Die Redaktion empfiehlt: »Fünf Löcher im Himmel« von Rocko Schamoni

11.08.2017 08:00 von vpm

Melancholischer Roman über das Scheitern

Paul Zech ist alles andere als ein »cooler« Held. Er ist 67 Jahre alt, hat kein besonders spannendes Leben geführt, und er steht vor allem am Ende seines Daseins. Seine Wohnung wurde geräumt, die Trümmer seiner Existenz landen auf dem Müll. Das einzige, was er letztlich rettet, ist sein Tagebuch – eine Erinnerung an das Jahr 1966, als er noch ein verliebter Schüler war.

So traurig beginnt der Roman »Fünf Löcher im Himmel« des Schriftstellers, Musikers, Theaterautors und politischen Aktivisten Rocko Schamoni. Der Autor ist selbst Jahrgang 1966, er steht seit den 80er-Jahren mit den unterschiedlichsten Bands auf der Bühne; seine Romane wurden verfilmt und mit Preisen ausgezeichnet.

Meist wird er in das Genre der Popliteratur einsortiert, mit »Fünf Löcher im Himmel« legte er allerdings ein sehr melancholisches Werk vor. Dass es nach einer Verfilmung geradezu schreit, steht übrigens auf einem anderen Blatt ...

Das Buch ist schmal, keine 200 Seiten lang, und lässt sich schnell lesen. Es enthält keine Action oder irgendwelche Szenen, die man gemeinhin mit Spannung verbindet, sondern beschreibt viel. Es zeigt die Biografie eines Mannes, der sich und sein Leben über Jahre hinweg nicht so richtig in den Griff bekommen hat.

tl_files/comic/images/news/empfehlungen/Fuenf_Loecher_im_Himmel.jpegAls Leser stellt man sich unweigerlich die Frage, die der Autor bewusst in den Raum stellt: Welche Entscheidungen in der Jugend wurden so getroffen, dass man sie als Erwachsener immer noch verspürt? Die Figur des Paul Zech ist dafür gut geeignet: als Jugendlicher unglücklich verliebt, im Schultheater auf die Rolle eines Unglücklichen festgelegt, stets mit Problemen konfrontiert, die er sich teilweise selbst eingebrockt hat.

Das kann nicht gut gehen – und die Taten in Paul Zechs Jugend holen ihn als Erwachsenen ein. Ob und wie sich Rocko Schamoni dabei selbst sieht oder porträtiert, weiß ich nicht; es gibt sicher Parallelen. Er hat selbst Theater gespielt, er inszeniert auch; allerdings ist er weder so erfolgslos noch so depressiv wie seine Hauptfigur.

Seinen »Helden« zeigt er intensiv, lässt den Leser an seiner Existenz buchstäblich mitleiden. Vor den Augen des Lesers entblättert sich ein langsamer, gleichwohl faszinierender Roman. Man braucht ein wenig Ruhe, um so ein Buch zu lesen, weil man sich ein wenig darauf konzentrieren muss – aber dann erhält man eine schön ausformulierte Lebensgeschichte, die möglicherweise auch Parallelen zum eigenen Dasein aufweist.

»Fünf Löcher im Himmel« ist sicher kein Roman, den man unbedingt gelesen haben muss, aber ein Beleg dafür, dass Gegenwartsliteratur aus Deutschland nicht kopflastig zu sein hat. Was mich zusätzlich berührt hat, waren die Widmungen, die der Autor dem Buch vorangestellt hat. Er erwähnt drei Personen, die 2015 gestorben waren und die in Bands mitgespielt hatten, die Rocko Schamoni als Musiker ebenfalls getroffen hatte.

Das 192 Seiten schlanke Taschenbuch ist bereits zu Beginn des Jahres 2016 erschienen, ich habe es erst dieser Tage gelesen und möchte es jenen empfehlen, die gern Gegenwartsliteratur lesen, die nicht langweilt. Veröffentlicht wurde es vom Piper-Verlag, es kostet 10,00 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-492-30824-3 kann man es in jeder Buchhandlung bestellen, ebenso bei Versendern wie Amazon.

Noch gibt es auch die Hardcover-Version – für diejenigen, die es gern repräsentativ mögen – für 16,99 Euro, ebenso das E-Book für 9,99 Euro.



Klaus N. Frick

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