Die Redaktion empfiehlt: »Der Terraformer« von Matthias Falke

19.06.2015 08:20 von vpm

Schnitzeljagd im Weltraum

Der in Karlsruhe lebende Schriftsteller Matthias Falke zählt zu den fleißigsten Science-Fiction-Autoren, die sich derzeit in der deutschsprachigen Szene tummeln. Er veröffentlicht Kurzgeschichten und Romane, die in den unterschiedlichsten Verlagen erscheinen.

W»Der Terraformer« von Matthias Falkeeil mich schon immer interessierte, was er schreibt, griff ich zu seinem Roman »Der Terraformer«. Dieser ist erfreulicherweise in sich abgeschlossen und zählt nicht zu einem Zyklus; das macht den Einstieg dann doch einfacher ...

Bei diesem Roman handelt es sich um klassische Science Fiction, die in einem klar definierten Universum spielt. Die Menschheit hat sich in einer fernen Zukunft, über die wir nicht mehr erfahren, über weite Teile der Galaxis ausgebreitet. Mithilfe von Terraforming werden unwirtliche Planeten erschlossen, und riesige Raumstationen sorgen dafür, dass der interstellare Handel abgewickelt werden kann. An den Rändern der menschlichen Zivilisation haben sich Kulturen entwickelt, die aus der Sicht der zivilisierten Welten ein wenig primitiv wirken, deren Bewohner aber vor allem einen hohen Ehrenkodex haben.

In dem Roman geht es in erster Linie um die Begegnung dieser Kulturen: auf der einen Seite die sogenannten Erzweltler, auf der anderen Seite ein Mensch, der in der hochtechnisierten Zivilisation zu Hause ist. Hauptfigur ist McCoy, ein Mann von der Erde, der sein Leben damit verbringt, Welten mit Lebenskeimen zu impfen. Dabei weilt er als Terraformer oft jahrelang auf einem Planeten und sorgt dafür, dass sich Pflanzen und Tiere entwickeln, immer wieder unterstützt durch gezielte Eingriffe aus seinem Laboratorium.

Als er eines Tages einen Besuch erhält, mit dem er nicht gerechnet hat, verändert sich McCoys Leben. Sein Besucher verschwindet irgendwann wieder, doch ihm folgen die Männer, vor denen er flüchtet – und sie nehmen McCoy als Geisel. Danach entwickelt sich eine wahre Schnitzeljagd im Weltraum, eine Odyssee über Raumstationen und Planeten. Für den Leser hat das den schönen Vorteil, dass er immer wieder neue Schauplätze vor Augen geführt bekommt.

Matthias Falke schildert in dem Roman einerseits das Schicksal des titelgebenden Terraformers und der Menschen, die seinen Weg kreuzen, andererseits stellt er ein komplettes Science-Fiction-Universum vor, das er mit wenigen Szenen recht plastisch gestaltet. Seine Figuren verhalten sich meist glaubhaft; vor allem die dauernden Streitereien zwischen dem Terraformer und der Erzweltlerin, mit der er viel Zeit verbringt, geben der Handlung des Romans ordentlich Feuer.

Anfangs bleibt das Werk ein wenig behäbig. Ich benötigte einige Zeit, um in die Handlung hineinzukommen; hier hätte die eine oder andere Straffung durch den Lektor geholfen. Lässt man sich aber auf das Geschehen ein, entwickelt das geschilderte Universum mit seinen Figuren einen echten Sog auf den Leser. Zumindest mich packte die abwechslungsreiche und bunte Handlung, und ich wollte letztlich unbedingt wissen, wie es weiter- und ausgeht.


Seien wir ehrlich: Der Roman schreit buchstäblich nach einer Fortsetzung. Die Zivilisationen, die Matthias Falke vorstellt, sowie das ganze galaktische Umfeld – das alles ist »breit« angelegt, und hier kann der Autor problemlos weitere Romane ansiedeln. Aber vorerst steht »Der Terraformer« für sich allein: als Beleg für gut geschriebene Science Fiction aus dem deutschsprachigen Raum.


Das Paperback ist rund 300 Seiten stark, kostet 13,90 Euro und kann mithilfe der ISBN 978-3-86402-189-3 überall bestellt werden; selbstverständlich auch bei Versendern wie Amazon. Wer den Roman direkt beim Verlag und dessen Shop bestellen möchte, kann übrigens sogar eine Hardcover-Version erhalten – diese gibt's für 14,90 Euro nur direkt beim Verlag.
Ebenso wurde der Roman als E-Book veröffentlicht, unter anderem für den Kindle. Diese Version kostet 8,99 Euro.


Klaus N. Frick

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