Die Redaktion empfiehlt: »Happy« von Grant Morrison / Derrick Robertson

08.05.2015 08:10 von vpm

Der Polizist und das blaue Einhorn

Wenn zwei Kreative zusammenarbeiten, die jeder für sich erfolgreich waren, heißt das noch lange nicht, dass ein überzeugendes Ergebnis dabei entsteht. Ich war deshalb ein wenig skeptisch, als ich erfuhr, dass der Comic-Autor Grant Morrison und der Zeichner Darrick Robertson gemeinsam einen Comic-Vierteiler erarbeiten würden.

Ich »Happy« von Grant Morrison / Derrick Robertsonwurde positiv überrascht. »Happy«, so der Titel des Vierteilers, erschien im Sommer 2014 in deutscher Sprache. Die düstere Krimi-Geschichte hat mir richtig gut gefallen; vor allem deshalb, weil sie den Krimi mit einem ironischen Phantastik-Element kombiniert. Sowohl der Zeichner als auch der Autor zeigen sich dabei von ihrer besten Seite, so dass ich das Paperback jederzeit empfehlen kann.

Hauptperson des Comics ist Nick Sax, ein ehemaliger Polizist, der mittlerweile als Killer für irgendwelche finsteren Hintermänner unterwegs ist. Er trinkt zuviel, er ist völlig heruntergekommen, und als er ein blaues, fröhlich wirkendes Einhorn sieht, denkt er natürlich zuerst, er habe Halluzinationen. Im Verlauf der Geschichte wird aber klar, dass das Einhorn sehr wohl »wirklich« ist – es hat eine wichtige Funktion für ihn und eine Gruppe von Kindern, die von einem psychopathischen Killer gefangen gehalten werden.

Was in der kurzen Beschreibung eher skurril und witzig klingt, ist im Comic ziemlich finster. Nick Sax bewegt sich durch verdreckte Straßen und heruntergekommene Bars; der Weihnachtsmann ist ein ausgesprochener Widerling, und das fröhliche Einhorn sorgt für einen Kontrast, der die ganze Szenerie noch fieser präsentiert. Weil es so nett und positiv aussieht, zeigt es die Realität des Nick Sax viel schlimmer.

Der Autor Grant Morrison kennt sich im Comic-Geschäft richtig gut aus. Bekannt wurde er unter anderem für seine Arbeit an Serien wie »Batman«, darüber hinaus zeichnet er für zahlreiche Comics verantwortlich. Er weiß, wie man eine spannende Geschichte erzählt, er kann Pointen setzen und Figuren so durch die Geschichte steuern, dass die Leser immer wieder überrascht werden. Gelegentlich wird's witzig, meist aber ist die Story in »Happy« – ganz im Gegensatz zum fröhlichen Titel – einfach derb und bösartig.

Der Zeichner passt dazu. Derrick Robertson wurde vor allem durch seine Arbeit an der Serie »The Boys« bekannt. In dieser werden allerlei Superhelden-Klischees aufs gröbste durch den Kakao gezogen, Sex und Splatter inklusive. Was er bei dieser Serie gelernt hat, bringt Robertson auch bei »Happy« ein. Seinen Zeichnungen sind detailverliebt, gleichzeitig schafft er es, Spannung und Stimmung gleichermaßen zu überzeugen. Man kommt sich bei ihm vor, als schaue man einen krassen Gangsterfilm an.

Im amerikanischen Original bestand »Happy« aus vier Comic-Heften, die im Jahr 2013 erschienen sind. Die deutschsprachige Ausgabe fasst die vier Hefte in einem schicken Paperback mit Klappumschlag zusammen und kam bereits im Sommer 2014 heraus – lesenswert und spannend ist sie aber nach wie vor ...

Das Paperback umfasst 132 Seiten und kostet 16,99 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-86201959-5 ist es in jeder Buchhandlung sowie im Comic-Fachhandel zu haben; ebenso kann es bei Versendern wie Amazon bestellt werden. Der Panini-Verlag stellt auf seiner Internet-Seite eine kostenlose Leseprobe zur Verfügung.


Klaus N. Frick

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