Die Redaktion empfiehlt: »Clockwork Orange – Die Urfassung« von Anthony Burgess

19.02.2015 09:07 von vpm

Das Meisterwerk der Dystopie in neuer Übersetzung

Seit seinem erstmaligen Erscheinen im Jahr 1961 hat der Roman »Uhrwerk Orange« zahlreiche Kontroversen ausgelöst. Verfasst wurde das Werk, das der Autor bewusst als Anti-Utopie betrachtete, von Anthony Burgess. Für ihn war es ein düsterer Blick auf eine mögliche Gesellschaftsform der nahen Zukunft. Bekannt wurde es vor allem durch seine Verfilmung: Stanley Kubricks Film beeinflusste viele Jugendkulturen, sorgte aber gleichzeitig dafür, dass die Dystopie des Originals durch die Darstellung von Sex und Gewalt verdrängt wurde.

»Clockwork Orange« von Anthony BurgessUmso besser, dass bei Klett-Cotta die Originalfassung von »Clockwork Orange« erschienen ist – in einer hervorragenden und extrem feinfühligen Neu-Übersetzung durch den preisgekrönten Übersetzer Ulrich Blumenbach. Neben dem Original-Text sind in dem vorliegenden Buch diverse Artikel, ergänzende Szenen, Auszüge aus einer Bühnenfassung sowie Texte des Autors enthalten. So entsteht das Gesamtbild eines Romans, der von sehr vielen Lesern und Zuschauern falsch verstanden worden ist.

Um was geht's denn eigentlich wirklich? Held des Romans ist Alex, ein 15 Jahre alter Jugendlicher, der in einem Londoner Vorort wohnt. Tagsüber geht er in die Schule, abends und nachts zieht er mit seinen Kumpanen los – seinen Droogies – und führt sein eigenes Leben: Er überfällt andere Leute, er nimmt Drogen, die Bande prügelt sich mit anderen Banden, es wird vergewaltigt und schikaniert.

Auffallend ist dabei, dass Alex tatsächlich klassische Musik hört, unter anderem von Beethoven (aber nicht nur – hier unterscheiden sich Film und Buch gravierend). Mit seiner Gang unterhält er sich in einer seltsamen Sprache, die mit unbekannten Slangwörtern und russischen Begriffen vermengt ist – was der Autor in seinem Roman vor allem am Anfang so sehr zelebriert, dass die Lektüre nicht gerade einfach ist.

Nach einem besonders brutalen Überfall wird Alex von der Polizei geschnappt, kommt ins Gefängnis und wird dort einer neuartigen Behandlung unterzogen. Die Methode soll ihn läutern, ihn in einen besseren Menschen verwandeln. Er bekommt eine besonderen Art von Gehirnwäsche, doch dann geht alles schrecklich schief ...

»Uhrwerk Orange« präsentiert auf den ersten Seiten eine kalte, unpersönliche Zukunft, die von Gewalt und Drogen bestimmt ist; im weiteren Verlauf erweist sich der Roman als eine kluge Parabel über Freiheit und Zwang, über den inneren Kern eines Menschen und die moralischen Verwicklungen beim Strafvollzug. Und er stellt klar, dass nicht nur der jugendliche Kriminelle ein Verbrecher ist, sondern ebenso die Politiker, die mit seiner Hilfe auf Wiederwahl und persönlichen Machtzuwachs hoffen.

Der Roman ist tatsächlich ein Meisterwerk, in der neuen Übersetzung kommt das noch deutlicher heraus. Die ergänzenden Texte stellen das Buch zudem sowohl in einen zeitlichen als auch in einen intellektuellen Zusammenhang – eine interessante Lektüre für Menschen, die gern wissen wollen, was »hinter« einem Thema steckt.

Erschienen ist der Roman als Hardcover mit Schutzumschlag bei Klett-Cotta. Er umfasst 352 Seiten, kostet 21,95 Euro und kann mithilfe der ISBN 978-3-608-93990-3 überall im Buchhandel bestellt werden; selbstverständlich bieten ihn auch Versender wie Amazon an.

Es gibt auch eine E-Book-Version, die unter anderem für den Kindle angeboten wird. Sie kostet 17,99 Euro. Wer sich ein wenig informieren möchte, findet zu dem Buch einen lesenswerten Artikel in der Wikipedia; auf der Internet-Seite des Verlages gibt es eine Leseprobe sowie diverse weiterführende Links.

Klaus N. Frick

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