Die Redaktion empfiehlt: »Das Schiff« von Andreas Brandhorst

19.10.2016 08:15 von vpm

Eindrucksvoller Science-Fiction-Weltentwurf

Bereits im Herbst 2015 kam »Das Schiff« in den Handel, und für diesen Roman erhielt Andreas Brandhorst zu Recht den Kurd-Lasswitz-Preis – die Science-Fiction-Profis zeichneten das Werk als besten Roman des Jahres aus. Ich kam leider erst in diesem Sommer dazu, den Roman zu lesen; meine Besprechung kommt deshalb ein wenig verspätet.

»Das Schiff« von Andreas BrandhorstBei einem lohnenswerten Werk wie »Das Schiff« sollte das aber eher zweitrangig sein. Diesen Roman empfehle ich nach wie vor – es handelt sich dabei wirklich um einen »großen Roman«, der nachwirkt.

Brandhorst ist seit den späten 70er-Jahren in der Science-Fiction-Szene aktiv. Wie viele Autoren seiner Generation fing er mit Heftromanen an, schrieb für verschiedene Serien, veröffentlichte viele Romane und wurde dann zu einem beliebten Übersetzer für Science Fiction und Fantasy. In den Nuller-Jahren meldete er sich als Autor zurück und machte seitdem immer wieder mit kühnen Weltentwürfen auf sich aufmerksam. »Das Schiff« ist dabei keine Ausnahme – dieser Roman berührte und faszinierte mich.

Es ist eine seltsame Zukunft, in die der Autor seine Leser schickt: Andreas Brandhorsts »Das Schiff« spielt 6000 Jahre in der Zukunft. Nur noch vier Millionen Menschen leben auf der Erde, unsterblich dank der segensreichen Hilfe der allmächtigen Maschinen. Es gibt allerdings einige Menschen, die sterblich geblieben sind; man konnte sie nicht umwandeln. Einer von ihnen ist Adam – der Name ist bezeichnend –, dessen Geschichte im Buch erzählt wird.

Adam ist ein sogenannter Mindtalker, einer jener Menschen, die ihre Bewusstseine auf Reisen schicken können. Die Unsterblichen können die Erde nämlich nicht verlassen, nur speziell ausgebildete Sterbliche wie Adam schaffen es, ihre Bewusstseine auszusenden. Sie werden zu Planeten abgestrahlt, wo die Maschinen bereits Stützpunkte errichtet haben. Dort helfen sie mit ihrer menschlichen Intuition dabei, Kontakt zu Außerirdischen herzustellen, vor allem aber, uralte Hinterlassenschaften zu untersuchen.

Vor langer Zeit gab es bereits eine Kultur in der Milchstraße, die offenbar verschwunden ist, vorher aber zahlreiche andere Zivilisationen vernichtet hat. Dieses Schicksal möchten die Maschinen der Menschheit ersparen. Doch wie Adam bald herausfindet – mithilfe einer Unsterblichen, die den sprechenden Namen Evelyn trägt –, ist sehr vieles nicht so, wie er es sich vorstellt und wie man es ihm berichtet hat ...

Der Versuch, den komplexen Handlungsbogen von »Das Schiff« in wenigen Sätzen zusammenzufassen, ist eigentlich zum Scheitern verurteilt. Andreas Brandhorst taucht tief in die Psyche seines Helden ein, schildert Adam mit seinen Sorgen und Nöten, mit seiner Hoffnung und seiner Verzweiflung, stellt vor allem auch glaubhaft dar, wie sich seine Sicht auf die Welt im Verlauf der Zeit verändert. Allein das fand ich schon spannend – aus der Sicht des Helden wird eine faszinierende Welt der fernen Zukunft glaubhaft vermittelt.

Noch faszinierender ist die philosophische Ebene des Romans. Welche Rolle können Maschinen spielen, wie wichtig können und dürfen Roboter denn eigentlich werden? Wie wird sich eine Gesellschaft entwickeln, in der Menschen unsterblich werden? Und wie kann ein Konflikt zwischen Maschinen-Zivilisationen ablaufen, die sich seit vielen Jahrtausenden entwickeln?

»Das Schiff« ist moderne Science Fiction: Charaktere werden klar geschildert, die aktuellen Themen technischer Art finden ihren Niederschlag. Gleichzeitig baut der Autor auf den Modellen der klassischen Space Opera auf, schildert einen wahrhaft kosmischen Konflikt, der sich über Jahrtausende und eine ganze Galaxis erstreckt. Dabei entwirft er ein Szenario, das atemberaubend ist und eigentlich jeden Science-Fiction-Leser packen sollte.

Der Roman ist in einer schönen Paperpack-Ausgabe mit Klappenbroschur im Piper-Verlag erschienen. Er umfasst 544 Seiten und kostet 14,99 Euro. Man kann ihn mithilfe der ISBN 978-3-492-70358-1 überall im Buchhandel bestellen, ebenso bei Versendern wie Amazon.

Selbstverständlich gibt es auch eine E-Book-Version es Romans, unter anderem für den Kindle – diese kostet 11,99 Euro. Und wer sich ein wenig informieren und einlesen möchte, findet auf der Internet-Seite des Verlages nicht nur eine Leseprobe, sondern auch weitergehende Informationen zum Autor und seinem Werk.

 

Klaus N. Frick

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