Die Redaktion empfiehlt: »Cemetery Girl 1« von Charlaine Harris / Christopher Golden

15.07.2014 06:45 von vpm

Comic-Mystery, die neugierig macht

Dass es Comic-Figuren auf Friedhöfe zieht, ist – seit dem legendären »Spirit« – nicht unbedingt neu. Dass sich ein Mädchen in einem Friedhof einquartiert, um dort vor seinen mutmaßlichen Mördern sicher zu sein, und dass dieser Stoff der Ausgangspunkt für eine neue Comicserie ist – das ist allerdings recht originell und macht auf die Fortsetzungen neugierig.

Im»Cemetery Girl« von Charlaine Harris / Christopher Golden Frühjahr dieses Jahres kam der erste Teil von »Cemetery Girl« in deutscher Sprache in den Handel. Das Paperback enthält den Auftakt der gelungenen Serie, die sich offensichtlich an ein jüngeres und weiblicheres Publikum richtet als die üblichen amerikanischen Comics.

Zur Handlung: Die jugendliche Hauptperson erwacht auf einem Friedhof, erinnert sich an nichts, nicht einmal an ihren Namen. Immer wieder hat sie »Flashbacks« an ihre Vergangenheit, aus denen sie schließt, dass sie jemand ermorden möchte.

Sie richtet sich eine neue Existenz an dem Ort ein, wo sie glaubt, sicher zu sein: direkt in einer Gruft auf dem Friedhof. Aus Namen, die sie auf Grabsteinen liest, generiert die junge Frau einen neuen Namen für sich – ab sofort nennt sie sich Calexa Rose Dunhill. Anfangs bestiehlt sie die Nachbarn; bald aber wird sie von einem Friedhofswärter und einer alten Dame mit Essen, Getränken und Kleidung versorgt. Sie beobachtet die Trauergäste, sie wird gelegentlich aufgestöbert, und sie versucht hinter das Geheimnis ihrer Herkunft zu kommen.

Soweit der Ausgangspunkt zu »Cemetery Girl«, dessen erster Band mir sehr gut gefallen hat. Die Autoren der Serie sind Charlaine Harris, die bereits seit über dreißig Jahren Romane mit Fantasy- und Mystery-Stoffen veröffentlicht, und Christopher Golden, der sich ebenfalls als erfolgreicher Schriftsteller betätigt. Die phantastische Welt, in die sie ihre jugendliche Hauptfigur stürzen, wird von ihnen geheimnisvoll präsentiert – immer wieder gibt es neue Informationen.

Bei ihrer Erzählung bleiben die Autoren eng an der Perspektive der jungen Heldin. Sie verhält sich glaubhaft, man nimmt ihr das Mädchen ab – und ihr Blick auf jugendliche Gangster oder mysteriöse Erscheinungen wird nachvollziehbar geschildert. Wäre das Ganze ein Jugendroman, hätten die beiden Autoren mich schon überzeugt.

Für die Zeichnungen ist Don Kramer verantwortlich, der schon für diverse Comic-Serien gearbeitet hat und sich dabei einen guten Namen erwerben konnte. Sein Stil ist nicht spektakulär, sondern eher ruhig – allerdings stets sehr ordentlich. Kramers Zeichnungen unterstützen die Handlung, sie überlagern sie nicht. Da stört mich dann tatsächlich nicht, dass er manchmal unsauber arbeitet, dass manche Perspektive alles andere als optimal ist. Wer amerikanische Comics kennt und liest, wird sehr schnell bessere Zeichner finden.

Hier entscheidet aber das Gesamtwerk. »Cemetery Girl« ist ein gelungener Comic mit Fantasy-Elementen, der für jeden Comic- und Fantasy-Fan stets eine unterhaltsame Lektüre bildet. Ich bin nach der ersten Folge auf die Fortsetzungen gespannt!

Erschienen ist »Cemetery Girl« bei Panini Deutschland; das erste Paperback umfasst 132 Seiten und kostet 16,99 Euro. Man kann den Comic in jeder Fachbuchhandlung bestellen, ebenso bei diversen Versendern im Internet – wer sich zuvor informieren möchte, findet auf der Verlagsseite des Panini-Verlages zudem eine schöne Leseprobe.

Klaus N. Frick

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