Die Redaktion empfiehlt: »Durango« Gesamtausgabe 1 von Yves Swolfs

25.01.2017 08:00 von vpm

Ein Western-Kracher in schöner »Integral«-Ausgabe

Als der erste Band der neuen Comic-Serie »Durango« erschien, schlug er ein wie eine Bombe. Die Comic-Fans waren begeistert, die Kritiker überschlugen sich vor Begeisterung. Zu Beginn der 80er-Jahre war der Western im Film schon kein Thema mehr, während das Genre in den Comics immer noch gut lief. Der belgische Autor und Zeichner Yves Swolfs zeigte gleich von Anfang an, dass er sich mit »Durango« hinter eingeführten Reihen wie »Leutnant Blueberry« oder »Comanche« nicht zu verstecken brauchte.

Das erste Album trug den Titel »Hunde heulen im Winter«, kam hierzulande 1981 heraus und zeigte »klare Kante«. Die Zeichnungen waren so realistisch wie möglich, die Geschichte basierte auf historischen Tatsachen einerseits und dem Film »Leichen pflastern seinen Weg« andererseits, und sie wurde mit einer hohen Zahl von Schießereien und Toten erzählt.

tl_files/comic/images/news/empfehlungen/Durango_Comic.jpgIm Verlauf der Jahrzehnte wechselte »Durango« im deutschsprachigen Raum einige Male den Verlag. Im Januar 2017 erschien nun der erste Band einer Gesamtausgabe im Splitter-Verlag – wenn in gewohnter Splitter-Manier publiziert wird, dürfte die Serie bald in einer eindrucksvollen Edition vorliegen. Ich möchte an dieser Stelle unbedingt auf den ersten Band hinweisen.

Durango ist der Held dieses Western-Comics; er erinnert rein optisch an »Django« und andere Figuren des Italowesterns. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ist er im Westen der Vereinigten Staaten unterwegs, als Kopfgeldjäger und Söldner, als bezahlter Killer eigentlich. Seinen moralischen Kompass verliert er dabei nicht: Werden beispielsweise Frauen misshandelt, mischt er sich ein.

Mit seinen Schusswaffen ist er nicht nur schnell, sondern auch sehr treffsicher – und so löst Durango in jedem Abenteuer ein größeres Problem auf seine Weise: mit vielen Toten auf der Seite der Gegner und vielen Schüssen auf jeden Fall.

Die Geschichten könnten Adaptionen von Sergio-Leone-Western sein; sie stecken voller trockener Dialoge und explosiver Gewalt. Dabei sind sie stets realitätsnah genug: Die Kämpfe werden nicht als lockere Abenteuer geschildert, Bordelle sind kein romantischer Ort, und wenn gestorben wird, geschieht das nie in unblutiger Weise. Yves Swolfs übertreibt es allerdings auch nicht mit seiner Gewaltdarstellung – er zeigt keine übertriebenen Details.

Ganz klar: Man muss Western mögen, um sich für »Durango« zu interessieren. Wer aber das Genre mag oder generell eine Freude an realistisch wirkenden Comics hat, sollte sich diesen gelungenen Sammelband zulegen. Wer »Durango« noch aus den 80er-Jahren kennt, für den ist die Anschaffung der Gesamtausgabe wohl sogar ein Muss.

Der beeindruckende Sammelband fasst die ersten drei Alben zusammen und ist 144 großformatige Seiten stark. Er kostet 29,80 Euro; mithilfe der ISBN 978-3-95839-454-4 kann man ihn überall im Buch- und Comicfachhandel bestellen, selbstverständlich auch bei Versendern wie Amazon. Wer sich von der starken Optik überzeugen möchte, schaue sich die kostenlose Leseprobe auf der Internet-Seite des Splitter-Verlages an.

Klaus N. Frick

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