Die Redaktion empfiehlt: »Der König von Berlin« von Horst Evers

15.08.2013 08:20 von vpm

Saukomischer Großstadt-Krimi

Als Kabarettist ist Horst Evers oft im Fernsehen und vor allem auf allen möglichen Bühnen im deutschsprachigen Raum zu sehen; als Autor hat er mit seinen Kurzgeschichten in den vergangenen Jahren mehrfach seine Leser begeistert. Mit »Der König von Berlin« liegt seit 2012 sein erster Krimi vor, der seither auf den vorderen Plätzen der Bestsellerliste notiert wird.

Zu Recht, wie ich während der Lektüre feststellte: Der Roman ist spannend und komisch zugleich, ein echter Krimi mit einer verwickelten Ermittlungsgeschichte und zugleich ein satirischer Blick auf das Berlin von heute. Ich amüsierte mich bei der Lektüre köstlich und fand sowohl die Handlung als auch die skurrilen Figuren hervorragend.

Um was geht's eigentlich?

Es geht um Berlin, um die menschlichen und tierischen »Der König von Berlin« von Horst EversRatten in der Stadt. Tatsächlich stolpert ein junger Kommissar, dessen Ehrgeiz reichlich ungesund ist, in einen komplizierten Fall hinein. Ein Toter wird im Garten eines Mietshauses gefunden, ausgerechnet von zwei Kammerjägern und in seiner Wohnung findet sich haufenweise Bargeld. Die Ermittlungen beginnen. Dann stirbt der Chef einer Firma, die sich auf die Rattenbekämpfung in Berlin spezialisiert hat – und in der Folge nimmt die Rattenplage in der Stadt rasant zu.

Wie es aussieht, treten die Ratten zu einem Großangriff auf die Metropole an. Zwischen ihnen und ihrer Machtübernahme stehen der Kommissar und einige engagierte Kammerjäger – auf dem Weg zum Finale müssen sehr viele Fragen geklärt sowie noch mehr Stolpersteine aus dem Weg geräumt werden ...

Das klingt hier weniger lustig, als es sich im Buch liest. Der Roman ist eine Abfolge von witzigen Beschreibungen, zugespitzten Dialogen und haarsträubenden Handlungen. Dabei sind die einzelnen Szenen nicht übertrieben, sondern spiegeln immer wieder die Realität wieder. Das ist hochkomisch und spannend zugleich.

Was mir sehr gut gefällt: Der Autor schafft es tatsächlich, einen Spannungsbogen zu erzeugen, der den gesamten Roman »trägt«. Es handelt sich hier beileibe nicht nur um eine Aneinanderreihung von Gags oder zusammengebaute Kurzgeschichten, sondern um eine spannende Handlung mit vielen Wendungen, geschickt aufgebauten Figuren und durchaus sauber recherchierten Details etwa zur Arbeit von Kammerjägern.

Dass der Autor die Perspektiven wild wechselt und von einer Person quasi in die nächste springt, passt hier: Er hält von vorneherein keine saubere Erzählperspektive ein, sondern stellt die Charaktere in mancher Szene parallel dar. Normalerweise mag ich das nicht, bei diesem Buch funktioniert das aber sehr gut.

Horst Evers weiß, was er tut; er ist keiner von den Autoren, die »auf gut Glück« schreiben, sondern bleibt konsequent bei seiner Geschichte: Sorgsam fügen sich die Details zusammen, und am Ende wird auch noch das Schicksal von Nebenfiguren geklärt, die man als Leser vielleicht schon vergessen hat.

Bei der Lektüre musste ich nicht nur einmal kichern – ich habe mich köstlich amüsiert. Der Roman funktioniert ebensogut als Krimi wie als Komödie, und das hat der Autor richtig gut gemacht. Meine Empfehlung für alle, die witzige Unterhaltung mit Niveau mögen.

Erschienen ist »Der König von Berlin« im Rowohlt Verlag; die 384 Seiten kosten 19,99 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-87134-743-6 kann der Roman in jeder Buchhandlung bestellt werden; er ist auch bei Versendern wie amazon.de erhältlich.

Wer sich einlesen möchte, findet auf der Internet-Seite des Verlages eine schöne Leseprobe sowie weitere Informationen. Den Roman gibt es selbstverständlich als E-Book, unter anderem für den Kindle; in dieser Version kostet er 16,99 Euro.

 

 

 

Klaus N. Frick

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