stößt, die sich unter der Stadt erstreckt, stellt sie fest, dass ihr »Universum« ganz anders ist, als sie es sich bisher vorstellen konnte.

Die Monster existieren wirklich, und neben der bekannten Welt eröffnet sich ein ungeahnter Kosmos, der zahlreiche Überraschungen bereithält. Von Abenteuer zu Abenteuer erfährt Emm mehr über ihre Welt, über das Herrschaftssystem und die merkwürdigen Monster in der Unterwelt. Am Ende erkennt sie, dass ihr Leben und ihr Schicksal sehr eng verbunden sind mit der Welt – den Schluss fand ich dann überraschend.

»Koma« ist für meine Begriffe eindeutig ein Science-Fiction-Comic, aber einer mit hohem Originalitätsfaktor. Die phantastische Welt wird nicht möglichst realitätsnah dargestellt, sie wirkt bizarr und abweisend, verzerrt und monströs. Raumschiffe fliegen keine durchs Bild, oftmals handelt es sich bei der Geschichte um eine Traumreise.

Das Kreativ-Duo hinter »Koma« stammt aus der Schweizer Stadt Genf; als Autor zeichnet Pierre Wazem verantwortlich, den der Zeichner Frederik Peeters mit seiner faszinierenden Grafik unterstützt. Wazem hat die Geschichte klar konzipiert, in jedem Band dringt das Mädchen mit seinen Begleitern tiefer in die Geheimnisse der mysteriösen Welt ein. Dabei kommt Wazem streckenweise mit sehr wenig Dialog aus, auf manchen Seiten finden sich nur einzelne Wörter, und auf eine große »Welterklärung« verzichtet er.

Peeters liefert dazu Bilder, die mal an Horror erinnern, dann wieder bekannte Motive des modernen Underground-Comics aufgreifen. Der Strich wirkt oftmals »unfertig«, die Bilder sind eher schraffiert – das gibt dem Comic einen künstlerischen Anstrich, und das erinnert an aktuelle Underground-Comics. Das allerdings bringt eine Spannung in die Bilder, die ich durchaus faszinierend finde.

Erschienen sind alle sechs Alben im Reprodukt-Verlag; sie sind jeweils 48 Seiten stark und kosten 12,00 Euro. Sie sind überall im Comic-Fach- und Buchhandel zu bestellen, ebenso bei Versendern wie Amazon.

Band eins trägt den Titel »Die Stimme der Schlote«; Band zwei ist mit dem Titel »Das große Loch« in den Verlagsverzeichnissen zu finden. »Wie im wilden Westen« wiederum ist der dritte Band. Es folgen Band vier mit »Das Hotel«, Band fünf unter dem Titel »Das Duell« sowie der abschließende sechste Band mit dem verwirrenden und zugleich zutreffenden Titel »Am Anfang«.

Klaus N. Frick

 

Koma 1

Koma 1: Die Stimme der Schlote
ISBN: 978-3-941099-96-8
Leseprobe
Erhältlich unter anderem bei Amazon

Koma 2 Koma 2: Das große Loch
ISBN: 978-3-941099-97-5
Leseprobe
Erhältlich unter anderem bei Amazon
Koma 3 Koma 3: Wie im wilden Westen
ISBN: 978-3-943143-21-8
Leseprobe
Erhältlich unter anderem bei Amazon
Koma 4 Koma 4: Das Hotel
ISBN: 978-3-943143-22-5
Leseprobe
Erhältlich unter anderem bei Amazon
Koma 5 Koma 5: Das Duell
ISBN: 978-3-943143-30-0
Leseprobe
Erhältlich unter anderem bei Amazon
Koma 6 Koma 6: Am Anfang
ISBN: 978-3-943143-31-7
Leseprobe
Erhältlich unter anderem bei Amazon

 

 

 

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