Die Redaktion empfiehlt: »Der ewige Krieg« von Joe Haldeman & Mark Marvano

25.06.2012 15:00 von vpm

Anti-Kriegs-Roman als Science-Fiction-Comic

Am Anfang war der Krieg in Vietnam: Joe Haldeman, ein junger Amerikaner, kam nach seinem Kampfeinsatz in dem südostasiatischen Land traumatisiert in seine Heimat zurück. Als Science-Fiction-Autor verarbeitete er seine Erfahrungen, die er im Krieg gesammelt hatte, zu einem Roman. Dieser erschien 1975 und wurde einer der wichtigsten Romane des Jahrzehnts: »Der ewige Krieg« gilt bis heute als Anti-Kriegs-Roman und Science-Fiction-Klassiker zugleich.

Es lag nahe, aus dem Roman auch einen Comic zu machen. Mark Marvano adaptierte das Werk in den späten 80er-Jahren, die drei einzelnen Comic-Alben wurden im deutschsprachigen Raum publiziert. Jetzt liegt »Der ewige Krieg« als Comic-Gesamtausgabe vor - und wirkt in dieser Version noch wuchtiger, noch beeindruckender als zuvor.

Das liegt in erster Linie an der Geschichte. Bei Joe Haldeman ist ein Krieg im Weltraum weit schrecklicher als eine bewaffnete Auseinandersetzung auf der Erde. Ob mit Strahlenkanonen oder mit Handwaffen: Wenn die Menschen auf die sogenannten Tauren stoßen, wird erbarmungslos gekämpft, liegen hinterher Tote auf dem Schlachtfeld oder treiben durch das eisige All. Der Krieg, dessen Ursprung im Verborgenen bleibt und der sich über Jahrhunderte erstreckt, wird unbarmherzig geführt: zuerst von ganz normalen Menschen, später von Menschen, die immer mehr zu Cyborgs werden, am Ende nur noch von Klonkriegern.

Geschildert wird das Ganze aus der Sicht des Soldaten»Der ewige Krieg« von Joe Haldeman / Mark Marvano William Mandella, der von Anfang an diesen Krieg mitmachen muss. Da er immer auf Raumschiffen in den Einsatz fliegt, die dem Einfluss der Zeitdilatation unterliegen, altert er nur Monate und Jahre, während auf der Erde die Jahrhunderte verstreichen. Die Handlung des Comics erstreckt sich so über mehr als tausend Jahre ...

Überhaupt verarbeitet der Autor die unterschiedlichsten Science-Fiction-Ideen wie selbstverständlich. Raumfahrt ist kein fröhliches Abenteuer, sondern eine anspruchsvolle Arbeit. Die Raumschiffe müssen beschleunigt werden, die Stationen werden im lebensfeindlichen All errichtet, und Kämpfe unterliegen höchst komplizierten Bedingungen. Und selbstverständlich verändert sich eine Gesellschaft im Verlauf von etwa tausend Jahren massiv ... Diese Veränderungen schildert Haldeman in seinem Roman schon sehr glaubhaft und nachvollziehbar - in der Comic-Version werden sie noch deutlicher hervorgehoben.

Der belgische Künstler Mark van Oppen, der unter seinem Pseudonym Mark Marvano arbeitet, liefert hervorragende Bilder von den Tiefen des Alls, von Raumschiffen und von fremden Planeten, aber auch von Menschen und ihren Beziehungen. Seine Zeichnungen sind allesamt »handgemacht«, kommen also ohne jegliche Unterstützung von modernen Computerprogrammen aus - das macht ihre Konturen und Farben manchmal weich, und das von ihm geschaffene Universum wirkt in gewisser Weise lebendig.

Selbstverständlich setzt er auch auf Schockeffekte: Action wird bei Marvano knallhart geschildert, und die Bilder von Leichen, die durchs All treiben, wirken gerade durch die kühle Art der Darstellung eindrucksvoll. Den Roman fand ich schon immer klasse, die Comic-Version ist darüber hinaus auch optisch ein Meisterwerk.

Mir hat zudem sehr gut gefallen, dass die Gesamtausgabe gegenüber den Einzelbänden aufgewertet wurde. Tagebuchauszüge von Joe Haldeman, Briefe des Zeichners und des Autors sowie Fotos - sowohl im Vor- als auch im Nachwort wird der Entstehungsprozess des Romans wie des Comics gewürdigt.

Die Comic-Version von »Der ewige Krieg« ist als Hardcover-Band im Carlsen-Verlag erschienen und umfasst 168 Seiten. Allen Science-Fiction-Fans sei sie ans Herz gelegt - auch denen, die den Roman schon kennen. Mithilfe der ISBN 978-3-551-78374-5 kann der Comic in jeder Buchhandlung bestellt werden, selbstverständlich ebenso über Versender wie amazon.de. Er kostet 29,90 Euro.

Klaus N. Frick

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