Die Redaktion empfiehlt: »Der Realist« von Asaf Hanuka

07.06.2017 08:00 von vpm

Ein Israeli und sein Graphic-Novel-Blick auf die Welt

Was ich über Israel und den Konflikt mit den palästinensischen Nachbarn weiß, habe ich aus den Medien erfahren. Zeitschriften, Zeitungen und Fernsehreportagen zeichnen ein vielfältiges Bild eines Konfliktes, der nicht erst seit 1948 diese Region beherrscht. Die Graphic Novel »Der Realist« von Asaf Hanuka gibt ebenfalls Einblicke in diesen Konflikt – diese sind aber eher persönlich und überzeugen durch die künstlerische Sicht.

Erschienen ist der erste Band der Reihe bei den Stuttgarter Kollegen des Cross-Cult-Verlages, bei denen man einen solchen Comic kaum vermutet hätte. Üblicherweise veröffentlicht Cross Cult verschiedene Genre-Comics, meist aus den Bereichen Science Fiction und Horror. Ohne phantastische Elemente kommt »Der Realist« allerdings nicht aus; der Zeichner lässt immer wieder die Realität aufbrechen und gibt phantastische Einblicke in seine Geschichten.

tl_files/comic/images/news/empfehlungen/Der_Realist.jpgAsaf Hanuka ist auch im wirklichen Leben ein Familienvater, der mit allerlei Problemen zu kämpfen hat: Streit mit der Frau, Ärger mit dem Kind, zu hohe Mietpreise für die Wohnung – all das kennt man als durchschnittlicher Mitteleuropäer ebenfalls. Bei Hanuka kommt allerdings stets die Politik dazu: In den Medien wird ständig über Terror berichtet, die allgegenwärtige Bedrohung spielt in das tägliche Leben hinein, auf der Straße wird demonstriert. In Israel ist das Leben eines gewöhnlichen Bürgers doch sehr viel anders geartet als in Mitteleuropa.

Der Zeichner Asaf Hanuka überträgt all diese Themen in seine Comics. Auf jeweils einer Seite stellt er Szenen seines Lebens und seiner Umgebung nach. Das ist stets eher realistisch gezeichnet, wird lakonisch erzählt und zeigt in oftmals überraschenden Bildern, wie sich sein Leben entwickelt. Witzig sind die Einseiter selten, manchmal muss man immerhin schmunzeln.

Immer wieder verzerrt der Zeichner die Realität. Die Welt wird zu einem Bild aus einem Superhelden-Comic, ein Mensch verzerrt sich in ein impressionistisches Bild, sein Sohn wird zu einem Monster ... all das bringt die Comics und die Realität auf einer ganz anderen Ebene wieder in Einklang.

»Der Realist« ist keine Geschichte, die man zügig durchliest. Es ist eine Sammlung von einseitigen Comics, die einen immer wieder zum Staunen bringen und durch die man viel über den Künstler und sein Leben erfährt. Politik schildert er nicht direkt – man erfährt nichts über seine persönliche Meinung –, aber er zeigt die Auswirkungen von Krieg und Terror. Das ist spannend und mitteilsam zugleich.

Das Buch ist richtig gut, auch von der Machart her: Die Bilder kommen im Druck hervorragend heraus, das Buch ist schön gebunden. Ergänzend bietet der Verlag noch ein Interview mit dem Künstler an, das den positiven Eindruck noch weiter verstärkt.

Erschienen ist der wunderbare Comic-Band bereits im Herbst 2015 – was ja weder etwas an seiner Qualität noch an der Situation in Israel ändert. Er umfasst 192 Seiten, ist richtig schön aufgemacht und kostet 29,95 Euro. Den Hardcover-Band kann man mithilfe der ISBN 978-3-86425-594-6 in allen Buchhandlungen sowie im Comic-Fachhandel bestellen, ebenso bei Versendern wie Amazon.

Den Comic kann man sich auch als E-Book zulegen, unter anderem für den Kindle; er kostet 9,99 Euro. Wie man dabei die Bilder anschauen und betrachten kann, möge jeder Interessierte selbst herausfinden.

Auf der Internet-Seite des Verlages gibt es nicht nur eine kostenlose Leseprobe, sondern auch einen Comic-Trailer. Gern verweise ich auch auf die Internet-Seite des Künstlers; dort stehen zahlreiche prächtige Bilder aus dem Comic zur Verfügung, die man sich in aller Ruhe anschauen kann.

Klaus N. Frick

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