Die Redaktion empfiehlt: »Der Jesus-Deal« von Andreas Eschbach

21.07.2015 08:30 von vpm

Spannender Religions- und Zeitreise-Thriller

Dass Andreas Eschbach ein Garant für packende Romane ist, dürfte mittlerweile allgemein bekannt sein. Der breiten Masse wurde er vor allem durch seinen Thriller »Das Jesus-Video« zu einem Begriff – mit »Der Jesus-Deal« liegt jetzt ein Roman vor, den man als Fortsetzung verstehen kann, der aber als eigenständiges Werk hervorragend funktioniert und keine Vorkenntnisse erfordert.

Zent»Der Jesus-Deal« von Andreas Eschbachrale Figur ist Michael Barron, ein junger Mann, der in einer streng christlichen Familie aufwächst. Sein Vater verbirgt als einer der reichsten Männer der Welt seine Milliarden sehr gut vor der Öffentlichkeit. In seinem christlichen Fanatismus ist er davon überzeugt, dass die Wiederkehr von Jesus Christus zu seinen Lebzeiten bevorstehen wird; also steckt er unglaublich viel Geld in evangelikale Sekten, um das »strenge« Christentum weltweit stärker verbreiten zu können.

Doch Michael hat ein Problem: Obwohl er zu glauben versucht, wachsen immer wieder die Zweifel in ihm, und sie verschwinden nie. Er führt die Zweifel auf die Tatsache zurück, dass er wohl nicht richtig betet, und intensiviert seine Glaubensbemühungen. Als es zum Streit zwischen seinem älteren Bruder und seinem Vater kommt, der mit einem schrecklichen Zerwürfnis endet, konzentriert sich Michael noch stärker auf die Mission seines Vaters.

Erst nach einiger Zeit wird ihm – und damit den Lesern klar –, welchen Plan sein Vater verfolgt. Er lässt eine Zeitmaschine bauen, um mit dieser in die Vergangenheit reisen zu können. Sein Sohn und einige Begleiter sollen in direkten Kontakt mit Jesus Christus treten und den Sohn Gottes treffen, als Beweis für die ungläubigen Menschen der aktuellen Zeit, dass es die frohe Botschaft wirklich gibt. Dass sein Vater in Wirklichkeit einen viel schrecklicheren Plan verfolgt, wird erst viel später klar ...

Mehr über die Handlung zu erzählen, hieße, zu viel von den inhaltlichen Überraschungen dieses Romans zu verraten. Wer haarklein wissen möchte, was in diesem Buch geschieht, schaue sich einschlägige Internet-Seiten wie die Wikipedia an, nimmt sich damit aber einen Teil der Spannung.

Denn die entwickelt der Autor ununterbrochen. Da recht schnell klar wird – auch jenen Lesern, die »Das Jesus-Video« nicht kennen –, dass es um eine Zeitreise in die Zeit Christi geht, ist es schon extrem unterhaltsam, die Vorbereitungen dazu zu verfolgen. Vor allem deshalb, weil diese Vorbereitungen parallel zu politischen Entwicklungen oder auch dem Leben des ehemaligen Milliardärs John Kaun verlaufen.

Andreas Eschbach ist es mit diesem Roman zum wiederholten Mal gelungen, ein Science-Fiction-Thema so aufzubereiten, dass sogar Leuten, die keine phantastische Literatur mögen, gar nicht auffallen dürfte, in welchem Genre sie sich während der Lektüre bewegen. Für Science-Fiction-Kenner gibt es die bekannten Überlegungen, wie eigentlich eine Zeitmaschine funktionieren müsste, was ein Paradoxon bewirken könnte und warum eine Reise durch die Zeit zugleich eine Reise durch den Raum sei.

Darüber hinaus bewerte ich seinen Roman als eine klare Absage an religiöse Fanatiker – egal welcher Art. Eschbach zeigt, dass Fanatismus sich nicht nur bei muslimischen Extremisten findet, sondern dass es auch bei den »Hardcore-Christen« genug Menschen gibt, deren Ansichten und Taten gefährlich sind. Der reiche Milliardär, den er ins Zentrum der Geschichte stellt, glaubt so fest an seine Überzeugungen, dass er bereit dazu wäre, über Millionen oder gar Milliarden von Leichen zu gehen.

Der Autor schildert die Vorbereitungen der Zeitreise ebenso spannend wie israelische oder amerikanische Geheimdienst-Aktivitäten; er beschreibt die Zirkel der Finanz-Elite und schafft so ganz nebenbei ein Sittenbild der evangelikalen Sekten.
Das wird sicher nicht jedem Leser schmecken – auch hierzulande nicht –, aber es ist stets extrem glaubhaft und spannend. Die Charaktere verhalten sich so, dass man jede ihrer Taten verstehen, wenngleich nicht billigen kann. Und diese Spannung zieht der Autor bis ans Ende seines extrem unterhaltsamen Romans durch ...

Erschienen ist der Roman als Hardcover mit Schutzumschlag im Bastei-Lübbe-Verlag; er umfasst 733 Seiten und kostet 22,99 Euro. Bei einer Bestellung im Buchhandel ist die ISBN 978-3-431-03900-9 hilfreich. Wer sich ein wenig über den Inhalt informieren möchte, erhält auf der Internet-Seite des Verlages eine kostenlose Leseprobe.

Das E-Book, das unter anderem für den Kindle erhältlich ist, kostet 16,99 Euro. Ebenso gibt es eine Hörbuch-Version, die von Matthias Koeberlin eingelesen worden ist; sie ist als gekürzte Ausgabe bei Lübbe-Audio erschienen und 442 Minuten lang. Der empfohlene Verkaufspreis liegt hier bei 19,99 Euro.

 

Klaus N. Frick

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