Die Redaktion empfiehlt: »Eine Buchhandlung auf Reisen« von Christopher Morley

21.12.2016 08:30 von vpm

Ein herrlicher Roman über die Literatur und die Liebe

Zu einem Überraschungserfolg wurde im Spätjahr 2014 der Roman »Das Haus der vergessenen Bücher«. Obwohl das Werk schon richtig alt ist – es wurde 1919 erstmals veröffentlicht – , kam es international bei vielen Literaturfreunden sehr gut an. Die altmodische Liebesgeschichte, in der es nebenbei um Literatur ging, faszinierte wohl vor allem deshalb, wie sie so unmodern war und nicht auf Effekte setzte, sondern einfach nur »schön« erzählen wollte.

tl_files/comic/images/news/empfehlungen/buchhandlung.jpgIm Spätsommer 2015 kam der Vorläufer dieses Romans in deutscher Sprache heraus, mittlerweile folgte das Taschenbuch. Weil »Eine Buchhandlung auf Reisen« eine herrliche Empfehlung für alle Menschen ist, die gern Bücher über Literatur mögen, stelle ich ihn auf dieser Seite vor – als Weihnachtstipp vielleicht, vor allem aber als ein gelungenes Beispiel für ein hervorragendes Buch.

Hauptpersonen des Romans, der irgendwann zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielt, sind Roger Mifflin, ein reisender Buchhändler, und Helen McGill, eine Bäuerin, die mit ihrem Leben unzufrieden ist. Roger zieht mit einem Karren durch das dörfliche Bergland in den Neuenglandstaaten, gezogen von einem treuen Pferd, und versucht, den Bewohnern abgelegener Dörfer und Bauernhöfe die Freuden der Literatur nahezubringen. Helen wiederum lebt bei ihrem Bruder, ist mit der unaufhörlichen Arbeit auf dem Bauernhof alles andere als glücklich und möchte aus diesem Leben ausbrechen.

Die beiden sind alles andere als »schön«, sondern sehr gewöhnliche Menschen. Helen wird als rundlich geschildert, Roger ist eher klein – doch beide haben ein großes Herz, lernen sich kennen und schätzen, ziehen nach einigen Wirren gemeinsam durch das Land. Der Bücherkarren – genannt wird er »Parnassus« – wird zur Heimstatt des ungewöhnlichen Paars, das mit seiner Mission weiterreist ...

Bis sie das allerdings schaffen, müssen die beiden eine Reihe von Hindernissen überwinden, die vor allem mit ihren eigenen Zwängen und Gefühlen zu tun haben. Der Autor schildert diese Verwicklungen mit viel Charme und macht es dem Leser leicht, jederzeit den Charakteren zu folgen. Man gewinnt sie geradezu lieb.

Christopher Morleys Roman ist wieder einmal ein Genuss: Auf angenehme Weise entführt er in eine lang vergessene Zeit, in der Bücher noch etwas Besonderes waren und die Welt langsamer ablief, in der Menschen mit Karren oder zu Fuß unterwegs waren. Damit schafft der Autor eine Verneigung vor der Literatur und ihren Möglichkeiten, mit seinen gelungenen Figuren sorgt er für eine wunderbare Verbindung aus Phantasie und Realität.

Action findet man in diesem Roman keine, hektische Verfolgungsjagden schließen sich beispielsweise aus – trotzdem wird er einem nie langweilig. Die Handlung ist abwechslungsreich und witzig, die Dialoge zwischen den Figuren lassen einen immer wieder schmunzeln. Und gelegentliche »Predigten« über den Sinn von Literatur und eigenen Träumen kann man auch 2016 noch unterschreiben!

Beide Romane von Christopher Morley machen Spaß; ich empfehle sie allen Menschen, die gern lesen – sie sind als Geschenkbücher zudem hervorragend geeignet. »Eine Buchhandlung auf Reisen« ist ein idealer Einstieg, der zweite Band folgt dann wie von selbst.

»Eine Buchhandlung auf Reisen« erschien im Atlantik-Verlag, einem Imprint von Hoffmann & Campe; es ist ein 192 Seiten starker Hardcover-Band mit Schutzumschlag und kostet 18,00 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-455-60023-0 gibt es den Roman in jeder Buchhandlung; zu bestellen ist er auch über Amazon und andere Versender.

Seit Oktober liegt der Roman auch als Taschenbuch vor; in dieser Version kostet er 10,00 Euro. Die ISBN ist hier 978-3-455-65139-3. Das E-Book kostet irritierenderweise 13,99 Euro. (In diesem Fall empfehle ich ausdrücklich die Geschenkversion als Hardcover!)

Klaus N. Frick

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