Die Redaktion empfiehlt: »Der grüne Komet« von Herbert W. Franke

16.05.2017 08:00 von vpm

Ein Meisterwerk der deutschsprachigen Science Fiction

Zu den unangefochtenen Klassikern der deutschsprachigen Science Fiction zählt der Autor Herbert W. Franke. Schon in den 60er-Jahren erhielt er für seine Kurzgeschichten und Romane erste Literaturpreise, er prägte zahlreiche andere Autoren. Am 14. Mai 2017 konnte er seinen neunzigsten Geburtstag feiern. Das ist Grund genug, einen seiner Klassiker vorzustellen.

Dass ich das kann, ist übrigens ein Verdienst des kleinen Verlags p.machinery. In dessen Programm erscheint eine Werkausgabe, in der alle Bücher des Schriftstellers veröffentlicht werden sollen – ich nutzte die Chance, »Der grüne Komet« noch einmal zu lesen. Zuletzt hatte ich das zu Beginn der 80er-Jahre getan, in Form eines Taschenbuches aus dem Goldmann-Verlag.

Die neue Buchausgabe hat auch schon drei Jahre »auf dem Buckel«, ist also alles andere als aktuell. Bei einem Klassiker, den es neu zu entdecken gilt, sollte das allerdings niemanden stören.

Veröffentlicht wurde die Sammlung von insgesamt 65 Kurzgeschichten bereits 1960; damals war sie einer der wichtigsten Titel in der Goldmann-Reihe, die vor allem amerikanische und britische Autoren präsentierte. Seither wurde die Sammlung mehrfach neu aufgelegt. Für die Neuauflage wurden die Texte noch einmal durchgeschaut, nicht aber grundlegend verändert.

tl_files/comic/images/news/empfehlungen/Der_gruene_Komet.jpgDas finde ich gut: 1960 schrieb man einfach anders als 2017 – und das soll auch so bleiben. »Der grüne Komet« zeigt vor allem, wie Science Fiction in jener Zeit war: stark ideenorientiert, oftmals verkürzt und auf einen Effekt hin geschrieben, nicht unbedingt ausufernd und vor allem nur wenig ins Innere der Figuren gehend.

In den Texten spielt der Autor verschiedene Möglichkeiten durch, wie sich die Zukunft anfühlen könnte: Außerirdische erreichen die Erde, menschliche Raumfahrer durchqueren das All, Menschen treffen auf Aliens, Roboter haben ihre Probleme, Kriege werden auch in der Zukunft geführt – und so weiter. Aus vielen der kurzen Ideen könnte man ganze Romane machen; bei anderen ist es gut, dass sie so kurz bleiben.

Weil die Lektüre so abwechslungsreich ist, liest sicher niemand das Buch am Stück. Ich habe das auch nicht getan und mich stattdessen an jedem Abend auf eine neue Story eingelassen. Die Lektüre machte Spaß, immer wieder überraschten mich neue Ideen und Gedankengänge.

Herbert W. Franke legte mit »Der grüne Komet« den Grundstein für seine Autorenkarriere. Zudem stellte er damit eine wichtige Storysammlung vor, die für die deutschsprachige Science Fiction sehr wichtig war. Ich finde, dass die Lektüre dieser 65 Kurzgeschichten auch heute noch eine Pflicht für jeden Science-Fiction-Fan ist ...

Das Buch umfasst insgesamt 236 Seiten; neben den eigentlichen Kurzgeschichten enthält es auch noch redaktionelle Ergänzungen, die dabei helfen, die Texte besser einzuordnen. Es gibt zwei gedruckte Versionen – beide wurden von Verlag p.machinery veröffentlicht.

Das Taschenbuch hat die ISBN 978-3-95765-019-1 und kostet 11,90 Euro. Darüber hinaus wurde eine limitierte Hardcover-Ausgabe veröffentlicht, die noch lieferbar ist und sich im Bücherregal gut macht; sie trägt die ISBN 978-3-95765-020-7 und kostet 23,90 Euro.

Klaus N. Frick

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