Die Redaktion empfiehlt: »Doppelgänger« von Eric Corbeyran / Christophe Bec

20.03.2015 08:45 von vpm

Magisch-mysteriöser Comic-Roman

Irgendwo in der französischen Provinz: Ein Mann reist zur Beerdigung seiner Mutter; aus diesem Grund muss er in dörfliche Regionen fahren, in denen er sich fremd fühlt. Er trifft seltsame Leute, unter anderem eine junge Frau, mit der er sich in ungewöhnlicher Weise verbunden fühlt – um dann am Grab seiner Mutter auf einen unbekannten Mann zu stoßen, der er selbst ist ...

So »Doppelgänger« von Eric Corbeyran / Christophe Becbeginnt die Geschichte von »Doppelgänger – Das doppelte Böse«, einem Comic, dessen zwei Teile in einem Band erschienen sind. Das Geschehen ist im »Hier und Jetzt« angesiedelt, wechselt aber in immer stärkerem Maß ins Phantastische. Am Ende sitzt man als Leser einigermaßen verblüfft da und fängt womöglich damit an, das Ganze noch einmal von vorne durchzuschauen.

Dabei verzichtet die Geschichte auf Action und aufwendige Effekte, sondern bleibt stets dicht an ihrem Helden und seinen Erfahrungen, seinen Gedanken und ungewöhnlichen Begegnungen. Dabei entsteht eine dicht erzählte Geschichte, die einen durch die teilweise unterkühlte Stimmung bei der Lektüre packt. Kein Wunder – die beiden Kreativen, die diesen Comic zu verantworten haben, kennen sich lange genug und wissen, wie man gute Comics macht.

Als Autor versteht es der erfolgreiche und bekannte Eric Corbeyran, sich auf Charaktere zu konzentrieren und diese in den Vordergrund zu heben. Er bleibt dicht an seiner Hauptfigur dran und erzählt aus ihrer Perspektive, damit wird für den Leser jederzeit klar, was eigentlich passiert und was der »Held« gerade denkt, fühlt und tut. Damit bleibt Corbeyran in der klassischen Krimi-Tradition, in der strenge Realitätsnähe vorherrscht.

Sehr zurückhaltend illustriert Christophe Bec die Story. Weil sich die Spannung nur langsam steigert und weil zeitweise über einige Seiten hinweg viel geredet und wenig gehandelt wird, wirken seine Zeichnungen streckenweise wie distanzierte Filmaufnahmen. Sein Stil ist realistisch: Landschaften und Häuser, Menschen und Autos zeichnet er exakt, aber nicht übertrieben detailliert. Hintergründe in den Bildern beschränken sich manchmal nur auf Andeutungen, so wie sich im Comic selbst manche Geschehnisse nur in Andeutungen abspielen.

»Doppelgänger – Das doppelte Böse« ist eine Lektüre, bei der das Zusammenwirken von Bild und Text sehr gut funktioniert. Zeichner und Autor ergänzen sich hervorragend, und so entsteht ein Comic-Werk, das auf den ersten Blick wenig spektakulär wirkt, aber bei genauerem Hinsehen seinen Klasse zeigt.

Das Album ist als Hardcover im Splitter-Verlag erschienen, umfasst 96 Seiten und kostet 19,80 Euro. Die ISBN 978-3-86869-745-2 kann bei einer Bestellung im Buch- und Comicfachhandel hilfreich sein; ansonsten kann man das Buch auch überall bei Internet-Händlern wie Amazon bestellen. Wer sich vorher ein wenig mit dem Inhalt vertraut machen möchte, schaue auf die kostenlose Leseprobe, die es auf der Internet-Seite des Verlages gibt.

Klaus N. Frick

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