Die Redaktion empfiehlt: »Caline & Calebasse Gesamtausgabe« von Raoul Cauvin / Luc Mazel

14.04.2015 08:30 von vpm

Klassischer Funny, neu entdeckt

Ich bildete mir jahrelang ein, mich mit Comics eigentlich ganz gut auszukennen. Vor allem aber glaubte ich, bei den frankobelgischen Comics einen ordentlichen Einblick zu haben. Von »Caline und Calebasse« hatte ich aber bis vor kurzem noch nie gehört – die amüsante Serie um einen französischen Musketier und sein eigensinniges Pferd war im deutschsprachigen Raum nie sonderlich bekannt geworden.

Je»Caline & Calebasse Gesamtausgabe« von Raoul Cauvin / Luc Mazeltzt aber las ich endlich den ersten Band der neuen Gesamtausgabe, der bereits 2013 erschienen ist, und stelle verschiedene Dinge fest: In meiner frühen Jugend, als ich »Lupo Modern« und »Fix und Foxi« liebte, stolperte ich tatsächlich über einige dieser Geschichten – und diese Comics lassen sich heute mit einem gewissen Augenzwinkern immer noch gut lesen. Man muss allerdings, und so viel nehme ich vorweg, ein Vergnügen an den klassischen Funny-Comics der 60er- und 70er-Jahre haben. (Wobei das jeder Fan von »Asterix« oder »Lucky Luke« haben sollte ...)

Bei dieser Serie muss man glatt in die Historie eintauchen: Erste Anfänge dazu gab es bereits 1969 – die Geschichten erschienen damals im »Spirou«-Magazin. Später kamen weitere »Caline und Calebasse«-Abenteuer auch in anderen Zeitschriften heraus; die Serie erreichte innerhalb der Comic-Szene eine große Beliebtheit, wenngleich sie immer im Schatten der ganz großen Namen stand.

Verantwortlich für die Texte war Raoul Cauvin, der sich bereits mit anderen Serien einen Namen gemacht hatte; die Zeichnungen stammten von Luc Mazel, der im deutschsprachigen Raum nur den Fachleuten ein Begriff ist. Veröffentlicht wurden die Geschichten nicht nur in Frankreich und Belgien, sondern ebenso in Deutschland – allerdings nie in einer vernünftigen oder nachvollziehbaren Reihenfolge.

Das soll jetzt anders sein, und der erste Band der Gesamtausgabe belegt das sehr schön: Er enthält Geschichten aus den Jahren 1969 bis 1973, die zu einem großen Teil im deutschsprachigen Raum bislang nicht publiziert wurden.

Verantwortlich für diese Gesamtausgabe ist der kleine Verlag Salleck Publications, dessen Chef Eckart Schott in den vergangenen Jahren sein Programm durch eine Reihe gut gestalteter Titel ausgebaut hat. Seine Gesamtausgabe basiert auf dem Projekt des französischen Verlags Dupuis, was für sorgfältige Arbeit bürgt.

So gibt es für die Leser eben nicht nur gut 250 Comic-Seiten mit Kurzgeschichten und ganzen Albern, sondern ebenso gut drei Dutzend Bonusseiten, die Hintergründe zu den Künstlern und ihrem Werdegang liefern. Wer solche Details mag, wird sich doppelt über das Buch freuen.

Und um was geht's bei den Geschichten? Im Reich des französischen »Sonnenkönigs« ist Calebasse ein junger Mann, der unbedingt Musketier werden möchte – das schafft er nach einigen Abenteuern auch. Problematisch für ihn ist seine Stute Caline, die kein »höfisches Benehmen« hat: Das Pferd ist zu dick, es wiehert laut, es sucht Streit und ist nachtragend. Gleichzeitig aber ist es Calebasses Geheimwaffe bei manchem Abenteuer.

Diese Abenteuer erlebt er zusammen mit anderen Musketieren. Sie kämpfen gegen Räuber und die intriganten Machenschaften des Kardinals Richelieu, sie trinken und essen, sie stolpern in haarsträubende Fallen, und sie albern oft herum. Wie das eben war, als man in den späten 60er- und frühen 70er-Jahren Funny-Comics las ...

Machen wir uns nichts vor: Die Zielgruppe für diesen Comic sind Leser in meinem Alter – jüngere Leser können wohl weder mit dem doch etwas angestaubten Humor noch dem Zeichenstil viel anfangen. Das ist schade, weil die Geschichten ihren eigenen Reiz haben – aber man merkt ihnen eben an, wieviel Zeit vergangen ist.

Eine eingeschränkte Empfehlung von meiner Seite also: Ein Comic-Klassiker will entdeckt werden. Und wer auf solche Klassiker steht, sollte einen Blick in die Leseprobe werfen, die der Verlag auf seiner Seite zur Verfügung stellt.

Der erste Teil der Gesamtausgabe umfasst 296 Seiten und kostet 29,90 Euro. Mithilfe der ISBN 978-3-89908-521-1 gibt es dem Band überall im Buch- und Comic-Fachhandel, selbstverständlich auch bei Versendern wie Amazon.

 

Klaus N. Frick

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