Die Redaktion empfiehlt: »Das Kaninchenrennen« von Boris Koch

20.05.2015 08:30 von vpm

Wunderbares Jugendbuch mit phantastischem Hintergrund

Niederrhode ist eine ganz normale Stadt, die irgendwo in Deutschland liegt. Aber machen wir uns nichts vor: Es ist ein paralleles Deutschland, eine Welt mit einem phantastischen Charakter, wenngleich dieser nicht so deutlich zutage tritt.

In Niederrhode leben die Menschen nämlich unter anderem davon, dass sie in den sogenannten Schauerwerken Figuren herstellen, die dann in einer Geisterbahn die Menschen erschrecken. Und in Niederrhode wird alljährlich das große Kaninchenrennen ausgetragen, seit den Tagen des Dreißigjährigen Krieges die Sensation in der kleinen Stadt schlechthin.

S»Das Kaninchenrennen« von Boris Kocho schlicht und einfach und gleichzeitig so elegant präsentiert Boris Koch sein kleines Universum, in dem er seinen aktuellen Roman angesiedelt hat. »Das Kaninchenrennen« ist ein Jugendbuch, vielleicht sogar ein Kinderbuch, eigentlich gedacht für Leser um die zehn Jahre, aber gleichzeitig wunderbar geeignet für »große Kindsköpfe« oder solche Erwachsene, die Kindern etwas Schönes und Gelungenes vorlesen möchten.

Der Autor bewegt sich seit Jahren im Spannungsfeld zwischen ernsthaft-phantastischer Literatur und dem Jugendbuch, das macht er sehr erfolgreich. Mit seinem Roman »Der Drachenflüsterer« begeisterte er junge Leute für die Fantasy; mit Kurzgeschichten und seinem eigenen Kleinverlag, der Edition Medusenblut, sorgte er für schräge Phantastik-Unterhaltung. Zuletzt erregte er mit Krimis eine Aufmerksamkeit.

»Das Kaninchenrennen« ist eine logische Fortsetzung von alledem: ein Roman, der Spaß bereitet und der sogar die Kritiker begeisterte.

Dass der Roman so gemocht wird, gelingt Boris Koch wegen seiner Hauptfigur, aus deren Sicht er die Handlung beschreibt. Mit dem zehn Jahre alten Tim hat er eine Figur, die glaubhaft ist: Der Junge ist nicht perfekt, er gerät dank seiner großen Klappe auch mal in einen Streit, aber er ist ehrlich. Seine Eltern sind tot, zu seinen Großeltern pflegt er eine gute Beziehung, und Freundschaft ist ihm wichtig.

Als Tim ausgerechnet ein dreibeiniges Kaninchen erhält, mit dem er beim großen Rennen keine Chance hat, ist er anfangs frustriert. Doch dann schließt er mit diesem Kaninchen einen besonderen Bund, er bekommt neue Freunde und beginnt, seinen eigenen Weg zu gehen. Er stellt sich gegen die Widerstände einer ganzen Kleinstadt, er bekommt Ärger mit Erwachsenen und mit Klassenkameraden.

Das alles schildert Boris Koch mit einem hervorragenden Sinn für Humor und Abenteuer. Die Geschichte läuft ohne jegliche Pause ab, ständig passiert etwas – aber der Autor übertreibt es dabei nicht. Obwohl die Geschichte in einer Art parallelem Universum abläuft, bleibt sie stets nachvollziehbar und sympathisch.

Es ist eine Geschichte über Freundschaft und Zusammenhalt, über die Ablehnung von Tyrannei und den Sieg der Fairness, gleichzeitig geht es – wenn man möchte – um zutiefst moralische Entscheidungen. »Das Kaninchenrennen« bereitet während der gesamten Lektüre viel Vergnügen, und ich kann es Lesern aller Altersgruppen empfehlen.

Erschienen ist der Roman als gebundenes Buch – ein Hardcover-Band ohne Schutzumschlag – bei Heyne fliegt, der Jugendbuchabteilung des Heyne-Verlags. Er umfasst 336 Seiten und kostet 12,99 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-453-26940-8 kann er in jeder Buchhandlung bestellt werden, ebenso bei Versendern wie Amazon.

Auf der Internet-Seite des Verlages gibt es weitere Informationen zum Autor und seinem Roman; darüber hinaus steht eine Leseprobe zur Verfügung. Selbstverständlich ist der Roman auch als E-Book erhältlich; in dieser Variante kostet er 9,99 Euro.


Klaus N. Frick

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