Die Redaktion empfiehlt: »Drachenmahr« von Robert Corvus

18.09.2015 07:30 von vpm

Origineller Fantasy-Roman

Es ist ein faszinierendes Szenario, das sich vor dem Leser ausbreitet: eine Stadt, die von tödlichen Sümpfen umgeben ist und hinter der sich ein schroffes Gebirge erhebt, regiert von mächtigen Familien und unter der Fuchtel eines Drachen und seiner gefährlichen »Jungen«. Das ist die Welt, die Robert Corvus in seinem aktuellen Fantasy-Roman »Drachenmahr« vorstellt.

»Drachenmahr« von Robert CorvusIch habe den Roman, der bereits im Juli erschienen ist, dieser Tage endlich gelesen und war sehr angetan von seiner spannenden Handlung. Diese steigert sich allmählich: Der Roman bleibt am Anfang verhalten und baut seine packende Geschichte erst nach und nach auf. Am Ende konnte ich ihn kaum noch aus der Hand legen, weil ich so gefesselt war.

Tatsächlich ist es gar nicht so einfach, die Handlung des Romans zusammenzufassen. Zwar hat Robert Corvus als Hauptfigur eine junge Soldatin namens Zarria gewählt, die mit all ihren Stärken und Schwächen glaubhaft erscheint, aber die wahre Hauptfigur des Romans ist eigentlich die Stadt. Sie lebt und atmet buchstäblich: mit ihren mächtigen Patriziern, mit dem anrüchigen Weberviertel, mit all den alten Geheimnissen, den nächtlich umherschweifenden Draken und dem mysteriösen Drachen, der in der alten Kathedrale gefangen gehalten wird.

Dazu mischt Corvus allerlei christliche Mythologie in den Roman. Kreuze finden sich überall, die Kathedrale mutet wie eine katholische Kirche an, im Wald treffen sich Mönche, und sogar die Darstellung der Geister, die als die »Seelen« von Verstorbenen durch den Wald irren, hat ein eher christlich anmutendes Motiv. Das aber fasziniert an diesem Roman zusätzlich: Es ist keine typische Fantasy-Stadt, die Corvus beschreibt, sondern eine Siedlung, deren Existenz enger mit unserer Welt verbunden scheint, als man am Anfang glaubt.

Mithilfe seiner Hauptfigur schafft der Autor es zudem, den Leser stückweise in diese Welt hineinzuziehen. Zarria ist jung genug, dass sie noch nicht alles weiß – wie es dem Leser ebenfalls geht. Aber sie ist als Kämpferin soweit erfahren, dass sie sich in Auseinandersetzungen behaupten kann. Der Autor führt seine Hauptfigur in mehrere Kämpfe: Sie muss sich mit den Kameraden in der Wache herumschlagen, sie hat es mit den Intrigen der mächtigen Patrizier zu tun, sie prügelt sich mit allerlei Raufbrüdern und ehemaligen Kameraden.

Gleichzeitig wächst ihre Erfahrung. Zarria steigt innerhalb der Hierarchie der Stadt weiter auf und erfährt immer mehr über die Hintergründe. Sie sieht Zusammenhänge, die sich dadurch dem Leser erschließen, und entscheidet irgendwann, sich nicht mehr herumstoßen zu lassen, sondern selbst aktiv zu werden. Damit löst sie Ereignisse aus, die in einem blutigen Durcheinander gipfeln.

All das schildert der Autor mit einer klaren Sprache, die sich wohltuend von dem ausufernden Geplauder mancher aktueller Fantasy-Romane abhebt. Seine Charaktere sind sauber gezeichnet, die Dialoge wirken stimmig, die Handlung läuft schnell und mit nachvollziehbaren Entwicklungen ab. Als Leser glaubt man den Figuren, sie wirken wie »echte Menschen« und machen nicht den Eindruck, »aus Papier« zu sein.

Die Mythologie rings um die Stadt und den Drachen, die der Autor Stück für Stück entblättert, macht dabei einen zusätzlichen Reiz aus. Auch Leser, die sonst eher der nüchternen Science Fiction zugeneigt sind und mit Fantasy oftmals wenig anfangen können, sollten einen Blick riskieren. Die Lektüre lohnt sich! (Und wer sich einlesen möchte, schaue sich die Leseprobe auf der Internet-Seite des Verlages an.)

Erschienen ist der Fantasy-Roman als Paperback im Piper-Verlag, er umfasst 400 Seiten und kostet 12,99 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-492-28015-0 kann er in allen Buchhandlungen bestellt werden, ebenso über Versender wie Amazon. Es gibt zudem eine E-Book-Version, unter anderem für den Kindle. Diese kostet 9,99 Euro.

Klaus N. Frick

Zurück