Die Redaktion empfiehlt: Hörspiel »Loreley« von Kai Meyer

31.01.2013 16:05 von vpm

Ein unheimlicher Roman als phantastisches Hörspiel

In den vergangenen zwei, drei Jahren hat sich Zaubermond Audio zu einem hervorragenden Haus für Hörspiele mit phantastischem Charakter entwickelt. Als äußerst gelungenes Beispiel dafür sehe ich die Umsetzung von »Loreley« an: Der Roman des Bestsellerautoren Kai Meyer wurde in ein äußerst packendes Hörspiel »transportiert«. Ich hörte es mit wachsender Begeisterung und bin der Ansicht, dass es jeden Hörspielpreis verdient hat.

Die Geschichte selbst spielt im Mittelalter, in der Nähe des Loreley-Felsens, also im Rheintal. Zwei Mädchen wachsen als gute Freundinnen auf: Fee, die hübsche Tochter des Grafen, und Ailis, die etwas rotziger auftretende Tochter einfacher Leute, die bei einem Schmied in die Lehre geht. Beide Freundinnen sind, ohne es zu wissen, durch ein altes Geheimnis miteinander verbunden, das erst im Verlauf der Geschichte gelüftet wird.

Doch zuerst ist ein anderes Geheimnis eines kleinen Mädchens viel wichtiger, das in einem Brunnenschacht auf dem Berg gefangen gehalten wird. Dort singt es so leise und so eindringlich, dass nur wenige seine Stimme hören können. Die Stimme frisst sich buchstäblich in die Gedanken, sie fordert dazu auf, das Mädchen zu befreien.

Ailis ist eine von jenen Menschen,Loreley-Hörspiel von Kai Meyer die in den Bann des Mädchens geraten, sich aber weit genug von ihm fernhalten können. Ailis ist auch jene, die in Kontakt zur Magie der herumziehenden Spielleute kommt und dann lernt, mit den fahrenden Musikern durch fremde Dimensionen zu reisen. Und sie ist diejenige, die am Ende zum Duell gegen die finstere Magie aus der Anderswelt antritt.

»Loreley« verbindet geschickt Elemente des historischen Romans, bei dem die Kulisse des Mittelrheins wirkungsvoll eingesetzt wird, mit phantastischen Elementen. Eigentlich handelt es sich um eine Horror-Geschichte, vor allem gegen Ende wird »Loreley« ziemlich blutig und heftig. Phantastische Elemente ziehen sich durch die gesamte Handlung, aber auch die historischen Details wirken glaubhaft und nachvollziehbar.

Was sich schon als Roman sehr gut lesen lässt, wird als Hörspiel zu einem unglaublich spannenden Stoff. Marco Göllner bringt als Regisseur die gelungene Geschichte noch weiter auf den Punkt. Die Dialoge sitzen, alle Sprecher sind hervorragend ausgewählt. Die Handlung wird rasch vorangetrieben, spart aber nicht an ruhigen Phasen, in denen Hintergründe zu den Personen vermittelt werden. Sogar eine Prise Sex gibt es in der zweiten Hälfte des Hörspiels.

Vor allem die Geräusche sind es, die neben den Stimmen das Hörspiel ausmachen. Hektischer Atem, das Knirschen von Tritten im Schnee und andere Geräusche klingen so realistisch, dass es mich begeistert. Beeindruckend fand ich zudem, wie die Singstimme des kleinen Mädchens, die Magie der Spielleute und die Musik des Hörspiels immer wieder miteinander verwoben werden. Das haben der Regisseur und die Produktion wunderbar hinbekommen, das ist komplett überzeugend. »Loreley« bietet über die gesamte Dauer von über fünf Stunden stets packende Unterhaltung.

Bei diesem Hörspiel stimmt einfach alles: Spannung und Atmosphäre, Stimmen und Musik, sogar die optische Gestaltung der CD-Hülle. Die vier CDs stecken in einer aufwendigen Papp-Box, das Booklet enthält viele Informationen zur Produktion.

Es gibt das »Loreley«-Hörspiel überall im Fach- und Buchhandel, ebenso bei Versendern wie amazon.de; selbstverständlich kann es im Laden bestellt werden, wobei die ISBN 978-3-954269-53-2 behilflich ist. Der empfohlene Ladenverkaufspreis beträgt 29,95 Euro. Darüber hinaus stellen verschiedene Anbieter auch eine Download-Version des Hörspiels zur Verfügung.

Wer sich einen ersten Eindruck verschaffen mag, kann bei Youtube ein Werbe-Video anschauen. Dort gibt es darüber hinaus ein interessantes »Making Of« des Regisseurs.

 

Klaus N. Frick

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