Die Redaktion empfiehlt: »In den Armen des Teufels«

12.12.2016 08:00 von vpm

Ein moderner Superhelden-Klassiker

Zu den Comics, die in jüngster Zeit eine Neuauflage in Form von Fernsehserien erleben, zählt auch »Daredevil«. Ich mag diese Figur seit vielen Jahren, habe diverse Schwächephasen und Höhepunkte mitbekommen und freue mich, wenn dieser Superheld stärker ins Licht der Öffentlichkeit rückt. Und weil das geschehen ist, hat der deutsche Verleger sich dazu entschieden, eine acht Bände umfassende Miniserie in einem schicken Sammelband zu veröffentlichen.

Das Besondere dabei: »Guardian Angel« ist alles andere als neu. Die acht Hefte erschienen ursprünglich 1998. Panini veröffentlichte die Miniserie nun zu Beginn des Jahres 2016 unter dem Titel »In den Armen des Teufels« und ergänzte sie mit einer weiteren Comic-Geschichte, die in sich abgeschlossen ist, den Superhelden Daredevil aber weiter charakterisiert. Das ist wohl ein Beleg dafür, dass es sich immer wieder lohnt, Klassiker neu aufzulegen ...

Die Miniserie baut auf einem christlichen Motiv auf. Der blinde Rechtsanwalt Matt Murdock, der in seiner Maske als Daredevil nachts auf Verbrecherjagd geht, bekommt von einer jungen Frau ein Kleinkind in die Hände gedrückt. Sie gibt ihm die Information, es handle sich um den Erlöser und er solle darauf aufpassen. Gleich danach wird Murdock von einem Mann angesprochen, der ihm sagt, das Baby sei eigentlich der Antichrist. Man müsste es also nicht beschützen, sondern schlichtweg umbringen, um schlimmeres zu verhindern.

tl_files/comic/images/news/empfehlungen/daredevil.jpgDer moralische Konflikt ist also eindeutig: Will Daredevil das Kind retten und vor Bösem bewahren, riskiert er offenbar, dass die Menschheit unter die Macht des Teufels gerät. Der Comic wäre keine Superhelden-Geschichte, wenn nicht haufenweise Bekannte auftauchen würden, um Matt Murdock zu beraten, zu kritisieren oder gar mit ihm zu kämpfen.

Ehemalige Freundinnen des Anwalts lassen sich blicken, was ein Aha-Effekt für die Kenner der Serie ist, aber auch verständlich für alle »Neulinge« sein sollte. Darüber hinaus geben sich andere Superhelden ein Stelldichein, darunter Figuren wie »Spiderman«. Vor allem die Leser, die Superhelden mögen und sich in den jeweiligen Universen auskennen, kommen hier auf ihre Kosten. Wer sich nicht so gut auskennt, wird allerdings nicht überfordert.

Die Geschichte wird abwechslungsreich und spannend erzählt. Als Autor konnte Kevin Smith stets mit den Großen der Comic-Branche mithalten, er schuf mit dieser »Daredevil«-Miniserie ein kleines Meisterwerk im Superhelden-Universum. Die Dialoge sind gut, die Figuren verhalten sich nachvollziehbar.

Großartig sind allerdings vor allem die Zeichnungen. Joe Quesada lässt seine Bilder geradezu explodieren, die Wucht der Bewegungen bringt er plastisch zur Geltung – es lohnt sich, manche Seiten genauer zu betrachten, um die Details wahrzunehmen. Bei den Fans war und ist der Künstler zu Recht sehr beliebt, auch die Kritik schätzt ihn sehr. Er schafft es, die Dynamik von Superhelden-Action ebenso gut in Szene zu setzen wie Dialoge oder Darstellungen des nächtlichen New York.

So entstand eine ziemlich großartige Miniserie, die ich vor allem den Lesern empfehlen möchte, die schon immer mal bei Superhelden »reinschnuppern« wollten. Fans muss ich wohl kaum darauf aufmerksam machen; sie kennen diese Miniserie sowieso schon.

Erschienen ist »In den Armen des Teufels« als schickes Paperback; es umfasst 236 Seiten und kostet 19,99 Euro. (Es gibt sogar eine limitierte Hardcover-Version, die aber mehr kostet.) Wer sich dafür interessiert, kann das Buch mithilfe der ISBN 978-3-9579-8579-8 überall im Buch- oder Comicfachhandel bestellen, ebenso bei Versendern wie Amazon.

Klaus N. Frick

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