Die Redaktion empfiehlt: »Der Hilliker-Fluch« von James Ellroy

04.07.2014 07:45 von vpm

Intensiver Blick in einen Schriftsteller

Seit ich den ersten Roman von James Ellroy gelesen habe, zählt der amerikanische Schriftsteller zu denen, deren Romane mich wirklich packen. Ellroy ist ein besessener Schreiber, der in seinen Romanen und Kurzgeschichten die Untiefen des Menschen auslotet; seine Helden sind häufig gebrochene Figuren, die mit einer Umwelt ringen, die sie nicht verstehen und mit der sie nicht klar kommen.

Mi»Der Hilliker-Fluch« von James Ellroyt den Kriminalromanen »Die Schwarze Dahlie« oder »L.A. Confidental«, die erfolgreich verfilmt wurden, riss er mich als Lesender in genau jenen Strudel aus Gewalt und Angst hinein, in den er seine Figuren stürzt. Mit seinem »Blut will fließen«, einen Thriller, den ich für unverfilmbar halte, trieb er das Spiel mit historischer Wahrheit und wahnhafter Phantasie noch weiter.

Zuletzt las ich von Ellroy das Buch »Der Hilliker-Fluch« – und das war etwas ganz Besonderes. Es handelt sich dabei um keinen Roman, sondern eher um eine romanhafte Autobiografie: Der Autor erzählt von sich selbst und seiner besessenen Suche nach einer Frau, die er liebt und die auch ihn liebt.

Seine Suche hat dabei etwas mit ihm selbst zu tun: Ellroys Mutter wurde ermordet, als er noch ein Junge war. Er führt all seine Verfehlungen späterer Jahre, all seine Probleme, die er mit Menschen im Allgemeinen und Frauen im Besonderen hat, auf das Trauma zurück, das er damals erlitten hat – auf den »Hilliker-Fluch«, wie er es aufgrund des Nachnamens seiner Mutter nennt.

Seine Betrachtungen umspannen einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten, wie das in einer Autobiografie üblich ist. Allerdings hat Ellroy keine normale Biografie verfasst, sondern einen literarischen Blick auf sein Leben. Er schildert seine Eindrücke mit der schriftstellerischen Kraft eines bedeutenden Autors, der wuchtige Sätze formuliert und seine Eindrücke so präsentiert, dass man als Leser mit dem Ich-Erzähler geradezu mitleidet. Ellroy präsentiert sich nicht als sympathischen Menschen, sondern als einen Getriebenen.

Dabei entsteht tatsächlich große Literatur, so klischeehaft das klingen mag. »Der Hilliker-Fluch« ist weit entfernt von einem Kriminalroman oder Thriller, er hat auch nichts mit gewöhnlicher Genre-Literatur zu tun. Ellroy wirft Schlaglichter auf ein teilweise erfolgreiches und teilweise verpfuschtes Leben, und das macht er so spannend, dass man ihm als Leser mit fieberhaftem Interesse folgt.

»Der Hilliker-Fluch« ist vor allem für die Leser interessant, die einige Werke des Autors kennen. Aber es handelt sich zugleich um ein Buch, das wie ein Psychothriller in die Abgründe der menschlichen Seele weist – eine starke Lektüre!

Erschienen ist das Buch vor drei Jahren als Hardcover, seit Frühjahr 2014 liegt es als Ullstein-Taschenbuch vor. Das Taschenbuch umfasst 256 Seiten und kostet 9,99 Euro; die ISBN 978-3-5482-8582-5 ist bei einer Bestellung behilflich. Den Roman gibt's in allen Buchhandlungen, ebenso im Internet bei den bekannten Versandhändlern wie Amazon.

Klaus N. Frick

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