Die Redaktion empfiehlt: Die »Zwielicht«- und die »Nosferatu«-Trilogie

12.09.2012 08:00 von vpm

Zwei neue Vampir-Comics

Es dürfte mittlerweile manchen Fantasy- und Horror-Fan geben, der beim Gedanken an Vampirgeschichten bereits die Hände über dem Kopf zusammenschlägt: »Nicht noch eine Schmonzette über verliebte Blutsauger!« Kaum etwas wäre falscher als eine solche Abwehrreaktion – nach wie vor gehören Vampirgeschichten zu den Höhepunkten der phantastischen Literatur.

Der Comic-Bereich macht hier keine Ausnahme. In jüngster Zeit startete der Splitter-Verlag zwei neue Comic-Serien, die Untote und Blutsauger ins Zentrum des Geschehens setzen. Dabei gehen beide Stories ungewöhnliche Wege: einmal unter anderem ins Indien des »Hier und Jetzt«, das andere Mal in eine Science-Fiction-Welt.

In einer Science-Fiction-Welt spielt »Zwielicht«: Comic: Zwielicht Bd. 01 – »Wölfel von Ulf«Düstere Häuser vor einer Kulisse, die nichts mit unserer Erde zu tun hat – das ist die Stadt Loukiana, die immer wieder von Vampiren bedroht wird. Diese allerdings haben nichts mit den eleganten Wesen zu tun, die man aus Filmen und Büchern kennt, sondern sie ähneln eher monströsen »Halbmenschen« und verhalten sich wie Neandertaler.

»Wölfel von Ulf« ist der erste Teil der »Zwielicht«-Trilogie. Held der Geschichte ist Wölfel, ein junger Mann, der als Hauptmann die Stadt gegen die Vampire beschützt. Doch dann findet er heraus, dass er ein Vampirmischling ist, einer der wenigen dieser Art, die auch bei Tageslicht existieren können. Als sich die Menschen gegen ihn verbünden, muss er in die Nacht fliehen.

Bei seiner Story lässt es Eric Corbeyran ziemlich krachen: Der Comic-Autor, der durch Serien wie »Schmetterlingsnetzwerk« oder »Assassin's Creed« als Science-Fiction-Schreiber bekannt geworden ist, sorgt für viel Action sowie für spannende Gegensätze zwischen den sozialen Gruppen der Stadt. Die Geschichte, die streckenweise einem Polit-Thriller ähnelt, wird packend vorangetrieben – am Ende des Albums war ich sehr auf die Fortsetzung gespannt.

Die Zeichnungen von Tihomir Celanovic sowie die Farbgebung von Nikola Vitkovic ordnen sich der Geschichte unter: Die einzelnen Comic-Bilder treiben ebenfalls die Geschichte voran, zeigen sich häufig in sehr düsteren Farben und verzichten auf Effekthascherei – das ist sehr gelungen. Übrigens siedeln die »Zwielicht«-Macher ihr Szenario in einer Art Steampunk-Szenerie an: Es gibt Zeppeline und Hochstraßen, elektrisches Licht und Autos, und das alles ist klasse gemacht.

Einen völlig anderen Vampir-Ansatz schlägt die Comic: Nosferatu Bd. 01 – »Si Vis Pacem«»Nosferatu«-Trilogie ein, deren erster Band unter dem Titel »Si Vis Pacem« erschienen ist. Sie beginnt in der heutigen Zeit, wo in der indischen Metropole Bombay der düstere Vampir-Herrscher Nosferatu seine Wiederauferstehung erlebt. Dann wechselt die Handlung ins römische Kaiserreich, in dem schon zu Zeiten Caligulas die Vampire ihre unheimlichen Aktivitäten entfaltet haben. Und während die Geschichte durch die Zeiten springt, wird klar, dass es unterschiedliche Gründe gibt, die Vampire zu bekämpfen. Es scheint Pläne zu geben, welche Jahrhunderte umspannen ...

Verantwortlich für den Inhalt ist Olivier Peru, dessen »Zombies«-Serie bei Splitter erschienen und bei den Comic-Fans sehr gut angekommen ist. Seine »Nosferatu«-Interpretation ist spannend und abwechslungsreich, mit dynamischen Sprüngen in der Handlung und einer gekonnten Dialogführung.

Die Zeichnungen passen dazu: Sie sind häufig düster, gleichzeitig aber von einer großen Realitätsnähe. Stefano Martino gelingt es, sowohl die Welt der Vampire als auch die Welt der Menschen so glaubhaft wie möglich darzustellen und somit beim Leser einen angenehmen Grusel-Effekt zu erzeugen.

Beide Vampir-Geschichten zeigen die untoten Nachtwesen als faszinierend und gewalttätig zugleich, als finster und intelligent. Das sind keine herzensguten Gestalten, in die sich eine junge Frau  »mal eben so« verlieben könnte. Ich mochte beide Erstlingsbände und bin auf die weiteren Comics der jeweiligen Trilogien sehr gespannt.

Beide Bände umfassen je 48 Seiten und kosten 13,80 Euro. »Wölfel von Ulf« hat die ISBN 978-3-86869-434-5, während »Si Vis Pacem« mit der ISBN 978-3-86869-449-9 überall im Comic- und Buchhandel zu bestellen ist. Selbstverständlich gibt es beide Comics auch über Versender wie amazon.de oder direkt über den Splitter-Shop. Auf der Homepage des Splitter-Verlages gibt es übrigens sehenswerte Leseproben.

 

Produktseiten und Leseproben beim Splitter-Verlag:


Produktseiten bei Amazon:

 

 


Klaus N. Frick

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