Die Redaktion empfiehlt: »Ein Hologramm für den König« von Dave Eggers

20.05.2016 08:11 von vpm

Meisterhafter Gegenwartsroman

Dieser Tage kam der Film »Ein Hologramm für den König« in die Kinos. In der Hauptrolle ist Tom Hanks zu sehen, Regisseur war Tom Tykwer, und verfasst wurde die Romanvorlage von Dave Eggers. Die Hardcover-Ausgabe des Buches habe ich vor zwei Jahren auf dieser Internet-Seite vorgestellt; mittlerweile gibt es auch die Taschenbuch-Ausgabe. Zwei Gründe also, die Rezension mit leichten Änderungen zu wiederholen.

»Ein Hologramm für den König« von Dave EggersDave Eggers ist einer jener Autoren, die gerne genannt werden, wenn es darum geht, die aktuelle Schriftsteller-Generation der USA zu präsentieren. Der Mann schreibt unterhaltsame Romane, die sich allen Genre-Konventionen entziehen, die stets einen politisch-kritischen Blick auf die USA und ihre Gesellschaft werfen und sich ansonsten herzlich wenig darum kümmern, was gerade an aktuellen Strömungen anerkannt ist.

Bei »Ein Hologramm für den König« zeigt der Autor, von welchem Kaliber er ist. Sein Roman spielt in Dubai, in der Nähe des Roten Meeres, wo ein neues Dubai errichtet werden soll. Die saudischen Herrscher wollen vom Reichtum des Westens profitieren und für die »Welt nach dem Öl« bereits Vorsorge tragen. Also soll eine gigantische Metropole entstehen, die King Abdullah Economic City: mit Kanälen und glitzernden Hochhäusern, mit allem Chic, den Europa, Fernost und die USA zu bieten haben.

Das Interessante dabei: Mit dieser Kunststadt greift der Autor ein real existierendes Projekt auf. Die »KAEC« wird tatsächlich geplant.

Sein Held ist ein 54 Jahre alter Amerikaner namens Clay, eine gescheiterte Existenz, die nichts anderes vorhat, als dem saudischen König ein neues Produkt zu verkaufen. Dieses Produkt – eben das titelgebende Hologramm – soll nicht nur seinen Arbeitgeber sanieren, sondern ihm auch eine neue Existenz verleihen.

Doch der Bau in der Wüste stagniert. Clay ringt darum, den König zu treffen; er intrigiert und kämpft, und er setzt alle möglichen Mittel ein. Dabei gelingen ihm Einblicke in die saudische Gesellschaft, die manchmal hochgradig komisch sind, meist aber verstörend wirken.

Ganz klar: »Ein Hologramm für den König« ist keine Science Fiction, sondern ein wacher Gegenwartsroman, der im »Hier und Jetzt« spielt. Gleichzeitig ist er eine Parabel für den Wahnsinn einer technokratischen Gesellschaft und zeigt einen Ausblick auf eine geisterhafte Zukunft, in der wahnhafte Ideen immer mehr den Takt angeben.

Die Kapitel wechseln rasch, die Hauptfigur wird einem von Szene zu Szene näher gebracht. Dabei wird Clay nicht unbedingt sympathisch, aber man versteht klar, was ihn umtreibt, warum er in diese Lage gebracht worden ist und wieso das existierende System auf die Dauer nicht funktionieren kann. Die politischen Schlussfolgerungen, die der Autor seinen Helden ziehen lässt, muss man nicht akzeptieren – aber sie könnten einen interessierten Leser dazu bringen, ein wenig nachzudenken.

Dave Eggers weiß, wovon er spricht. Im Gegensatz zu vielen seiner amerikanischen Landsleute hat er schon arabische Länder bereist. Er schaut nicht auf die Araber hinab, er stellt aber auch nicht die Amerikaner grundsätzlich als oberflächliche Trottel hin. Er hält der Welt einen Spiegel vor – und er hat ganz nebenbei mit »Ein Hologramm für den König« einen brillanten Unterhaltungsroman geschaffen. Klasse!

Das Buch liegt jetzt auch als Taschenbuch bei Kiepenheuer & Witsch vor. Es ist 352 Seiten stark und kostet 9,99 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-462-04680-9 kann man es in jeder Buchhandlung bestellen, ebenso bei Versendern wie Amazon. Wer sich vorher ein wenig einlesen möchte, kann dies auf der Verlagsseite.

Selbstverständlich gibt es den Roman auch als E-Book, unter anderem für den Kindle; diese Version kostet ebenfalls 9,99 Euro. Die Hörbuchversion wird von Ulrich Pleitgen gelesen; ich habe sie aber nicht gehört. Als gekürzte Ausgabe gibt es das Hörbuch auf fünf CDs bei Hörbuch Hamburg – das kostet dann 19,99 Euro.


Klaus N. Frick

 

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